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Aschermittwoch: Wenn Stammtischparolen gefährlich werden | BR24

© dpa-Bildfunk

Politischer Aschermittwoch

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    Aschermittwoch: Wenn Stammtischparolen gefährlich werden

    Der politische Aschermittwoch in Bayern ist bekannt für seinen derben Ton. Stammtischparolen, Provokationen, Beleidigungen gehören für viele dazu. Wie gefährlich ist das in Zeiten, in denen manche Hass und Gewalt auf die Straßen tragen?

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    Manfred Weber ein "Schlappschwanz", Angela Merkel eine "Heimsuchung aus dem Osten" und die große Koalition ein "Invalidenkabinett". Alles Zitate vom politischen Aschermittwoch 2019, die auch über diesen Tag hinaus nachhallen. Der Nachhall von Worten kann gefährlich werden. Denn nicht nur am politischen Aschermittwoch geht es rau zu, auch im alltäglichen politischen Diskurs hat sich der Ton zugespitzt. "Der Ton in der politischen Debatte hat sich verschärft": Johannes Hillje, Kommunikations- und Politikberater, spricht hier nicht von den Stammtischparolen, die am politischen Aschermittwoch geschwungen werden, er spricht von den alltäglichen, politischen Debatten, die tagein tagaus an den Rednerpulten Deutschlands geführt werden.

    Ursprung: Mit der AfD hat sich der Ton verschärft

    2017 zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein und mit ihr auch eine andere Sprache. Die AfD habe eine sprachliche Gewalt ins Parlament getragen, auf die die anderen Parteien reagieren müssen. Wie sie das tun, sei entscheidend, so der Kommunikationsexperte: "Spielen sie dabei mit, eskalieren sie selbst auch in der Sprache oder reagieren sie in einem demokratisch anständigen, gemäßigten Ton."

    Die Gefahr: Andere Parteien passen sich an

    Johannes Hillje beobachtet, dass sich die Parteien im politischen Diskurs zu sehr an die AfD annähern. Auf einen Diskurs der Entwertung werde wiederum mit Entwertung geantwortet und somit auch die Verrohrung der Sprache ein Stück weit legitimiert. Erst kürzlich sorgte eine Aussage von CDU-Politiker Friedrich Merz für Diskussionen. In einer Rede im Berliner Ballhaus Mitte Februar bezeichnete er die AfD indirekt als "Gesindel". Kurze Zeit später nahm er seine Aussage via Twitter wieder zurück.

    Doch einmal gesagt, bleibt der Begriff hängen. "Das ist im Grunde das gleiche Sprachniveau, das bei der AfD kritisiert wird und das ist nicht besonders hilfreich", kommentiert Politikberater Johannes Hillje.

    Zuspitzungen, Provokationen und populistische Parolen verstärken die aggressive Stimmung – insbesondere gegen Migranten. Die Angst steigt. Wie stoppen wir den Hass? Welche Mitschuld trägt die Politik? Darüber diskutiert die "Münchner Runde" heute, 26. Februar, um 20.15 Uhr live im BR Fernsehen und bei BR24.

    Das Paradoxe: Debatte an der Gesellschaft vorbei

    Die politische Debatte scheint extrem polarisiert: Schwarz und Weiß, Ja und Nein, Gut und Böse. Paradox sei aber, so Hillje, dass diese extreme Polarisierung überhaupt nicht zu den gesellschaftlichen Notwendigkeiten passe. In einer Gesellschaft, die sich immer weiter individualisiere, müsse es doch eigentlich mehr Kompromisse denn je geben. Stattdessen steige offenbar die Sehnsucht nach Klarheit, und der politische Diskurs orientiere sich an möglichst weit voneinander entfernten Positionen.

    Das Resultat: Wenn aus Worten Taten folgen

    Darüber hinaus bleibt es ja nicht "nur" beim Reden. "Politisches Sprechen ist auch politisches Handeln", gibt Johannes Hillje zu bedenken. In einer Demokratie gelte es, nach den Grundsätzen der Verfassung zu argumentieren. Doch gerade die AfD breche in ihrer Sprache regelmäßig mit einem zentralen Grundsatz: Der Gleichwertigkeit des Menschen. Der Kommunikationsberater ist davon überzeugt, dass sich die im öffentlichen Diskurs vermehrt auftauchende sprachliche Gewalt mittlerweile auch in physische Gewalt auf der Straße übertragen habe.

    Die Lösung: Auf Hass nicht mit Hass reagieren

    Was muss also in der politischen Debatte passieren, um Hass nicht weiter zu befeuern? "Wer auf Hass antworten will, soll das in einer gemäßigten Form tun", so Hillje. "Auf Hass darf man nicht mit Hass reagieren". Doch der momentan vorherrschende Ton müsse sich verändern, fordert der Kommunikationsberater:

    "Wir müssen ganz klar zu einer verbalen Abrüstung kommen. Wenn das nicht passiert, wird es auch meines Erachtens in den Taten weiter zu einer Aufrüstung kommen. Und wohin das führt, können wir dieser Tage beobachten. Das ist, glaube ich, nicht die Form von Zusammenleben, die sich die Mehrheit der meisten in Deutschland wünscht." Politikberater Johannes Hillje

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