BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Archäologen finden 2000 Jahre altes Kinder-Skelett in Nördlingen | BR24

© BR

Archäologen haben in Nördlingen das Skelett eines Kindes aus der Zeit der Kelten gefunden. Nach zahlreichen Untersuchungen wird klar: Der Tod des Jungen könnte die Handlung eines grausamen Krimis aus dem Altertum sein.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Archäologen finden 2000 Jahre altes Kinder-Skelett in Nördlingen

Archäologen haben in Nördlingen das Skelett eines Kindes aus der Zeit der Kelten gefunden. Nach zahlreichen Untersuchungen wird klar: Der Junge war eine Art Sklave – sein Tod könnte die Handlung eines grausamen Krimis aus dem Altertum sein.

4
Per Mail sharen

Das Foto, das Johann Friedrich Tolksdorf an die Wand wirft, ist selbst für Laien leicht zu interpretieren: Oben auf dem Schädelknochen befindet sich ein mehrere Zentimeter großer, kreisrunder Riss. Für den Denkmalpfleger vom Landesamt besteht kaum ein Zweifel: Der Junge aus dem Nördlinger Ries ist durch stumpfe Gewalt erschlagen worden. Da war das Kind erst neun bis zwölf Jahre alt. Das Ganze geschah irgendwann zwischen 500 und 100 vor Christus – als die Kelten im Ries siedelten. Der Täter: unbekannt.

Kind wurde in einer Müllgrube entsorgt

Der Fund ermöglicht Archäologen einen seltenen Blick auf die Lebensverhältnisse in der untersten sozialen Schicht der Menschen von damals. Das zeigt das nächste Foto bei der Präsentation der Forschungsergebnisse im Nördlinger Rathaus. Darauf ist zu sehen, wie das Skelett bäuchlings mit verdrehten Armen und Beinen in der Erde liegt.

Der Fundort am Rande von Nördlingen war kein Grab, es war eine altertümliche Müllgrube. Analysen von Spezialisten zeigen: Schlachtabfälle von Schafen, Rindern und Hasen wurden hier genauso entsorgt wie angebrannte Essensreste. Dinkel und Einkorn ließen sich nachweisen. Der mutmaßlich erschlagene Junge wurde nicht bestattet, sondern in dem Loch regelrecht entsorgt. Die Erklärung dafür: Das Kind könnte eine Art Sklave gewesen sein. Ein Begräbnis etwa mit Grabbeigaben gab es für diese Menschen nicht.

Archäologe: Junge musste hart arbeiten und war krank

Auf die Sklaven-Theorie deutet laut Johan Friedrich Tolksdorf vom Landesamt für Denkmalpflege auch der schlechte Zustand des Skeletts hin. Abgenutzte Zähne, eine Entzündung im Oberschenkel und poröse Knochen aufgrund von Eisenmangel – und das Ganze schon in jungen Jahren. "Wir können sagen, dass dieser Junge schwere körperliche Arbeit verrichtet hat und dass er sicherlich auch bis kurz vor seinem Tod an erheblichen Krankheiten litt und möglicherweise dadurch auch körperlich eingeschränkt war", sagt Tolksdorf.

Das Gebiet war offenbar schon lange besiedelt

Gefunden haben Archäologen das Skelett schon vergangenes Jahr auf dem Firmengelände des Batterieherstellers Varta in Nördlingen. Dort wird eine neue Fabrikhalle gebaut, zuvor untersuchten die Archäologen das Gelände. Die Wahrscheinlichkeit war groß, etwas zu finden, denn das Gebiet war offenbar schon sehr lange von Menschen besiedelt. Das haben mehrere archäologische Entdeckungen aus den vergangenen Jahren gezeigt.

Menschen wurden sesshaft wegen fruchtbarer Böden im Ries

Nicht weit vom Flüsschen Eger entfernt waren es wohl die bis heute sehr fruchtbaren Böden im Ries und ein günstiges Mikroklima, was die Menschen hier sesshaft werden ließ, sagt Archäologe Manfred Woidich, der die Ausgrabungen geleitet hat. Seit mehr als 2.000 Jahren gab es dort immer wieder kleine Weiler und Bauernhöfe. Erst Anfang des Jahres konnte der Archäologe den Fund eines alten Brunnens präsentieren. Im Grundwasser konserviert ließ sich die Speisekarte der Kelten rekonstruieren: Dinkel, Wildbirne und Physalis.

Weitere Untersuchungen in Nördlingen geplant

Inwieweit das Kinder-Skelett in Zusammenhang mit dem altertümlichen Brunnen steht, sollen jetzt weitere Untersuchungen klären. Die Geschichte der Kelten im Nördlinger Ries ist aber schon jetzt um ein Kapitel reicher, auch wenn es dabei um das traurige Schicksal eines möglicherweise ermordeten Kinder-Sklaven geht.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!