BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Räume haben einen großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen. Das gilt ganz besonders für ältere oder demenzkranke Menschen. Doch deren Belange werden beim Bau oder der Einrichtung von Pflege-Einrichtungen noch viel zu wenig berücksichtigt.

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Architektin: Mit mehr Farbe werden Heime seniorengerechter

Die Gestaltung von Räumen hat Einfluss darauf, ob Menschen sich darin wohlfühlen. Das gilt besonders für Senioren und genauso für Demenzkranke. Doch deren Belange werden noch viel zu wenig berücksichtigt. Ein Institut in Bamberg will das ändern.

1
Per Mail sharen
Von
  • Tanja Rohr

Die Bamberger Architektin Birgit Dietz besucht regelmäßig Alten- und Pflegeheime. Sie berät Pflegeprofis und Heimbetreiber, ihr Fachwissen ist weltweit gefragt. Die Expertin blickt mit den Augen von älteren Menschen auf Räume und ihre Gestaltung: Was lässt sich verbessern? Wie lassen sich Räume in Krankenhäusern und Heimen so gestalten, dass Patienten sich wohl und sicher fühlen? Oft sind es schon Kleinigkeiten, die viel bewirken.

Gestaltung von Kliniken: Knackpunkte Akustik, Licht, Farben

Bei jedem Heim- oder Klinikbesuch findet sie Verbesserungsmöglichkeiten. Auch bei einem Rundgang durch eine Demenzabteilung in Hemau in der Oberpfalz fällt Birgit Dietz einiges auf. Im Versammlungsraum des Heimes zum Beispiel hallt es sehr, die Akustik ist schlecht. Wenn viele Menschen gleichzeitig plaudern, versteht man kaum seinen Nebenmann. Gerade für ältere Menschen ist das schlecht, denn sie können Umgebungsgeräusche oft nicht mehr so gut filtern. Mehr Schalldämmung, durch Stoffe zum Beispiel, würde helfen.

Ein anderes Beispiel: Die Waschräume sind hell und freundlich – aber komplett in weiß gekachelt. Sehbehinderte Menschen erkennen oft nur eine einzige weiße Fläche – und finden weder Lichtschalter noch den Spülknopf für die Toilette. Das sorgt für Unruhe. Hier könnte eine klarere Farbgebung helfen.

Demenzsensible Architektur hilft auch dem Pflegepersonal

Klare Farben, viel Licht, wenig Lärm, dazu natürliche Materialien wie Holz und Wolle – es gibt viele kleine Stellschrauben, die einen Raum wohnlicher und übersichtlicher für die Menschen machen können. Doch noch immer gibt es viele Gebäude im Gesundheitswesen, die diese Aspekte völlig ignorieren, kritisiert die Expertin. Dabei hilft demenzsensible Architektur nicht nur den Bewohnerinnen und Bewohnern. Wenn Senioren und Demente sich besser zurechtfinden, steigt die Selbstständigkeit. Das hilft auch dem Pflegepersonal. Es muss weniger anleiten und helfen und spart im Arbeitsalltag viel Zeit.

Schlechte Raumgestaltung sorgt für Stress bei Patienten

Birgit Dietz leitet in Bamberg das "Bayerische Institut für alters- und demenzsensible Architektur". Die Architektin weiß aus Erfahrung, dass die räumliche Gestaltung in Kliniken und Heimen bei Patienten für unnötigen Stress sorgen kann.

"Die Krankenhausarchitektur ist von der Farbigkeit Weiß in Weiß. Von den Lautstärken, von den Geräuschen ist alles fremd und neu. Da sind keine gewohnten Personen und so weiter. Es gibt also wirklich ganz viel, was einen Menschen vollkommen aus dem Rhythmus bringen kann – und mit Demenz sowieso."

Architektin aus Bamberg hält weltweit Vorträge

Die Bamberger Architektin berät mit ihrem Team in Deutschland, Österreich und der Schweiz beim Bau und der Einrichtung von Kliniken und Heimen, hält weltweit Vorträge zum Thema. Sie setzt das Augenmerk auf das Wohlbefinden: Die Umgebung sollte so gestaltet sein, dass niemand stolpert oder sich auf Fluren verirrt. Sicherheit und Orientierung für Patienten – das ist ein wichtiges Ziel von alterssensibler Architektur.

"Das zweite Ziel ist Wohlfühlen. Dass ich Behaglichkeit im Raum schaffe und Orte schaffe, wo der Mensch das Gefühl hat, dass er ankommen kann. Dass er sich selbst spürt. Das heißt, er muss den Raum verstehen. Er muss gern dableiben und den Eindruck haben: Ich bin hier gut aufgehoben." Birgit Dietz, Expertin für alters- und demenzsensible Architektur

Klinikum Lichtenfels mit Vorbild-Charakter

Im Regiomed-Klinikum Lichtenfels hat man viele dieser Tipps schon beim Bau umgesetzt. 2018 wurde es eröffnet. Das Krankenhaus ist ein sogenanntes "Green Hospital" und setzt auf viel Grün und Umweltschutz. Große Fenster sorgen für Helligkeit. Die Patientinnen können vom Bett aus direkt ins Grüne blicken. Das Licht im Zimmer – morgens kühl, abends warm – unterstützt den natürlichen Biorhythmus. Ein klares Farbkonzept und große Schriften sorgen dafür, dass niemand auf den Gängen herumirrt.

Besonders viel bringen neue farbige Aufkleber in knalligem Rot und Gelb, die auf den Toilettentüren pappen. "Patienten brauchen Orientierung. Da sind Signalfarben sehr gut", erklärt Anja Schönheit, Pflegedirektorin im Regiomed-Klinikum in Lichtenfels. Dort habe ein Test unter Patienten ergeben, dass die Toilette aufgrund der farbigen Aufkleber schneller gefunden wurde. "Dadurch wird natürlich auch Zeit für das Pflegepersonal eingespart", so Schönheit.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!