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Der 3. März ist Tag des Artenschutzes. Er soll daran erinnern, wie viele Tiere auf der Welt vom Aussterben bedroht sind. In Niederbayern und der Oberpfalz siedeln sich vermehrt bedrohte Tierarten an und finden hier einen schützenswerten Lebensraum.

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Artenschutz: Ostbayern als Lebensraum für bedrohte Tiere

Der 3. März ist Tag des Artenschutzes. Er soll daran erinnern, wie viele Tiere auf der Welt vom Aussterben bedroht sind. In Niederbayern und der Oberpfalz siedeln sich vermehrt bedrohte Tierarten an und finden hier einen schützenswerten Lebensraum.

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Von
  • Renate Roßberger
  • Margit Ringer
  • Sarah Beham

Im Bayerischen Wald und dem angrenzenden Donauraum können Fledermausexperten wie Diplombiologin Susanne Morgenroth mithilfe eines Detektors 21 verschiedene, teils sehr seltene Arten von Fledermäusen nachweisen - so viele, wie nirgendwo anders. Durch den Klimawandel werden es sogar noch mehr.

"Da haben wir zum Beispiel die Mückenfledermaus, eine relativ Wärme-liebende Art. Etwas ganz Besonderes ist auch die Nymphen-Fledermaus, die bislang in Griechenland und Italien festgestellt wurde." Susanne Morgenroth, Diplombiologin

Bayerischer Wald: Rückzugsgebiet für Fledermäuse

Der Bayerische Wald ist eines der europaweit wichtigsten Rückzugsgebiete für Fledermäuse. Organsationen wie der Naturparkverein Bayerischer Wald helfen den Tieren zum Beispiel mit Gitterstäben vor alten Bergwerksstollen für den ungestörten Winterschlaf. Auch Aufklärung gehört zur Arbeit des Naturparkvereins, das hat das Image der Tiere mittlerweile verbessert. Fledermaus-Wochenstuben zur Jugenaufzucht in Dachböden und Kirchtürmen werden somit toleriert. Es gibt in der Region rund um den Bayerischen Wald viele alte Bäume als Unterschlupf, mehr Natur und insgesamt weniger intensive Landwirtschaft. Das bedeutet: mehr Insekten als Nahrung.

Fischotter kehren in die Oberpfalz zurück

Er ist das Wildtier des Jahres 2021: der Fischotter. Für die einen ist er ein poussierliches Tierchen und soll streng geschützt bleiben, für die anderen eine gnadenlose Bedrohung der Existenz. Denn der größte heimische Marder hat keine natürlichen Feinde. In der Oberpfalz ist er flächendeckend wieder da, in ganz Bayern gilt sein Erhaltungszustand inzwischen wieder als "gut".

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Fischotter

Artenschutz des Fischotters gefährdet andere Arten

In der nördlichen Oberpfalz beispielsweise sorgt der Fischotter für Aufruhr, da die Tiere ganze Fischteiche leer fressen. Der Konflikt zwischen Artenschützern und Teichwirten, die den Oberpfälzer Karpfen oder andere heimische Fische produzieren, hat sich im vergangenen Jahr zugespitzt. Im Rahmen eines Pilotprojekts sollten zwei männliche Otter im Landkreis Tirschenreuth entnommen werden. Der Bund Naturschutz hat allerdings dagegen geklagt - eine Entscheidung gibt es noch nicht. So vermehren sich die streng geschützten Fischotter weiter und fressen sich durch die Oberpfälzer Teichlandschaften, die eine 1.000 Jahre alte gewachsene Kulturlandschaft darstellt. Der Artenschutz des Fischotters gefährdet somit auch andere geschützte Arten wie Frösche, Amphibien oder Wasservögel.

Oberpfalz: Heimat von Wildvögeln

Die Oberpfalz ist nicht nur für den Fischotter attraktiv. Inzwischen gibt es mehr als ein Dutzend Fischadler-Paare in der Oberpfalz, die seit den 80er Jahren wieder in ganz Bayern angesiedelt werden. Auch Seeadler, eine der größten Adlerarten Europas, können beispielsweise im Landkreis Tirschenreuth oder auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr beobachtet werden. Im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojekts im Steinwald im Landkreis Tirschenreuth, hat sich auch der Habichtskauz seit sechs Jahren angesiedelt. Vergangenes Jahr hat sich aus den ausgewilderten Eulen sogar ein erstes Pärchen zusammen getan.

Ostbayern: Luchs und Wolf sind zurück

Nicht nur in der Oberpfalz, sondern auch in Niederbayern streift der Luchs vermehrt umher. Im Steinwald im Landkreis Tirschenreuth wurde der Luchs ausgewildert und hat im vergangenen Jahr drei Junge bekommen. Im Nationalpark Bayerischer Wald findet der Luchs ebenfalls eine Heimat - in der letzten Zeit gab es auch immer wieder Meldungen von Luchsen, die in Siedlungen oder bei der Isarmündung bei Moos gesichtet wurden.

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Der Luchs ist zurück in Bayern

Auf leisen Pfoten kehrt auch der Wolf wieder zurück nach Ostbayern. In der Oberpfalz lebt ein Rudel im Manteler Forst, ein Wolfspaar hat seine Heimat auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr gefunden. Im Nationalpark Bayerischer Wald leben zwei komplette Wolfsrudel. Sie sind grenzüberschreitend unterwegs und halten sich viel im tschechischen Nationalpark Sumava auf. Umfragen bei Einheimischen ergeben meistens ein relativ entspanntes Bild. Einige freuen sich über die Rückkehr des Wolfs als "Zeichen für mehr Natur", verstehen aber die Vorbehalte von Schafs- und anderen Nutztierhaltern.

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Immer mehr Wölfe in Bayern

Sanfter Donauausbau: Die Rettung der Donau-Kahn-Muschel

Am Deggendorfer Donauufer findet man noch eine Seltenheit, die Donau-Kahn-Schnecke. Sie ist nur rund einen Zentimeter groß, weiß mit braunen Zickzack-Linien, die an Wellen erinnern. Die Art gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz als vom Aussterben bedroht.

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Die Donau-Kahn-Schnecke am Deggendorfer Donau-Ufer

Die gute Nachricht: In Niederbayern entlang der Donau - der Heimat der Donau-Kahn-Schnecke - hat man ihren Lebensraum noch aufrecht erhalten können.

Dafür haben sich vor allem Naturschützer eingesetzt: Sie haben jahrzehntelang gegen den Donauausbau in Niederbayern protestiert. Letztlich hat man sich mit der Politik auf einen sanften Donauausbau ohne Staustufen geeinigt - die Rettung der Donau-Kahn-Schnecke. Sie lebt nämlich auf steinigem Untergrund und ist deshalb auf fließendes Wasser angewiesen. Der Bau von Staustufen hätte ihr sicheres Ende bedeutet.

"Die Donau-Kahn-Schnecke ist für uns hier an der freifließenden Donau so etwas wie ein Wappentier im Einsatz für die freifließenden Donau. Die Schönheit des Tieres spiegelt sich im zoologischen Namen wider, der übersetzt Gottesglanz bedeutet. Man hat in steinzeitlichen Gräbern schon Ketten aus diesen Muschelschnecken gefunden." Georg Kestel, BUND Naturschutz in Deggendorf

Durch den sanften Donauausbau wurde nicht nur der Lebensraum der Donau-Kahn-Schnecke erhalten, sondern von seltenen Fischen, wie dem Donau-Barsch.

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