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Asylanträge: "Gerichte können Kirchen nicht ersetzen"

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Asylanträge: "Gerichte können Kirchen nicht ersetzen"

Gerichte würden "abstruse Fragen" stellen, um den Glauben von konvertierten Flüchtlingen zu prüfen. Dies kritisiert der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm. In seinem Pressegespräch zum Jahresbeginn fand er auch deutliche Worte zum Brexit.

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Aktuell droht einem 21-jährigen Iraner aus Kulmbach die Abschiebung. Er ist in Deutschland zum Christentum konvertiert und wurde getauft. In seiner Heimat droht ihm deshalb Haft oder gar die Todesstrafe. Er kenne viele solcher Einzelfälle, sagt Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: muslimische Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind und im Kontakt mit Pfarrgemeinden zum christlichen Glauben finden.

"Und trotzdem werden sie auf Abschiebelisten gesetzt. Und dann liest man die Begründungen der Gerichte. Da werden abstruse Fragen gestellt, mit denen am Ende bewiesen werden soll, dass die das gar nicht ernst meinen." Heinrich Bedford-Strohm

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Gerichte bezweifeln häufig die religiöse Motivation des Glaubenswechsels und lehnen Asylanträge ab. Doch Gerichte könnten in Glaubensfragen nicht die Kirchen ersetzen, sagt der Landesbischof. Momentan sei er im Gespräch mit der Staatsregierung und hoffe, eine gute Lösung zu finden.

"Kirchen müssen Brücken zwischen EU und Großbritannien bauen"

In der verfahrenen Brexit-Situation müssen die Kirchen nach Überzeugung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Brücken zwischen dem europäischen Kontinent und Großbritannien bauen. Es sei jetzt die Aufgabe der Kirchen und ihrer Netzwerke, Spaltungstendenzen in Europa und emotionalen Reaktionen, wie etwa Spott und Häme gegenüber England, entgegenzuwirken, sagte Bedford-Strohm.

Die Kirchen in England und Deutschland müssten mit allen Kräften verhindern, dass extreme Richtungen aus der Debatte politischen Profit ziehen. Er habe deshalb eine Anzeige in der britischen Tageszeitung "The Times", die am Freitag erscheinen soll, mitunterzeichnet, in der Politiker und Prominente betonen, dass England und Europa auch in Zukunft in einer engen Verbindung stehen sollten. In einem persönlichen Statement sagte der Bischof, dass er sich sehr freuen würde, wenn Großbritannien Teil des Vereinten Europas bliebe.