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Arbeitsmarkt im Juni 21

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Bayerns Arbeitsmarkt auf Erholungskurs – aber mit Belastungen

Der bayerische Arbeitsmarkt ist auf Erholungskurs. Die Beschäftigung im Freistaat steigt. Das sei "ein gutes Zeichen", so der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen, Holtzwart. Die Kurzarbeit geht zwar zurück, aber die Corona-Pandemie wirkt noch nach.

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Von
  • Stanislaus Kossakowski

Die Zahl der Arbeitslosen sank im Juni im Vergleich zum Vormonat um 12.084 auf 256.800 Menschen. Die Arbeitslosenquote ging um 0,2 Punkte auf 3,4 Prozent zurück. Auch im Vergleich zum Vorjahr, als die Quote noch 3,9 Prozent betrug, sind deutlich weniger Menschen im Freistaat arbeitslos gemeldet.

Der Leiter der Regionaldirektion Bayern, Ralph Holtzwart, sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Die Stellennachfrage zieht an, die Beschäftigung steigt und die Menschen kommen wieder in Arbeit. Das ist ein gutes Zeichen."

Doppelbelastung für den Arbeitsmarkt

Doch habe der bayerische Arbeitsmarkt zurzeit eine Doppelbelastung zu tragen. Die Auflagen der Corona-Pandemie klingen aktuell zwar aus, erklärt Holtzwart. Jedoch seien die "restlichen Wirkungen der Pandemie" noch zu spüren.

Zudem gebe es im Verarbeitenden Gewerbe Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten. War lange Zeit die Corona-Pandemie das dominierende Thema am Arbeitsmarkt, würden jetzt Themen wie der Fachkräftemangel der Unternehmen und die Weiterqualifizierung von Langzeitarbeitslosen wieder "mehr in den Vordergrund" treten.

Unterbeschäftigung geht nur mäßig zurück

Die Unterbeschäftigung ist weniger stark zurückgegangen als die Arbeitslosigkeit. Die Arbeitsagenturen zählen zu den Unterbeschäftigten nicht nur alle arbeitslos gemeldeten Personen, sondern auch Frauen und Männer, die sich in staatlich geförderten Maßnahmen befinden oder kurzfristig arbeitsunfähig sind. Im Juni waren nach dieser Zählung in Bayern 338.828 Menschen unterbeschäftigt.

Kurzarbeit geht zurück

Die Zahl der Kurzarbeitenden sinkt nach Behördenangaben kontinuierlich. Jedenfalls, was die Zahl der Anmeldungen betrifft. Bis zum 24. Juni haben Unternehmen für rund 9.900 Arbeitskräfte Kurzarbeit angemeldet. Im Mai gingen hingegen noch 17.000 Anzeigen für Kurzarbeit bei den Arbeitsagenturen ein. Wie viele Menschen im Juni tatsächlich kurzgearbeitet haben, stellt sich für die Arbeitsmarktstatistiker erst mehrere Monate später heraus.

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist den Angaben zufolge indes weiter gestiegen, im Vorjahresvergleich um 66,0 Prozent. Das Niveau vor Ausbruch der Pandemie werde allerdings noch nicht erreicht. So verhält es sich auch mit der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Sie ist gegenüber dem Vorjahr erstmals überhaupt wieder gestiegen, und zwar um 0,6 Prozent. Am stärksten schlägt sich das im Verarbeitenden Gewerbe, den Bereichen Gesundheit und Sozialwesen sowie dem Handel nieder.

Spitzenreiter und Schlusslichter

Unter Bayerns Bezirken verzeichnet die Oberpfalz unverändert die niedrigste Arbeitslosenquote. Sie liegt bei 3,0 Prozent und damit 0,4 Prozentpunkte unter dem bayerischen Durchschnittswert. Die höchste Arbeitslosenquote hat mit 4,0 Prozent weit abgeschlagen Mittelfranken. Doch ist auch dort wie in allen Regierungsbezirken die Zahl der Arbeitslosen gesunken.

Im Städtevergleich kann Eichstätt auch diesmal wieder die niedrigste Arbeitslosenquote vorweisen. Mit 1,8 Prozent kommt die Stadt erstmals seit Langem wieder unter die 2-Prozent-Marke. Die höchste Quote hat die Stadt Nürnberg mit 6,1 Prozent, dicht gefolgt von Hof mit 6,0 Prozent.

Regionen profitieren von Corona-Lockerungen

Positiv wirkten sich in ganz Bayern die Lockerungen der Corona-Beschränkungen aus. Besonders ausgeprägt zeigt sich das in touristischen Regionen wie zum Beispiel dem Berchtesgadener Land, dem Allgäu und dem Fichtelgebirge. Auch in zahlreichen Städten gaben die Corona-Erleichterungen Branchen wie dem Hotel- und Gastgewerbe und dem Dienstleistungsbereich einen deutlichen Schub.

Überdurchschnittlich deutlich zeigte sich das etwa in München, Weiden und Hof. Eine besonders erfreuliche Entwicklung sieht der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen in Unterfranken. Der Bezirk verzeichnet im Vorjahresvergleich den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit innerhalb Bayerns. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit binnen Jahresfrist beläuft sich in Unterfranken auf minus 15,7 Prozent, gefolgt von Oberfranken mit minus 14,6 Prozent.

Viele freie Ausbildungsstellen, aber weniger Bewerbungen

Für das kommende Ausbildungsjahr, das im September beginnt, gibt es nach Angaben des Leiters der bayerischen Arbeitsagenturen, Holtzwart, "noch viele freie Lehrstellen". Bis zum Oktober sind den Arbeitsagenturen knapp 90.000 freie Ausbildungsplätze gemeldet worden. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber lag bislang bei rund 56.500. Damit suchen deutlich weniger junge Menschen eine Lehrstelle also noch vor einem Jahr. Nach den Worten von Holtzwart bereitet das den Arbeitsbehörden Sorgen.

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Während der Corona-Pandemie war es jungen Menschen kaum möglich, potentielle Arbeitgeber auf Messen kennenzulernen. Gleichzeitig zögern wegen der aktuellen Unsicherheit viele Unternehmen noch Ausbildungsplätze anzubieten.

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