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Arbeitskräftemangel: Bayerns Spargel in Gefahr | BR24

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Bayerischer Spargel könnte bald Mangelware werden - das Erntepersonal geht langsam aus. Das trifft neben den Spargelbauern dann auch die Verbraucher. Kontrovers-Autor Alexander Loos macht den Test: Spargelstecher für einen Tag.

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Arbeitskräftemangel: Bayerns Spargel in Gefahr

Bayerischer Spargel könnte bald Mangelware werden - das Erntepersonal geht langsam aus. Das trifft neben den Spargelbauern dann auch die Verbraucher. Kontrovers-Autor Alexander Loos macht den Test: Spargelstecher für einen Tag.

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Spargelstechen ist ein harter Job. Saisonarbeit, Mindestlohn, lange Arbeitstage. Immer mehr Bauern haben Probleme, überhaupt noch Erntehelfer zu finden. Viele Arbeiter finden in ihren Heimatländern mittlerweile attraktive Jobs.

Selbstversuch als Spargelstecher

Kammerstein im Landkreis Roth, kurz nach halb sieben Uhr morgens. Bei Minusgraden komme ich am Hof von Günther Bub an. Ich möchte herausfinden, wie hart der Job auf dem Feld ist. Günther Bub rüstet mich mit Stechmesser und Kiste aus.

Eine ganze Kiste bis zur ersten Pause füllen - das wird schwierig. Auf dem Hof arbeiten Erntehelfer aus Polen, bis zu 18 Saisonkräfte helfen bei der Spargelernte. Ein Job, den Deutsche schon längst nicht mehr machen wollen.

Als wir ankommen, sind meine neuen Kollegen schon fleißig am Stechen. Ich hingegen muss erst lernen, wie schwierig es ist, die Spargelstange aus dem Boden zu holen. Was ich sofort merke: Spargelernte geht auf den Rücken. Ob ich meine Kiste voll bekomme, bezweifle ich. Karolina aus Polen arbeitet mit mir zusammen. Ich bin jetzt schon froh über ihre Unterstützung. Dabei sind die Abstände zwischen den Spargelstangen aufgrund der kalten Nächte noch relativ groß.

Mindestlohn und Saisonarbeit

Für die Erntehelfer ist das alles Alltag in den zwei bis drei Monaten, die sie hier in Deutschland arbeiten. Die meisten kommen schon seit einigen Jahren hier her, auch Karolina. Sie verdient beim Spargelstechen den Mindestlohn von 9,19 Euro. Auf das Geld ist sie angewiesen und finanziert sich damit ihr Leben in ihrer Heimat. "In Polen ist es schwieriger mit der Arbeit. Man verdient weniger. Ich glaube, wenn es eine Möglichkeit gibt, will ich hier hinkommen."

Karolina hat von Bekannten von dem Erntejob bei Günther Bub erfahren. So kommt der Landwirt schon seit vielen Jahren an seine Saisonkräfte. Doch erst vor zwei Tagen ist eine Erntekraft einfach nicht gekommen. Nicht nur für Günther Bub ein wachsendes Problem:

"Die ist irgendwo anders in Europa hingefahren und arbeitet da: Es nimmt zu, dass man Sorge hat, dass man genügend Erntehelfer bekommt. Wenn man weniger Leute hat, kann man deswegen auch nicht mehr arbeiten. Sondern man muss die Fläche reduzieren." Günther Bub, Spargelbauer

Arbeiter finden besser bezahlte Jobs woanders

Die Arbeiter aus Osteuropa sind oft gut vernetzt und finden besser bezahlte Alternativen, auch feste Jobs in ihren Heimatländern. Günther Bub zahlt den Mindestlohn. Und was, wenn er mehr zahlen würde? Er sagt: "Da musst Du den Spargel einfach teurer verkaufen und das muss dann aber für den Verbraucher auch bezahlbar bleiben. Irgendwo sind dann beim Verbraucher auch Grenzen, wo er sagt: Ich gebe keine 15 oder 20 Euro für ein Kilo Spargel aus."

Tricksereien beim Gehalt

Für Gewerkschaftsreferentin Sarah Kuschel zählt das Argument nicht. Sie berät Saisonarbeiter aus Osteuropa. Viele Erntehelfer bekämen - anders wie bei Günther Bub - ohnehin nicht den vollen Mindestlohn. Manche Landwirte würden bei der Lohnabrechnung mit versteckten Kosten tricksen, sagt sie: "Dann wird sich Geld zurückgeholt über die Unterkunft oder Stunden werden nicht bezahlt. Also es ist zum Teil massiv schlecht, was die Leute für die Arbeitsbedingungen bekommen. Und da kann ich gut verstehen, wenn die Leute sich entscheiden, die Arbeit nicht mehr zu machen."

Familiäres Umfeld mit Fußball und Mittagessen

Die Feldarbeit hat ein schlechtes Image, auch deshalb bleiben Erntekräfte fern und suchen sich andere Jobs. Tricksereien mit Lohnabrechnungen sind bei Günther Bub tabu. Auch er verlangt einen täglichen Abschlag für die Arbeiterunterkunft direkt auf seinem Hof. Aber der liegt bei maximal 3,80 Euro. Günther Bub ist stolz auf sein familiäres Umfeld: "Sie schätzen das schon. Vielleicht ist das ein Grund, warum sie über die Jahre hier herkommen. Wenn aber ein Betrieb 300 Saisonarbeitskräfte hat, dann kann er sich ja auch nicht mehr um jeden kümmern. In unserer Größe funktioniert das noch ganz gut."

Täglich gibt es für wenig Geld ein frisch gekochtes Mittagessen und Landwirt Bub lädt seine Helfer zu Konzerten oder Fußballspielen ein. Sein Interesse ist es, dass die Helfer jedes Jahr wiederkommen. Neue zu finden, wird immer schwieriger.