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Vor dem Landgericht Aschaffenburg ist heute das Urteil im Mordfall Mezgin gefallen. Ein 46-jähriger Syrer war angeklagt, seine eigene Tochter ermordet zu haben, und wurde freigesprochen.

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Aschaffenburg: Angeklagter im Mordfall Mezgin freigesprochen

Im Mordfall Mezgin ist das Urteil gefallen: Das Landgericht Aschaffenburg hat den Angeklagten freigesprochen. Ins Gefängnis muss der 46-jährige Syrer aber trotzdem – für den versuchten Mord und die Körperverletzung am Freund seiner Tochter.

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Von
  • Barbara Ecke
  • BR24 Redaktion

Ein Flüchtlings-Mädchen aus Syrien verschwindet spurlos. Alles deutet auf den Vater als Täter hin, der als gewalttätig gilt. Doch nach langwierigen Ermittlungen steht fest: Die Ermittler haben keinen echten Beweis. Das Landgericht Aschaffenburg hat den 46-jährigen Syrer deshalb freigesprochen.

Das Gericht ist den Plädoyers der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und des Verteidigers gefolgt. Für den versuchten Mord und die gefährliche Körperverletzung am Freund seiner Tochter verhängte das Gericht aber eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten.

Nicht genügend Beweise für Mord an Tochter Mezgin

Die Kammer sei nicht überzeugt, dass der 46-Jährige seine Tochter im Mai 2017 umgebracht und in einem Betonschacht im Wald bei Aschaffenburg abgelegt hat. So begründete der Vorsitzende Richter Sebastian Geis die Entscheidung. Die Leiche war erst im Dezember 2018 zufällig gefunden worden. Die Todesursache konnte nicht geklärt werden. Auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten im Zuge des Prozesses keine handfesten Beweise für die Täterschaft des Syrers gesehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In der Anklage war die Rede von einem "Ehrenmord"

In der Anklage hieß es, dass der 46-Jährige seine Tochter getötet haben soll, um vermeintlich seine Ehre wiederherzustellen. Grund dafür soll der Lebenswandel seiner Tochter gewesen sein, der ihm nicht gepasst haben soll. Bei diesem Vorwurf kann man von einem Ehrenmord sprechen. Im Duden wird ein Ehrenmord als Mord an einem Familienmitglied definiert, "für den als Motiv die Wiederherstellung der Familienehre angegeben wird." Der Verteidiger des Angeklagten hatte den Vorwurf dieses vermeintlichen Motives in seinem Plädoyer abgestritten.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung forderten Freispruch

Sowohl die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg als auch die Verteidigung hatten zuvor einen Freispruch für den Angeklagten gefordert. Laut Staatsanwaltschaft habe die Beweisaufnahme die Indizien bei der Mordanklage nicht erhärten können. Am Ende heiße das "im Zweifel für den Angeklagten", so Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh. Der Anwalt des Angeklagten zeigte sich in seinem Plädoyer hauptsächlich verwundert darüber, wie es überhaupt zur Anklage aufgrund der Aussage des 13-jährigen Sohnes des Mannes kommen konnte.

Anklage hatte sich auf Aussage des Sohnes gestützt

Die Anklageschrift hatte sich auf die Aussage des Sohnes gestützt. Dieser hatte bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass er und sein Vater Mezgin im Mai 2017 mit dem Auto von der Berufsschule abgeholt hätten. In einem Waldstück habe sein Vater ihn dazu gezwungen, mit einem Messer auf seine Stiefschwester einzustechen. Die Beweisaufnahme hat das aber nicht untermauern können. Es wurden keine Blutspuren in dem Wagen gefunden. Auch an dem erst anderthalb Jahre später gefundenen Skelett der Schülerin konnten keine Stichverletzungen festgestellt werden.

Aussagen des 13-jährigen Sohnes nicht glaubwürdig

Das Gericht stellte fest, dass die Aussagen des 13-Jährigen bei der Polizei nicht glaubwürdig gewesen seien. Es habe zu viele Abweichungen in den verschiedenen Aussagen des Jungen gegeben. Außerdem sei dem 13-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung durch Sachverständige nachgewiesen worden.

Mord an Tochter nicht nachweisbar

Der Vater habe zwar versucht, seine Tochter zu kontrollieren und ihr mit dem Tod gedroht. Das sei als Motiv denkbar, aber nur als Indiz, so der Richter. Es gebe zu viele offene Fragen, um die Täterschaft des Angeklagten festzustellen.

Haftstrafe wegen versuchten Mordes an Freund der Tochter

Auch wenn der 46-jähige Syrer vom Mord an seiner Tochter freigesprochen wurde, muss er für acht Jahre und neun Monate ins Gefängnis – wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung am Freund seiner Tochter. Dieses Urteil hat das Landgericht Aschaffenburg ebenfalls getroffen. Außerdem muss er 6.000 Euro Schmerzensgeld an den Mann zahlen.

Nebenklage hatte auf Haftstrafe plädiert

Der Anwalt des jungen Mannes, der Nebenkläger in dem Prozess war, hatte auf eine Verurteilung wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung plädiert. Auch die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von elf Jahren gefordert. Die Verteidigung hatte hingegen in diesem Anklagepunkt ebenfalls einen Freispruch gefordert.

Angriff auf Freund der Tochter im Juni 2017

Laut Anklage soll der Syrer den 23-Jährigen im Juni 2017 am Aschaffenburger Floßhafen von hinten mit einem Teppichmesser attackiert haben. Der junge Mann konnte fliehen. Er erlitt eine zehn Zentimeter lange Narbe am Hals. Nach Aussage vor Gericht habe er immer noch körperliche und psychische Probleme von der Attacke. Die Verteidigung hingegen zweifelt diesen Angriff an. Der Anwalt des Angeklagten stellte in den Raum, dass der junge Mann sich selbst verletzt habe, um den Tatverdacht im Mordfall Mezgin von sich selbst abzulenken.

Angeklagter äußert sich nicht zum Mord an seiner Tochter

Nach den Plädoyers gab der Vorsitzende Richter dem Angeklagten die Möglichkeit, sich zu äußern. Dieser sagte laut Dolmetscher: "Wenn ich da gewesen wäre, hätte ich den Freund meiner Tochter getötet. Ich war aber nicht da. Ich bin sportlich, ich hätte ihn eingeholt." Zu dem Vorwurf des Mordes an seiner Tochter hat er sich nicht geäußert.

Das Alter des Opfers wurde in diesem Artikel bewusst nicht angegeben, weil es nicht genau bestimmt werden konnte. Anfänglich war von 16 Jahren die Rede. Laut Gutachten ist es jedoch möglich, dass die Jugendliche bis zu 19 Jahre alt gewesen sein könnte.

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Im Mordfall Mezgin ist das Urteil gefallen: Das Landgericht Aschaffenburg hat den Angeklagten freigesprochen. Ins Gefängnis muss der 46-jährige Syrer aber trotzdem - für den versuchten Mord und die Körperverletzung am Freund seiner Tochter.

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