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Atomkraftwerk Gundremmingen: Wanderfalken nisten an Kühltürmen | BR24

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Die Betreiber des Atomkraftwerks Gundremmingen haben an den Kühltürmen ein Nest für Wanderfalken anbringen lassen.

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    Atomkraftwerk Gundremmingen: Wanderfalken nisten an Kühltürmen

    Die Betreiber des Atomkraftwerks Gundremmingen haben in 40 Meter Höhe zwei Nistkästen montieren lassen. Dort nisten zurzeit Wanderfalken, nicht zuletzt deshalb, weil sie dort besonders sicher sind. Mit etwas Glück schlüpfen in ein paar Wochen Junge.

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    Von
    • Peter Allgaier
    • Roswitha Polaschek

    "Das war nicht einfach, die Kästen da hoch zu bekommen", sagt Gerhard Walburger, der im Atomkernkraftwerk in Gundremmingen arbeitet. Er zeigt auf die Kühltürme des Kernkraftwerks. In gut 80 Metern Höhe hängen Nistkästen, angebracht mit Hilfe großer Kräne. Doch der Aufwand scheint sich gelohnt zu haben: Auf der Spitze des Kühlturms sitzt ein Wanderfalke. "Die Tiere sind hier besonders sicher, schließlich kommt niemand aufs Gelände", sagt Walburger. Denn die Eier sind mitunter sehr begehrt.

    Araber setzen Wanderfalken gerne für die Jagd ein

    Vor allem in arabischen Ländern wie Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten sieht man Scheichs in Begleitung ihres Falkens. Die Tiere werden vor allem zur Jagd eingesetzt. Im Sturzflug erreichen sie bis zu 300 Stundenkilometer und sind damit die schnellsten Tiere der Welt. Im Gegensatz zu anderen Falkenarten erbeuten Wanderfalken vornehmlich Vögel, vom Spatz bis hin zur Taube. Aus großer Höhe stürzen sie sich auf ihr Opfer und töten es meist schon durch die Wucht des Aufpralls.

    Wanderfalken nisten gerne im Kies - und in verschmutzen Nestern

    Der Wanderfalke liebt auch ansonsten Härte. Als Felsenbrüter legt er seine Eier gerne im Kies statt in einem weichen Nest ab. Der sollte deshalb in den Nistkästen vorhanden sein. Auch zu viel Sauberkeit lässt den Wanderfalken skeptisch werden. "Wir spritzen weiße Farbe auf die Kästen als künstliche Hinterlassenschaften, so denken die Tiere, dass schon ein anderer Falke da war", sagt Stefan Böhm vom Landesbund für Vogelschutz. Zwar finden sich in Gundremmigen an beiden Kühltürmen Nistkästen, doch nur jeweils einer ist belegt. "Da kann es richtige Revierkämpfe geben, bis zum Tod eines Vogels", erzählt Walburger.

    Bald Nachwuchs am Atomkraftwerk Gundremmingen?

    Der größte Feind der Tiere war aber lange Zeit der Mensch. Durch den Einsatz des Insektizids DDT in den 60er Jahren schrumpfte die Zahl der Wanderfalken. Inzwischen hat sich der Bestand wieder halbwegs erholt, rund 1.000 Brutpaare werden bundesweit gezählt. Auch in Gundremmingen sieht es gut aus, meint Walburger: "Ich habe die Tiere in den letzten Tagen beobachtet und bin mir sicher, dass Eier im Nest sind."

    Im Stadtgebiet von Augsburg gibt es drei Brutpaare der seltenen Wanderfalken, so die Ortsgruppe des Landesbundes für Vogelschutz. Den wohl schönsten Ausblick hat sich ein Falkenpaar auf dem Kirchturm der Basilika St. Ulrich und Afra ausgesucht. In fast 100 Metern Höhe ziehen die Wanderfalken in einer Fensternische ihre Jungen groß.

    Nisten in der Stadt hat Vor- und Nachteile

    Die Stadt, so die Experten vom LBV, bietet den Greifvögeln gleich mehrere Vorteile. Den Uhu, einen gefährlichen Feind, müssen die Falken dort nicht fürchten. Und das Nahrungsangebot ist dank der vielen Tauben gut. Bei ihren pfeilschnellen Jagden müssen die Wanderfalken aber aufpassen, nicht gegen eine der vielen Hauswände zu prallen, vor allem unerfahrene Jungvögel. Seit vielen Jahren schon brüten die Wanderfalken auf dem Kirchturm. Brutkästen für Wanderfalken gibt es auch am Gaskessel im Stadtteil Oberhausen und am Schlot der Müllverbrennungsanlage im Norden der Stadt.

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