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Aschermittwoch der CSU: Männerriege statt Frauenpower | BR24

© picture alliance / Sven Hoppe/dpa

Archivbild: CSU-Chef Markus Söder und Parteivize Manfred Weber.

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    Aschermittwoch der CSU: Männerriege statt Frauenpower

    Weiblicher will CSU-Chef Söder seine Partei machen, beim politischen Aschermittwoch zeigt sie aber ein männliches Gesicht: Abgesehen von der Begrüßung durch eine örtliche Stadträtin setzt die CSU nur auf männliche Redner. Anders die übrigen Parteien.

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    Die ersten Minuten gehören einer Frau. Am Anfang der traditionellen Aschermittwochskungebung in der Passauer Dreiländerhalle wird die stellvertretende Passauer CSU-Stadtratsfraktionsvorsitzende Evi Buhmann die politischen Schwergewichte der Partei und die Gäste kurz begrüßen. Nach diesen fünf bis zehn Minuten aber gehört die Bühne zweieinhalb Stunden lang allein Männern: In der Einladung der CSU zum politischen Aschermittwoch sind ausschließlich männliche Redner angekündigt.

    Nacheinander treten Niederbayerns CSU-Chef Andreas Scheuer, Europa-Spitzenkandidat Manfred Weber, Parteichef Markus Söder und CSU-Generalsekretär Markus Blume ans Mikrofon. Während bei allen anderen im Landtag vertretenen Parteien am politischen Aschermittwoch in Niederbayern mindestens eine Frau zu den Hauptrednern zählt, zeigt die CSU in Passau ein männliches Gesicht.

    CSU "wird eher als männliche Partei wahrgenommen"

    Dabei will CSU-Chef Söder seine Partei nicht nur moderner, offener, jünger und dynamischer machen - sondern auch weiblicher. Bis Herbst soll eine Kommission unter Leitung von Generalsekretär Blume Vorschläge erarbeiten. Es habe sich zwar schon viel getan in der CSU, trotzdem werde sie nach wie vor "eher als männliche Partei wahrgenommen", beklagt die CSU-Vizechefin und Vorsitzende der Frauen-Union Bayern, Angelika Niebler. "Und deswegen finde ich es richtig, dass wir uns jetzt noch einmal überlegen, wie wir das verbessern können."

    Dennoch verteidigt sie im BR-Interview, dass die CSU den politischen Aschermittwoch mit einer Männerriege bestreitet. "Das ist gegeben durch die Umstände – wen wollen Sie denn ersetzen?" Dass der Parteichef spreche, verstehe sich schließlich von selbst, "gleiches gilt für den Generalsekretär". Auch der niederbayerische CSU-Bezirkschef sei nun mal ein Mann, und Weber als Spitzenkandidat bei der Europawahl ist für Niebler ebenfalls als Redner gesetzt.

    Niebler: "Eher auf Männer zugeschnitten"

    Die Frauen-Union-Chefin sieht den politischen Aschermittwoch, der oft als größter Stammtisch der Welt bezeichnet wird, ohnehin mehr als Männerangelegenheit: "Im Übrigen ist das Stammtischformat auch nicht das Format, das besonders frauenaffin ist, wenn ich das so formulieren darf", argumentiert sie. "Es gibt eben manche Formate, die eher auf Männer zugeschnitten sind, und andere eher auf Frauen." So habe die Frauen-Union ein neues Format konzipiert, die "Lange Nacht der Frauen", die heuer zum dritten Mal stattfinde.

    Noichl: CSU "ist und bleibt eine Männerpartei"

    Die SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl widerspricht Nieblers Sichtweise auf den politischen Aschermittwoch. "Natürlich können Frauen das auch", betont sie. Sie wertet Nieblers Argument im BR als Ausrede. "Ich würde sagen: Da zeigt die CSU ihr wahres Gesicht. Es ist und bleibt eine Männerpartei."

    Die drei Hauptredner der SPD am Mittwoch in Vilshofen sind allesamt Frauen. Neben Noichl als bayerische Europa-Spitzenkandidatin sprechen Landeschefin Natascha Kohnen sowie Bundesjustizministerin Katarina Barley, die die Europaliste der Sozialdemokraten anführt. Auch wenn es laut Noichl kein bewusst gewähltes Signal ist, so freut sie sich über diese Frauen-Dominanz: "So soll es sein: dass Frauen kraftvoll in der Politik vertreten sind."

    "Geballte Frauenpower" bei den Grünen

    Demonstrativ setzen die Grünen auf weibliche Redner. "Kurz vor dem internationalen Frauentag gehen wir mit geballter Frauenpower in den grünen politischen Aschermittwoch", sagte Landeschefin Sigi Hagl dem BR. "Mehr Frauen, das brauchen wir endlich auch auf den politischen Bühnen dieses Landes. Denn eine gerechte Politik gibt es nur, wenn Frauen wie Männer gleichsam mitgestalten."

    Gleich vier "starke Frauen" kündigen die Grünen in ihrer Einladung zur Kundgebung in Landshut an: Neben Bundeschefin Annalena Baerbock sprechen Sigi Hagl, die Landtagsfraktions-Vorsitzende Katharina Schulze und die bayerische Europa-Spitzenkandidatin Henrike Hahn.

    "Ich mag Bierzelt-Reden"

    Auch bei der FDP ist der prominenteste Gast in Dingolfing in diesem Jahr eine Frau: Die Liberalen setzen beim Aschermittwochs-Schlagabtausch auf Generalsekretärin und Europa-Spitzenkandidatin Nicola Beer. Bei den Freien Wählern kommen neben Parteichef Hubert Aiwanger die Europaabgeordnete Ulrike Müller und Kultusstaatssekretärin Anna Stolz zu Wort. Die lange Rednerliste der AfD dominieren sechs Männer, mit der Landtagsfraktions-Chefin Katrin Ebner-Steiner ist jedoch zumindest eine Frau dabei.

    Natürlich sei ein Bierzelt-Auftritt ein ganz spezielles Redeformat, räumt SPD-Politikerin Noichl ein. "Ich mag Bierzelt-Reden, ich freue mich darauf." Für Bundesministerin Katarina Barley aber werde es etwas Neues werden. "Und da bin ich gespannt, wie sie darauf reagiert."