BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Atommüll-Endlager-Suche: Gutachter kritisiert Verfahren | BR24

© picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Atommüll-Endlagersuche im Fichtelgebirge

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Atommüll-Endlager-Suche: Gutachter kritisiert Verfahren

Wohin mit unserem Atommüll? Seit Jahren läuft die Suche nach einem Endlager. Große Teile Frankens sind im Spiel, unter anderem das Fichtelgebirge. Doch nun sieht ein neues Gutachten Mängel beim Suchverfahren. Heute wird es online vorgestellt.

4
Per Mail sharen
Von
  • Lorenz Storch

Bei der Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll in Granitgestein sieht ein neues Gutachten teilweise Mängel. Das betrifft unter anderem das Fichtelgebirge rund um Marktredwitz. Das Gutachten wird heute Abend (16.12.20) ab 17 Uhr online vorgestellt.

Der vom Nationalen Begleitgremium beauftragte Gutachter, Florian Fusseis von der Universität Edinburgh, bewertet das Suchverfahren der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zwar als generell praktikabel und nachvollziehbar. Ihre Arbeit sei eine "geeignete Diskussionsgrundlage" für die Fachkonferenz Teilgebiete. Fusseis übt jedoch in mehreren Punkten auch Kritik.

Gutachten-Vorwurf: Wissenschaftliche Standards fehlen

Bei den so genannten "geologischen Abwägungskriterien" kommt der Gutachter zum Schluss, dass der Zwischenbericht in Teilgebieten zum Teil nicht den wissenschaftlichen Standards genüge – es sei nicht aus aktueller Forschungsliteratur zitiert worden, sondern stattdessen aus Geologie-Lehrbüchern für Anfänger, und noch nicht einmal der aktuellen Ausgabe. Schon die Definition der BGE für das sogenannte "kristalline Wirtsgestein" bewertet er als unzureichend belastbar.

"Bei einem wissenschaftlichen Dokument mit dieser Bedeutung erscheint das (Vorgehen a.d. Red.) unangemessen und schmälert die Überzeugungskraft der zugrunde liegenden 'Literaturrecherche' und die vermeintliche Belastbarkeit des Dokumentes insgesamt. Das ist insofern auch bedenklich, da die Referenzdatensätze extern begutachtet wurden." Florian Fusseis von der Universität Edinburgh

Mängel auch in externen Gutachten

Auch in den externen Gutachten hat der Geologe Anzeichen für nur oberflächliche Arbeit gefunden. Was umso bedenklicher sei, da die Referenzdatensätze des Zwischenberichts Teilgebiete von grundlegender Bedeutung auch für das weitere Verfahren seien. Mehrere Abschnitte des Referenzdatensatzes nennt der Gutachter "überraschend oberflächlich".

In seiner abschließenden Bewertung empfiehlt der Geologe die Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirates, der die Arbeit der BGE zur Qualitätssicherung laufend begleiten soll – als "Schaltstelle zur wissenschaftlichen Fachgemeinschaft". Mit Hilfe dieses Beirats könnten auch grundsätzliche wissenschaftliche Fragen wie Definitionen geklärt werden. Der Gutachter vermutet, dass die Qualitätssicherung unter den Beschränkungen durch die Corona-Pandemie gelitten habe.

Das Nationale Begleitgremium stellt in einer Videokonferenz heute Abend (Mittwoch, 16.12.20) von 17.00 bis 19.00 Uhr das Gutachten vor. Ebenso ein weiteres zum Thema Endlagerung in Ton. Die Anmeldung ist für jeden Bürger unter diesem Link möglich.

© BR/Storch, Lorenz

Wohin mit unserem Atommüll? Seit Jahren läuft die aufwändige Suche nach einem Endlager. Auch Nordbayern ist im Spiel. Doch nun sieht ein neues Gutachten Mängel für den Standort im Fichtelgebirge.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!