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Atommüll im Bayerwald: Endlager-Gegner bringen sich in Stellung | BR24

© BR/Martin Gruber

Bei der Suche nach einem deutschen Atomendlager steht auch der Saldenburger Granit im Fokus. Für die Endlager-Gegner steht das nicht zur Debatte.

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Atommüll im Bayerwald: Endlager-Gegner bringen sich in Stellung

Wohin mit dem radioaktiven Müll? Bis 2031 soll der Standort für ein Atommüllendlager gefunden sein. Einige Gemeinden im Bayerischen Wald sind nach wie vor im Fokus. Der Saldenburger Granit könnte auf einer Liste mit möglichen Standorten stehen.

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Bis zum Jahr 2031 soll der Standort für ein Atommüllendlager feststehen. Das betrifft auch einige Gemeinden im Bayerischen Wald: Der Saldenburger Granit könnte beispielsweise auf einer Liste mit möglichen Standorten stehen, die heute veröffentlicht wird. Gemeinden wie Thurmansbang (Lkr. Freyung-Grafenau) sind in Habachtstellung.

Bürgermeister befürchtet, dass es Thurmansbang trifft

"Ich gehe davon aus, dass wir dabei sind", fürchtet Thurmansbangs Bürgermeister Martin Behringer (FWG). Gemeint ist die Liste mit möglichen Atomendlager-Standorten, die die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) heute in Berlin bekanntgeben wird. Behringer: "Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat Bayerwaldgranit schon vor 25 Jahren mit einem Gutachten ins Gespräch gebracht. Seitdem werden wir da immer wieder genannt."

Bürgerinitiative leistet seit 1996 Widerstand

Dementsprechend lange gibt es Proteste. 1996 gründete sich die "Bürgerinitiative gegen ein Atommüllendlager im Saldenburger Granit", deren Vorsitzender Behringer ist. Die Gegner sind überzeugt, dass Granit im Vergleich zu Ton und Salz die deutlich schlechtere Schutzwirkung hat. Das Gestein sei zu zerklüftet und habe wasserführende Schichten. Sollte die Region am Montag auf der Liste stehen, werde man weiterkämpfen, kündigte der Thurmansbanger Bürgermeister an. Es gelte ein Netzwerk des Widerstands zu knüpfen – mit allen Abgeordneten, Kommunalpolitikern und Ministern. "Je mehr wir sind, umso besser werden wir gehört."

Endlager wäre "fatal für Niederbayern"

Kämpferisch gibt sich auch Sebastian Gruber, CSU-Landrat von Freyung-Grafenau und Sprecher der niederbayerischen Landräte. Für ihn wäre ein Endlager das Ende der Erfolgsgeschichte Niederbayerns. Die ganze Region müsse sich überparteilich auf die Füße stellen, um dieses Thema zu verhindern. Gruber zum BR: "Über Jahrzehnte hat man versucht, Strukturpolitik zu betreiben und eine Region erfolgreich zu machen. Die Wirkung eines Endlagers wäre fatal. Wer investiert in eine Region, wo radioaktiver Müll gelagert wird? Wer macht in so einer Region Urlaub? Wer will hier wohnen und leben? Es ist ein gesamtniederbayerisches Thema."

Hallitzky: Bayern steht in der Verantwortung

Eike Hallitzky, der Landesvorsitzende der Grünen, kann die Sorgen der Menschen im Bayerischen Wald verstehen. Er kritisiert aber die Haltung der Staatsregierung, die im Koalitionsvertrag knapp, aber bestimmt festgelegt hat, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager sei. Hallitzky: "Die Suche kann nur dann funktionieren, wenn sich nicht manche Regionen von vornherein ausschließen. Staatsbürgerliche Verantwortung heißt, dass jedes Bundesland – und gerade Bayern, wo 25 Prozent des Atommülls herkommt – zu dieser Verantwortung steht, diesen geologischen Prozess fachlich begleitet und nicht von vornherein torpediert."

Lagerung soll 2050 beginnen

Das deutsche Endlager soll alle hochradioaktiven Abfälle aufnehmen, die bis zum Vollzug des Atomausstiegs Ende 2022 in Deutschland angefallen sind. Es handelt sich um abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken sowie um Reststoffe aus der Wiederaufarbeitung von Brennelementen. Der Atommüll soll in etwa 1.900 Castor-Behältern unter der Erde endgelagert werden. Bis 2031 soll die Entscheidung für einen Standort fallen, 2050 die Lagerung beginnen, hieß es weiter. Die Endlagersuche war 2017 neu gestartet worden.

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