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Artenschutzaktion für den Gartenschläfer | BR24

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Gartenschläfer

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    Artenschutzaktion für den Gartenschläfer

    Der Bund Naturschutz hat eine große Artenschutzaktion gestartet: "Spurensuche Gartenschläfer". Gemeint sind damit die kleinen Verwandten der Siebenschläfer, deren Bestände in Bayern stark zurückgegangen sind.

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    Die letzte Zeit war's bei uns so kalt, dass man am liebsten das machen würde, was die Schlafmäuse tun: den ganzen Winter verschlafen, sieben geschlagene Monate lang! Ja, Siebenschläfer ham's gut! Aber nicht allen "Bilchen", so nennt man die nachtaktiven Siebenschläfer und Haselmäuse, geht's so prächtig. Deshalb hat der Bund Naturschutz die Artenschutzaktion "Spurensuche Gartenschläfer" gestartet.

    Elfriede Kellnhofer aus Schafberg bei Furth im Wald trifft ihn manchmal. Wenn sie ihren Müll rausbringt, sitzt ihr kleiner Untermieter manchmal in einem Schuppen am Haus. Aber wer sich da im Schuppen eingenistet hatte, da rätselte die Verwaltungsangestellte erstmal.

    "Das merkt man zum einen nachts an seltsamen Geräuschen, dass man sich denkt: was ist das? Und dann findet man am Boden die Exkremente. Die sind ein bisschen größer als die von Mäusen." Elfriede Kellnhofer, Hausbewohnerin im Bayerischen Wald

    Nistkästen mit Öffnung nach hinten

    Manche Leute vergraulen die Siebenschläfer deshalb und auch, damit sie im Dachboden keine Kabel anknabbern. Siebenschläfer sind häufiger bei uns zu sehen, Gärtenschläfer mittlerweile seltener.

    Johannes Matt vom Naturparkverein Bayerischer Wald lädt mit Rangern Nistkästen aus dem Auto, auf einem Waldweg am Silberberg bei Bodenmais:

    "Schaut bisschen aus wie ein Vogelkasten, aber die Öffnung ist hinten. Das hat den Grund, dass der Gartenschläfer ja am Baum hochklettert und dann von hinten in den Nistkasten eindringt." Johannes Matt, Naturparkverein Bayerischer Wald

    Wenn denn überhaupt einer reinkriecht. Denn mit der Aktion, die in den nächsten Jahren in sechs Bundesländern läuft, will der Bund Naturschutz herausfinden, warum die Bestände der Gartenschläfer in manchen Regionen extrem zurückgehen. Die letzten handfesten Nachweise für Bayern stammen aus den achtziger Jahren, erzählt Hartmut Schmid, der das Projekt "Spurensuche Gartenschläfer" beim Bund Naturschutz betreut.

    Woher kommt der Rückgang?

    Im Rheinland dagegen oder in Baden-Württemberg turnt das nur 90 Gramm schwere mausähnliche Tierchen mit dem buschigen Schwanz und der lustigen zorro-ähnlichen schwarzen Kopfzeichung sogar in Gärten, Parks und auf Balkonen rum. Woran der Rückgang in Bayern, wo er immer in den Wäldern lebt, liegt, weiß man momentan nicht. Klimawandel, Pestizide, genetische Verarmung, Parasiten oder eine mögliche Konkurrenzsituation mit dem grösseren Siebenschläfer - alles völlig unklar.

    Deshalb wird jetzt intensiv gesucht. Johannes Matt hängt Nistkästen an mehrere Fichten am Silberberg. Hier sind die Wälder sturkturreich. Trotz Tourismus haben auch 18 seltene Fledermausarten und die Haselmaus ein Rückzugsgebiet. Naturparkrangerin Lea Stier bereitet sogenannte Spurtunnel vor.

    Nachweis durch Aktivkohlegemisch

    "Und dann funktioniert das so: wenn der Gartenschläfer reinkommt, läuft er durch ein Aktivkohlegemisch mit Olivenöl und hinterlässt seine Spuren. Die hoffen wir im Nachhinein zu identifizieren. Das ist ein kleines Detektiv-Spiel." Lea Stier, Naturparkrangerin

    Die Rangerin ist eine der freiwilligen Helfer, aber man bräuchte noch mehr, zum Beispiel in den Alpen, denn Tunnel wie Nistkästen müssen in den nächsten Jahren regelmäßig kontrolliert , Haar- und Kotproben gesammelt ,Aufnahmen aus Wildtierkameras ausgelesen werden. Die Senckenberg-Gesellschaft und die Uni Gießen werden am Ende alle Daten auswerten und Schutzmaßnahmen entwickeln.