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Patienten mit Corona angesteckt: Ermittlungen gegen Arzt | BR24

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Die Staatsanwaltschaft Deggendorf will Ermittlungen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gegen einen Arzt aus dem Landkreis Deggendorf einleiten. Der Mediziner soll trotz Corona-Symptomen Patienten behandelt und angesteckt haben.

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Patienten mit Corona angesteckt: Ermittlungen gegen Arzt

Die Staatsanwaltschaft will Ermittlungen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gegen einen Arzt aus dem Landkreis Deggendorf einleiten. Der Mediziner soll trotz Corona-Symptomen Patienten behandelt und angesteckt haben.

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Nach einem Corona-Ausbruch in Niederayern drohen einem Arzt juristische Konsequenzen: Die Staatsanwaltschaft Deggendorf will unabhängig von einer Strafanzeige des Landrats Christian Bernreiter (CSU) Ermittlungen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gegen den Mediziner einleiten. Das sagte der leitende Oberstaatsanwalt Rudolf Helmhagen dem BR.

Der infizierte Mann soll Patienten trotz Covid-19-Symptomen in seiner Praxis weiter behandelt haben und dabei fünf Menschen mit Corona angesteckt haben. Mehr als 270 weitere Kontaktpersonen sind in Quarantäne.

Arzt droht Freiheitsstrafe

Wenn sich der Vorwurf gegen den Arzt bestätigt, könnte ihm eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren drohen. Der Arzt praktiziert nach Informationen des Bayerischen Rundfunks in Hengersberg.

Der Mediziner soll sich auf einer Feier in Tschechien angesteckt haben, wie Deggendorfs Landrat Bernreiter dem BR berichtete. Erst als das Testergebnis positiv ausfiel, habe der Arzt die Arbeit niedergelegt und sich in Quarantäne begeben. Die Praxis ist derzeit geschlossen.

Landrat Bernreiter entsetzt über den Fall

Nach Bekanntwerden des Falls, hatte Landrat Bernreiter angekündigt, Strafanzeige gegen den Arzt zu stellen. Bernreiter sagte dem BR: "Das ist natürlich verantwortungslos, mir fehlen die Worte." Es gebe für infizierte Ärzte zwar Ausnahmegenehmigungen, dann müssten sie aber in Schutzanzügen und mit speziellen Masken arbeiten. Das sei hier nach Wissen des Landratsamtes nicht der Fall gewesen.

Landesärztekammer kritisiert Verhalten

Die Bayerische Landesärztekammer kritisiert das Verhalten des Arztes. Auch Mediziner sollen sich bei Corona-Verdacht oder einem positiven Test isolieren, betonte die Kammer. Abweichungen seien nur bei Kontaktpersonen der Kategorie 1 möglich, etwa in Betrieben der kritischen Infrastruktur. Sollte der Arzt gegen die Berufsordnung verstoßen haben, kann der Ärztliche Bezirksverband eine Rüge aussprechen und eine Geldbuße verhängen.

Auch Realschülerin infiziert

Unter den Infizierten ist auch eine Schülerin der Realschule Schöllnach. Weil die Zehntklässlerin mit dem Bus in die Schule gefahren war, mussten erst alle Kontaktpersonen ermittelt werden. Dafür wurde die Realschule für einen Tag geschlossen.

Konrektor zufrieden mit Krisenmanagement

Andreas Oswald, zweiter Konrektor der Schöllnacher Realschule sagte im BR-Interview, die Stimmung an der Schule sei nicht entspannt, aber man habe die Sache im Griff. "Der erste Gedanke, den man hat: Verdammt, ausgerechnet bei uns. Aber es hilft nicht, man muss das Beste draus machen und geht nach dem Konzept vor, das wir erarbeitet haben. So wie es jetzt aussieht, sind wir gut damit gefahren."

Vom Krisenmanagement und in Rücksprache mit Landratsamt, Landrat und Gesundheitsamt, sei der Fall sehr gut gelöst worden. Man habe sich nie alleine gelassen gefühlt. "Durch die schnelle und aktuelle Information innerhalb der Schule haben wir positive Rückmeldungen von den Eltern bekommen", so Oswald.

Besorgte Eltern rufen Realschule Schöllnach an

Dennoch sei das Telefon in der Realschule Schöllnach seit Montag nicht mehr still gestanden: Besorgte Eltern haben im Akkord angerufen, erzählt der Konrektor. "Montag und Dienstag sind wir nicht vor fünf Uhr aus der Schule gekommen, weil die Nachfragen da waren, was absolut verständlich ist. Es ist ermüdend und anstrengend, aber von Seiten der Eltern völlig verständlich", so Oswald. Zum Verhalten des Arztes will sich die Schule nicht äußern, das obliege dem Landratsamt.

Zehnte Klasse samt Lehrer noch in Quarantäne

Die betroffene Klasse des Mädchens, das sich vermutlich bei dem Arzt angesteckt hatte, ist mit 24 Schülern derzeit noch in Quarantäne. Vier weitere Schüler und zwei Lehrkräfte ebenfalls. An der Schöllnacher Realschule waren rund 130 Personen in Quarantäne, mittlerweile reduziert sich die Zahl auf 70.

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Offenbar wartete ein Arzt sein Testergebnis nicht ab und praktizierte weiter - die Folge: Fünf Infizierte und 275 Menschen in Quarantäne. Unter den Infizierten ist auch eine Schülerin der Realschule Schöllnach. Die Staatsanwaltschaft ermittelt ...