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Arnbruck: Alter Dorfkern statt Neubaugebiet | BR24

© BR/Renate Roßberger

Arnbruck: Altes Dorfkernhaus statt Neubaugebiet

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Arnbruck: Alter Dorfkern statt Neubaugebiet

Ein bezahlbares Häuschen im Grünen zieht viele junge Leute aufs Land. Allerdings wollen die meisten nicht in den alten Dorfkern, sondern in einen schicken Neubau am Dorfrand. Ein Beispiel aus Arnbruck im Bayerischen Wald zeigt: Es geht auch anders.

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Wohnen in der Stadt bedeutet: explodierende Mieten, Immobilienboom und Wohnungsmangel. Dagegen scheint es auf dem Land paradiesisch zuzugehen. Ein Häuschen im Grünen, möglichst noch mit Ausblick auf die Landschaft, das ist der Wohntraum der meisten Landbewohner. Doch so problemlos ist das nicht mehr überall möglich. Außerdem führt es zum leider vertrauten Bild: leeres Dorfzentrum, volle Neubaugebiete. Dabei geht es auch anders, was ein Positivbeispiel aus Arnbruck im Bayerischen Wald zeigt.

Wohnen im Dorfzentrum

Der Bauernhof von Gerlinde Grassl steht mitten im Dorf, in Arnbruck (Lkr. Regen). Die Familie lebt von ihrem Dorfladen, einem Wald und einigen Ferienwohnungen. Die Kühe sind nur noch Nebenerwerb.

© BR/Renate Roßberger

Das Familien-Anwesen auf dem Dorfplatz in Arnbruck. Das große Holzhaus, gegenüber vom Haus von Stephanie und Roman, gehört Stephanies Eltern

Stephanie Aschenbrenner ist die Tochter der Grassls. Sie ist 30 Jahre alt und als sie und ihr Mann Roman anfingen, dort das alte Gewölbe freizulegen, verstanden das viele nicht: Denn es war weder ein malerisches Waidlerhaus noch ein Baudenkmal. Stephanie, von Beruf Hauswirtschaftslehrerin, und ihr Mann, ein Maschinenbautechniker, haben viel selber gemacht, um Geld zu sparen.

"Wir haben gesagt, wir wollen hier am Hof bleiben, sonst stirbt das Dorf immer mehr aus. Mit dem Hintergrund, dass die Schwiegereltern da sind und die Kinder hin und her rennen können zwischen den Häusern. Das ist schon ein schöner Vorteil." Roman Aschenbrenner, Bewohner

Die Kinder, zwei und vier Jahre alt, toben durch das große Haus, das wunderschön renoviert ist. Prunkstück: das Wohnzimmer im alten Gewölbe-Kuhstall.

© BR/Renate Roßberger

Stephanie und Roman Aschenbrenner in ihrem Wohnzimmer im alten Gewölbe-Kuhstall

Auch auf dem Land gibt es Wohnungsmangel

Junge Paare auf dem Land wollen eigentlich alle dasselbe: einen schönen Neubau mit Garten. Doch weil wegen der guten Wirtschaftslage die Leute auf dem Land bleiben und sogar welche herziehen, fehlt es immer öfter an Bauland - auch in Arnbruck, sagt Bürgermeister Hermann Brandl (SPD).

"Wir haben von der Gemeinde her keinen Bauplatz mehr anzubieten. Die Nachfrage ist viel größer als das Angebot. Das Gleiche gilt für Wohnungen. Wenn man hört in der Stadt gibt es Wohnungsprobleme, die haben wir auch." Hermann Brandl, Bürgermeister von Arnbruck

Dabei wäre mehr Platz für Wohnraum, meistens sogar mitten im Ort, so die Regener Landrätin Rita Röhrl (SPD).

"Bei der Fahrt über die Dörfer stellt man immer wieder fest, es gibt im Dorf Leerstand, der genutzt werden könnte. Das große Aber: Die Eigentümer haben kein Interesse oder keine wirtschaftliche Möglichkeit." Rita Röhrl, SPD-Landrätin

Oft sind es alte Leute, die nichts mehr ändern wollen oder die Rente reicht gerade so. Einen Altbau sanieren kann teurer werden als der Neubau draußen und Förderprogramme greifen nicht richtig, findet die Landrätin.

Lösungen gegen die Wohnungsnot

Die Aschenbrenners haben es gewagt: Sie renovierten eine "alte Hütte" im Dorfkern, weil sie keine Lust auf teures Neubaugebiet oder unbezahlbare Großstadt hatten. Von manchen belächelt, haben sie viel Zeit und Arbeit in ihre individuelle Lösung gegen die Wohnungsnot gesteckt - und schafften damit ein Schmuckstück. Ein Beispiel für Nachahmer, ein kleiner Lösungsansatz für die große Wohnungsnot oder nur was für Individualisten?