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Atommüll-Endlager: Aktivisten kritisieren intransparente Suche | BR24

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Wird im Fichtelgebirge ein Endlager für hoch radioaktiven Müll gebaut? Auf den ersten Blick scheint das Granitgestein in Oberfranken geeignet. Dennoch sprechen einige Gründe dagegen.

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Atommüll-Endlager: Aktivisten kritisieren intransparente Suche

Die Entscheidung darüber, wo in Deutschland ein Atommüll-Endlager entsteht, wird politisch und nicht wissenschaftlich gefällt. Das befürchtet die Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt". Die Standort-Suche werde zudem bewusst intransparent gestaltet.

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In einer Video-Konferenz hat am Mittwochabend die Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt" heftige Kritik an dem Verfahren zur Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager geübt. Das seit drei Jahren laufende Verfahren sei nicht transparent und die Bürger seien bislang nicht beteiligt worden, heißt es. Als Standorte in Ostbayern sind das Fichtelgebirge, der Oberpfälzer und der Bayerische Wald im Gespräch.

Atom-Gegner: Klagen sollen verhindert werden

Seit drei Jahren gebe es keine Einblicke in die inhaltliche Arbeit der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Als Grund dafür, dass die Bürger nicht beteiligt werden, vermutet Angela Wolff von der Organisation "Ausgestrahlt", dass Klagewellen verhindert werden sollen und die Suche zügig zu Ende gebracht werden könne. Wollf glaubt, dass das Auswahlverfahren andernfalls längst zu starken Protesten bei den betroffenen Bürgern geführt hätte.

"Es kann ohne Transparenz keine Akzeptanz geben." Angela Wolff, Mitglied der Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt"

17.000 Tonnen hochradioaktiver Abfall aus sechs Jahrzehnten Atomkraft-Nutzung brauchen einen Platz. Bis 2031 soll dieser Platz gefunden werden.

Kritik: Im Norden mehr geologische Daten als im Süden

Einen ersten Zwischenbericht mit potenziellen Standorten will die Bundesgesellschaft für Endlagerung am 28. September veröffentlichen. Die dann aufgezeigten Standorte wurden per Datenauswertung gesucht. Dieses Verfahren sei laut Wolff aber bereits problematisch. Weil die Datendichte in Deutschland zu unterschiedlich sei. Der Norden sei geologisch besser kartiert als der Süden. Der Zwischenbericht könne somit nicht ausgewogen sein.

© picture alliance/Silas Stein

Das Verfahren, mit dem nach einem Standort für ein deutsches Atommüll-Endlager gesucht wird, stößt bei der Organisation "Ausgestrahlt" auf Kritik.

Befürchtung: Politische und nicht wissenschaftliche Entscheidung

Ein weiterer Kritikpunkt der Anti-Atom Organisation: Die endgültige Entscheidung über den Standort des Atommüll-Endlagers wird der Bundestag treffen. Die Entscheidung sei rechtlich nicht angreifbar, so Wolff. Das Parlament allerdings sei nicht an die Empfehlungen der Bundesgesellschaft für Endlagerung gebunden. Entscheidend seien daher die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. "Ausgestrahlt" fordert darum, Wissenschaftler und Geologen in die Entscheidungen einzubeziehen. Ausgestrahlt fordert außerdem die Bürger dazu auf, sich einzulesen, zu informieren und zu vernetzen und sich dann an Politik und Behörden zu wenden.

100 potenzielle Gebiete für Endlager

Experten rechnen damit, dass in dem ersten Zwischenbericht noch sehr viele Teilgebiete enthalten sind, die zunächst weiter untersucht werden sollen, die Rede ist von etwa 100 Gebieten. Die Bürgerinitiative, aber auch der Geopark Bayern-Böhmen und der Landrat von Wunsiedel, Peter Berek (CSU), rechnen damit, dass die ostbayerischen Granitgebirge darunter sein werden. Gleichzeitig sehen sie es als wahrscheinlich an, dass der Granit im Laufe des weiteren Suchverfahrens ausscheidet und nicht unter den Standorten sein wird, die am Ende intensiv untersucht werden. Denn zum einen sei Granit als Endlager nicht geeignet, zum anderen sei beispielsweise das Fichtelgebirge bis heute geologisch aktiv.

Entscheidung für Standort 2031

Zum weiteren Verfahren: Nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts mit möglichen Standorten am 28. September folgt eine öffentliche Fachkonferenz am 17. und 18. Oktober, auf der die möglichen Standorte erörtert werden. Coronabedingt wird diese Konferenz wohl online stattfinden.

Im nächsten Schritt folgen Gebietsausschlüsse und der Bundestag ernennt Gebiete, die vor Ort erkundet werden sollen. Dort sollen Messungen und Bohrungen stattfinden. Letztendlich werden dann mindestens zwei mögliche Standorte bestimmt, die auch untertage erkundet werden und an denen es Erkundungsbergwerke geben wird. 2031 soll dann entschieden werden, wo in Deutschland das Atommüll-Endlager gebaut wird.

"Irgendwo muss er ja hin"

Die Regener Landrätin Rita Röhrl plädiert für eine europäische Standortsuche. "Wir haben den Müll ja produziert und er muss irgendwo hin", so Röhrl zum BR. Grundsätzlich hält die Landrätin des niederbayerischen Grenzlandkreises Regen die Suche nach einem Endlager für zulässig. Trotzdem müsse man die Kriterien für die einzelnen Standorte abwägen und dann auch darauf achten, dass die Bevölkerung entsprechend geschützt sei, so Röhrl.

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Seit drei Jahren wird in Deutschland erneut nach einem Endlager für Atommüll gesucht. Nun naht ein erster entscheidender Meilenstein. Bürgerinitiativen im Osten Bayerns mahnen zur Wachsamkeit.

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