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Aschaffenburg: Historische Funde am Schloss Johannisburg | BR24

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Das rote Sandsteinschloss am Main ist über 400 Jahre alt, aktuell finden rund um das Schloss Sanierungsarbeiten statt. Bei Ausgrabungen haben Archäologen nun historische Funde gemacht und auch einige Überraschungen entdeckt.

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Aschaffenburg: Historische Funde am Schloss Johannisburg

Das rote Sandsteinschloss am Main ist über 400 Jahre alt, aktuell finden rund um das Schloss Sanierungsarbeiten statt. Bei Ausgrabungen haben Archäologen nun historische Funde gemacht und auch einige Überraschungen entdeckt.

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Von
  • Christiane Scherm
  • Julia Dechet

Bei Ausgrabungen rund um das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg haben Archäologen mehrere historische Teile und Fundamente gefunden. "Die Funde reichen von den Anfängen des Schlossbaus im Jahr 1605 aufwärts bis zu größeren Umgestaltungen der Mainterrassen im 19. Jahrhundert", erklärte Grabungsleiter Holger Fries aus Bamberg dem Bayerischen Rundfunk.

Fundamente der alten Außentreppe freigelegt

Unter den Funden sind zum Beispiel die Fundamente einer zweiläufigen Außentreppe, die vom Erdgeschoss des Schlosses nach unten auf die Mainterrasse geführt hat. "Das war eine repräsentative Treppe mit Außenwirkung. Wer sich das Schloss von der anderen Mainseite aus angesehen hat, hatte einen entsprechenden Eindruck von der gesamten Anlage. Wir konnten sie lokalisieren, indem wir das Fundament freigelegt haben", so die Erklärung des Archäologen. Die Treppe selbst ist nicht mehr zu sehen.

Bislang unbekannte Entdeckung überrascht Archäologen

Bei den Grabungen hat Holger Fries zusammen mit seinen Mitarbeitern außerdem ein Wasserbecken und eine Grotte entdeckt, die bislang nicht bekannt waren. Dass dieses Wasserbecken noch erhalten ist, sei völlig überraschend gewesen, so Fries.

"Das Wasserbecken sollte für die Besucher eine optische Illusion erzeugen. Wer über die Schlossbrücke gelaufen ist, hat gedacht, dass der Wassergraben um das ganze Schloss herum verläuft – und dass das Schloss ein Wasserschloss ist. Aber kurz hinter dem Südturm war das Wasser zu Ende."

Grotte damals offenbar aufwändig gestaltet

Die Grotte in diesem Wasserbecken war damals offenbar sehr aufwändig gestaltet, mit Halbedelsteinen, Perlmutt und Muscheln besetzt und bunt bemalt. Außerdem war die Grotte begehbar und es gab Wasserspiele für die Besucher. "Das ist ein Teil der Gartenarchitektur, wie sie damals modern war. Ähnliche Grotten findet man zum Beispiel in der Eremitage in Bayreuth", so Fries.

Geschichte werde buchstäblich lebendig

Außerdem haben die Archäologen Reste von mehreren Türmen, Teile des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlosses und die Fundamente von lebensgroßen Gartenfiguren gefunden. "Im Bestand des Schlosses gibt es eine Herkules-Figur, die in den 1980er-Jahren in der Nähe der heutigen Grabungsstelle gefunden wurde. Die gehört bestimmt zu den Fundamenten", vermutet Fries. Für ihn sei es besonders spannend, die Fundamentreste und die Pläne miteinander abzugleichen. "Man kann das alles zusammenführen. Da wird Geschichte buchstäblich lebendig", so Fries.

© BR/ Christiane Scherm

Ausgrabungen rund um das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg

Die Mainterrassen befinden sich zwischen dem Schloss Johannisburg und dem Main. Sie liegen etwa 20 Meter oberhalb des Ufers. Sie sollen nun neu gestaltet werden. Deshalb hat die Bayerische Schlösserverwaltung die Archäologen aus Bamberg beauftragt, das Grundstück zu überprüfen. Dabei haben sie historische Pläne des Schlossbaumeisters Georg Ridinger und alte Ansichten des Schlosses zu Hilfe genommen. Längerfristig soll es wieder einen Verbindungsweg vom Schloss in Richtung Frühstückstempel und Pompejanum geben. Während der Grabungsarbeiten ist der Fußweg gesperrt.

Eine der bedeutendsten Schlossanlagen der deutschen Renaissance

Das Schloss Johannisburg war zwischen 1605 und 1614 aus rotem Sandstein errichtet worden und zählt zu den bedeutendsten Schlossanlagen der deutschen Renaissance. Bis 1803 hatte das Schloss als zweite Residenz der Erzbischöfe und Kurfürsten aus Mainz gedient. Nach 1814 hatte König Ludwig I. das Schloss Johannisburg als Sommerresidenz genutzt.

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