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Symbolbild: Eine Regenbogenfahne weht vor einer Kirche.

"Bist du auch gegen Schwule?": Für einen Artikel mit diesem Titel erntet das katholische Jugendmagazin YOU! gerade reichlich Kritik.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Fabian Strauch
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    Argumente gegen Homosexualität: YOU!-Magazin in der Kritik

    "Bist du auch gegen Schwule?" so der Titel eines Artikels im katholischen YOU!-Magazin. Der Text liefert eine Argumentationshilfe für Leser, die gelebte Homosexualität ablehnen. Dafür erntet das Magazin nun heftige Kritik.

    Von
    Andrea NeumeierAndrea NeumeierBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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    "Pornos haben mein Hirn zerstört" und "Hat Papst Benedikt wirklich gelogen?". Darüber schreibt das YOU!-Magazin in seiner März/April Ausgabe. Die Zeitschrift versteht sich als katholisches Jugendmagazin und wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz von einem "Jugendverein für christlich/katholische Werte" vertrieben. Das Magazin wird von manchen auch spöttisch die "katholische Bravo" genannt. Schon häufiger sorgten Texte, Überschriften und Themen beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) für Stirnrunzeln. Jetzt hat das Magazin mit einem Artikel über Homosexualität besonders heftige Diskussionen ausgelöst. Erstmals hatte die Augsburger Allgemeine darüber berichtet.

    Artikel aus einer realen Situation heraus entstanden

    Denn in der Kolumne "5 Antworten, die du in einer Diskussion verwenden kannst" gibt YOU! seinen jungen Leserinnen und Lesern fünf Begründungen an die Hand, mit denen sich gegen gelebte Homosexualität argumentieren lasse. "Bist du auch gegen Schwule?" lautet die Überschrift. Der Artikel sei aus einer realen Situation entstanden, schreibt YOU!-Chefredakteur Michael Cech dem BR auf Anfrage. "Ein Teenager erzählte uns, dass er von seinen Mitschülern auf diese Weise gefragt wurde. Viele Menschen haben ja heute dieses Vorurteil, dass die Kirche etwas gegen Schwule habe, aber genau das Gegenteil ist der Fall", behauptet Cech, immerhin sei im ersten Absatz zu lesen. "Als Christen sind wir gegen niemanden, sondern immer FÜR den anderen."

    Im Artikel heißt es weiter, Christen seien überzeugt, glücklich mache letztendlich nur ein Leben nach Gottes Plan. Einerseits wird im Artikel bejaht, dass Gott jeden Menschen liebt, andererseits empfiehlt er Menschen mit homosexuellen Neigungen enthaltsam zu leben.

    Homosexualität von Gott nicht vorgesehen?

    Auf Twitter erntet der Artikel heftige Kritik: Von "Ist ja gruslig" bis "widerlich" reichen die Kommentare. "Ist das schon Volksverhetzung?" fragt ein User. "Bist du auch gegen Schwule, dafür aber für Kindesmissbrauch? Dann komm in die katholische Kirche!", schreibt ein Kommentator.

    Eine weitere der fünf Fragen im YOU!-Artikel lautet: "Glaubst du, dass Homosexualität eine Krankheit ist?" Als Krankheit wolle man Homosexualität nicht bezeichnen, schreibt YOU!, "ich glaube aber, dass es eine Bedeutung hat, wenn Sex, wenn man es genau nimmt, von den Geschlechtsteilen her, eigentlich nur zwischen Mann und Frau wirklich möglich ist. Und dass es einem letztendlich nicht gut tut, wenn man etwas tut, was die Natur oder eben Gott nicht so vorgesehen hat." Auf die BR-Anfrage, ob die YOU!-Redaktion verstehen könnte, dass Passagen wie diese verletzen können, reagiert der Chefredakteur verständnislos. Dabei "würde mich interessieren, was genau sie verletzend finden. Reden wir doch mehr darüber, was uns als Menschen ausmacht, was Liebe ist oder welche Bedeutung unser Leib hat", schreibt Michael Cech.

    Magazin wird im Augsburger-Sankt-Ulrichs Verlag gedruckt

    Besonders in der Diözese Augsburg hat der Artikel, der ohne Autorenname veröffentlicht worden ist, für reichlich Diskussionen gesorgt. Immerhin ist der Sankt-Ulrichs-Verlag der Diözese Augsburg Vertriebspartner von YOU!. Und auch inhaltlich steuert das Bistum regelmäßig etwas bei. Auf der YOU!-Website beschreibt sich die Redaktion so: "Wir wollen das Leben leben - hundert Prozent, menschlich, radikal intensiv." Das bedeute für YOU!, "den Glauben nicht getrennt von der heutigen Welt und Lebenswirklichkeit zu leben". "Alles andere ist uns zu wenig."

    BDKJ findet Artikel "diskriminierend" und "sehr problematisch"

    Auf Nachfrage der "Augsburger Allgemeinen" nennt Gregor Podschun, Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), den YOU!-Artikel "sehr problematisch" und "diskriminierend". Auch der BDKJ-Diözesanverband in Augsburg setzt sich schon länger kritisch mit dem Jugendmagazin auseinander. Nachdem die Abteilung "Schule und Religionsunterricht" im Bistum Augsburg Religionslehrern den Einsatz von YOU! im Unterricht empfohlen hatte, analysierte der BDKJ die Zeitschrift gründlich und kam damals zu dem Ergebnis: "Das Magazin vertritt Positionen und benutzt Darstellungsweisen, die wir auch und gerade im Kontext katholischer Jugendarbeit grundsätzlich für höchst problematisch halten."

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