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Arbeit oder Familie – Tschechische Grenzpendler im Zwiespalt | BR24

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Bildrechte: BR/ Rudolf Heinz

In Tschechien ist die Inzidenz fast zwölf Mal so hoch, wie bei uns. Die Grenzkontrollen zum Nachbarland werden also noch länger andauern. Besonders Leidtragende sind tschechische Pendler. Wer nicht pendeln darf, bleibt hier. Mit allen Konsequenzen.

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Arbeit oder Familie – Tschechische Grenzpendler im Zwiespalt

Tschechische Grenzpendler dürfen nur noch zur Arbeit pendeln, wenn sie dort dringend gebraucht werden. Andere müssen entweder nach Bayern ziehen oder in Tschechien bleiben. Das stellt Arbeitgeber und Arbeitnehmer täglich vor große Herausforderungen.

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Von
  • Rudolf Heinz
  • BR24 Redaktion

Seit knapp zwei Wochen gilt eine verschärfte Regelung für tschechische Grenzpendler. Es dürfen nur noch Arbeitskräfte pendeln, die dringend gebraucht werden. Alle anderen müssen sich entscheiden, ob sie zeitweise nach Bayern ziehen oder in Tschechien bleiben. Ein Kraftakt für Arbeitgeber und Arbeiter.

Lukas Bezdek baut gerade in einer Fabrikhalle eine weiße Fensterfassade zusammen. Der 31-jährige Tscheche arbeitet seit Jahren bei der Firma Schindler in Roding, im Landkreis Cham, als Fensterbauer. Normalerweise pendelt er täglich aus dem tschechischen Domazlice in den Landkreis Cham. Doch seit zwei Wochen pendelt er nicht mehr, weil er sonst nicht mehr Einreisen darf. Eine psychische Belastung für ihn.

"Ich bin wegen der ganzer Situation ziemlich traurig. Ich kann nicht mehr nach Hause fahren. Zuerst habe ich drei Mal in der Woche Corona-Tests machen müssen, das hat nichts gebracht und jetzt müssen wir hierbleiben." Lukas Bezdek, Grenzpendler

Über 50 Prozent der Grenzpendler fehlen

Momentan hat die Firma Schindler einen Großauftrag zu stemmen. Sie fertigen die Fassade des neuen Justizzentrums in München, das größte Bauvorhaben der Bayerischen Justiz seit dem Zweiten Weltkrieg. Und gerade jetzt muss eine Abteilung komplett stillgelegt werden, denn von 21 tschechischen Mitarbeitern sind nur noch sieben da. Das Unternehmen versucht zwar, die Lieferverzögerungen so kurz wie möglich zu halten, doch abwenden können sie diese nicht mehr.

Spontan bei Arbeitskollegen untergekommen

Bezdek ist spontan in einer Privatwohnung bei Arbeitskollegen untergekommen. Hier kann er so lange bleiben, bis die Grenzen wieder aufmachen. Der 31-Jährige ist froh und dankbar, dass ihm seine Arbeitskollegen so schnell und unkompliziert geholfen haben.

"Das Wochenende ist ziemlich traurig, ich bin fast immer alleine." Lukas Bezdek

Der junge Tscheche hofft, dass die Grenzen bald wieder geöffnet werden, damit er seine Familie endlich "in echt" wiedersehen kann und nicht nur auf einem Bildschirm am Handy.

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Lukas Bezdek arbeitet bei der Firma Schindler in Roding als Fensterbauer.

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Leere Produktionshalle bei der Firma Schindler

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Die Firma Schindler hat einen Großauftrag zu stemmen. Sie fertigen die Fassade des neuen Justizzentrums in München.

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