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Diese bayerischen Gebiete kommen als Endlager infrage | BR24

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Weite Teile Bayerns kommen nach dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung für weitere Untersuchungen als Standort für eine endgültige Atommüll-Deponie in Frage. Bayerns Umweltminister Torsten Glauber (Freie Wähler) sieht das anders.

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Diese bayerischen Gebiete kommen als Endlager infrage

Wohin mit dem radioaktiven Müll aus deutschen Atomkraftwerken? Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat in ihrem Zwischenbericht veröffentlicht, welche Gebiete für ein Endlager in Frage kommen. In Bayern sind mehr Gebiete dabei als erwartet.

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Von
  • Moritz Pompl
  • BR24 Redaktion

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern hätte den deutschen Atommüll am liebsten nach Gorleben verfrachtet. Aber daraus wird nichts: Der niedersächsische Salzstock steht nicht mehr auf der Liste der möglichen Endlager in Deutschland. Das geht aus dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor, der heute erschienen ist. Stattdessen sind viele Gebiete in Bayern dabei, die in den kommenden zehn Jahren als mögliche Endlagerstandorte untersucht werden sollen.

Stefan Studt, Geschäftsführer der BGE, reagierte gelassen: Dass Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber kritisiere, dass auch das Granit in Bayern im Fokus stehe, spiele für die BGE keine Rolle, so Studt. Glauber hatte bereits in der vergangenen Woche Zweifel am Verfahren angemeldet, weil der Granit in Bayern stark zerklüftet sei und für eine sichere Endlagerung technische Nachbesserungen notwendig wären.

Atommüll-Endlager-Suche: Viele Bayerische Gebiete dabei

Insgesamt 90 Gebiete haben in Deutschland laut BGE günstige geologische Voraussetzungen für ein Endlager. Auf einer "weißen Landkarte", also rein nach wissenschaftlichen Kriterien, wurden über 50 Prozent der Landesfläche Deutschlands ausgewiesen. Große Teile Bayerns gehören auch dazu. Dass das Fichtelgebirge und der Bayerische Wald mit ihren festen Granitgesteinen, sowie Teile der Tonböden rund um Neu-Ulm auf der Liste stehen würden, war abzusehen. Doch jetzt gehören deutlich mehr Gebiete dazu, die laut BGE günstige geologische Voraussetzungen bieten.

Grob gesagt bieten sich laut BGE in Bayern alle Gebiete nördlich einer Linie etwa auf der Höhe von Augsburg und Landshut an, weil hier Granit im Boden vorkommt. Ebenfalls enthalten sind Gebiete mit Tongestein in der Gegend rund um Rosenheim, Mühldorf und Burghausen, die bisher nicht in der Diskussion waren. Und auch der bayerische Teil eines Tonvorkommens in der Gegend um Neu-Ulm ist als potentieller Endlagerstandort aufgeführt. "Bayern kann das gut finden oder nicht", sagte BGE-Geschäftsführer Studt in Berlin.

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Welche Orte in Bayern kommen als Atommüll-Endlager in Frage?

Koalitionsvertrag der Landesregierung gegen Endlager in Bayern

Im letzten bayerischen Koalitionsvertrag hatten sich CSU und Freie Wähler gegen ein Endlager in Bayern ausgesprochen. Dazu sagte der Grünen-Politiker und frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin in der Bayern2 Radiowelt: "Ich würde das eine 'Meinungsäußerung' in einer Koalitionsvereinbarung nennen." Die Staatsregierung habe dem Auswahlverfahren für ein Endlager ja bereits zugestimmt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass nun ausgerechnet Bayern jene Tradition mit Füßen tritt, die ein bayerischer Ministerpräsident Franz-Josef Strauß mal in die schönen bayerischen Worte gefasst hat: pacta sunt servanda."

Zugleich betonte BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz, dass Bayern bisher im Suchverfahren wie alle anderen Bundesländer sehr gut mitgearbeitet und die relevanten Daten zur Geologie übermittelt habe. Daher müsse man hier wohl unterscheiden zwischen dem politischen und dem fachlichen Verhalten der Länder.

Gebiete ausgeschlossen, die nicht in Frage kommen

Dass jetzt große Teile Bayerns als mögliche Standorte gewertet werden, bedeutet aber noch nicht, dass ein Endlager auch dorthin kommt. Ein heute ausgewiesenes Teilgebiet, so die BGE, sei noch lange kein Endlagerstandort. Vielmehr seien erstmal die Gebiete ausgeschlossen worden, die überhaupt nicht in Frage kommen. Dazu hat das BGE in den letzten drei Jahren Datensätze über den geologischen Untergrund ausgewertet. In den kommenden Jahren soll im Verlauf eines Suchprozesses das Suchgebiet immer weiter verkleinert werden.

Entscheidung zu Endlager bis 2031

Ob ein mögliches Endlager nach Bayern kommt, ist also noch offen. Eine Entscheidung soll bis 2031 fallen, und ab 2050 sollen Behälter mit radioaktivem Abfall eingelagert werden. Die Materialschicht darüber soll mindestens 100 Meter dick sein, und die Lagerstätte soll mindestens 300 Meter unter der Erde liegen. Das weitere Suchverfahren soll möglichst transparent sein, und alle Bürger können auf den Seiten der BGE mit ihrer Postleitzahl einsehen, ob ihr Wohnort mit aufgeführt ist. "Wer uns fragt, bekommt auch eine Antwort", sagte Steffen Kanitz von der BGE.

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Es ist eine schwierige Suche - die Suche nach einem geeigneten Ort für ein Atommüllendlager. Welche geologischen Bedingungen müssen vorliegen? Welche Gesteinsarten? Was spricht gegen ein Gebiet? #fragBR24

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