Das Atomkraftwerk Isar 2 in Essenbach im Landkreis Landshut ist ein letztes Mal zur Revision heruntergefahren worden.

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Atomkraftwerk Isar 2: Letzte Revision vor dem Abschalten

Atomkraftwerk Isar 2: Letzte Revision vor dem Abschalten

Das Atomkraftwerk Isar 2 in Essenbach im Landkreis Landshut ist ein letztes Mal zur Revision heruntergefahren worden. Noch einmal gibt es einen umfangreichen Check. Ende 2022 wird es abgeschaltet - als eines der letzten Atomkraftwerke in Deutschland.

Keine Wasserdampfwolke wölbt sich aus dem über 160 Meter hohen Kühlturm im Osten von Landshut. Kein Strom kommt aus dem Atomkraftwerk Isar 2. Ein letztes Mal steht eines der weltweit leistungsstärksten Atomkraftwerke wegen der Revision still. Bevor es im nächsten Jahr für immer abgeschaltet wird.

"Emotionale Achterbahnfahrt" für 300 Beschäftigte

Eine schwierige Situation für die 300 Beschäftigten. Und für die rund 1.000 externen Fachkräfte, die bei dem dreiwöchigen Anlagencheck eingesetzt sind. Das spürt auch Norbert Goschler bei einem Rundgang im Atommeiler. "Also emotional ist das für mich eine Achterbahnfahrt", sagt der Fachbereichsleiter Maschinentechnik, der verantwortlich ist für die letzte Revision: "Im Hinterkopf hat man immer: Warum müssen wir unsere Anlage in einem Jahr in dem Zustand abschalten?"

Nach Atomausstieg: Mitarbeiter bleiben vor Ort

Das beschreibt auch die Gefühlslage unter den 300 Beschäftigten im Atomkraftwerk Isar 2. Immerhin: Um ihren Arbeitsplatz müssen sie nach dem Abschalten des Meilers Ende kommenden Jahres nicht zittern. Spezialisten werden auch in Zukunft gebraucht an diesem Standort, erklärt Kraftwerksleiter Carsten Müller von der Betreiberfirma "Preussen Elektra": "Ja, wir werden unsere Mitarbeiter hier weiter beschäftigen können. Wir gehen in den Rückbau rein. Das wollen wir mit eigenem Personal planen und überwachen. Dafür brauchen wir qualifiziertes Personal. Wir werden neue Berufsbilder bekommen. Mitarbeiter kriegen Chancen, sich hier weiterzuentwickeln."

Brennelemente werden noch einmal gewechselt

Ein letztes Mal müssen jetzt auch 48 der insgesamt 193 Brennelemente im Reaktorkern gewechselt werden - eine der schwierigsten Arbeiten bei der letzten Revision. Die Anlage braucht sozusagen noch einmal frischen atomaren Treibstoff. Denn: Kaum ein anderes Kraftwerk weltweit liefert so viel Energie. Aus Isar 2 stammen zwölf Prozent des in ganz Bayern benötigten Stroms.

Skepsis beim Leiter des Atomkraftwerks Isar 2

Kraftwerksleiter Carsten Müller ist gespannt, ob die Versorgungssicherheit in Deutschland gesichert sein wird, wenn der Atomausstieg in gut einem Jahr vollzogen ist. Ein Zurück vom politisch besiegelten Atomausstieg kann es nicht geben, weiß auch er: "Ich mache mir Sorgen. Ich meine, die Energiewende ist vom falschen Ende her angepackt worden. Man hätte erst Ersatzlösungen schaffen müssen, die funktionieren, die erprobt sind. Bevor man andere Anlagen abschaltet."

Endlagerung des Atommülls weiter ungelöst

Fest steht aber auch: Die Endlagerung des radioaktiv strahlenden Atommülls ist in Deutschland weiter ungelöst. Und so bleiben die viele abgebrannten Brennstäbe eingelagert in Castoren noch bis mindestens 2047 in Niederbayern. Im Zwischenlager direkt neben dem Kraftwerksgelände in Essenbach bei Landshut. Und wahrscheinlich muss die bis 2047 laufende Genehmigung des Zwischenlagers noch einmal verlängert werden. Bis tatsächlich ein Endlager zur Verfügung steht.

💡 Hintergrund:

Das Kernkraftwerk Isar 2 nahe Landshut war mehrmals "Weltmeister" in Sachen Stromerzeugung und zählt zu den erfolgreichsten Atommeilern weltweit, was die erzeugte Strommenge anbelangt. Seit dem Brennelementwechsel im Juli des letzten Jahres war der Atommeiler nach Betreiberangaben mit einer Verfüg­barkeit von 100 Prozent am Netz und erzeugte in diesen knapp 14 Monaten rund 14,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. Mit seiner jährlichen Stromproduktion steuert das Kraftwerk gut zwölf Prozent zur gesamten Stromerzeugung in Bayern bei.

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