BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Apple und Co.: Kann München Werkswohnungen erzwingen? | BR24

© pa / dpa / FrankHoermann/SVEN SIMON

Silhouetten vor einem Apple-Logo (Symbolbild)

28
Per Mail sharen
Teilen

    Apple und Co.: Kann München Werkswohnungen erzwingen?

    Wohnraum ist in München knapp - und immer mehr Firmen verlagern Arbeitsplätze an die Isar. Nach Google will nun Apple seinen Münchner Standort um 1.500 Mitarbeiter erweitern. Kann die Stadt die Unternehmen zum Wohnungsbau zwingen?

    28
    Per Mail sharen
    Teilen

    Der iPhone-Konzern Apple plant mit bis zu 1.500 neuen Mitarbeitern in einem neuen Bürogebäude in der Karlstraße in München. Apple hat das zwar noch nicht bestätigt. Klar ist aber, dass das Bürogebäude komplett an einen Nutzer vermietet wird.

    Die High-Tech Konzerne Microsoft, IBM und Alibaba sind bereits in München anwesend. Für den Mietmarkt ist das große Interesse an der Stadt eine Belastung.

    Für deutsche Verhältnisse sind die Mietpreise in München teuer, aber im Vergleich zum Silicon Valley geradezu ein Schnäppchen. Nicht aber für Normalverdiener. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Sozialwohnungen. Der Verdrängungsprozess auf dem Wohnungsmarkt beschäftigt die Stadt schon seit Jahren. Aber soll der Wohnungsbau allein Aufgabe der Stadt sein oder sollte sie die Unternehmen mehr in die Pflicht nehmen?

    Anreize ja, Zwang nein

    Zwar gibt es die Möglichkeit, Firmen bei der Genehmigung von Gewerbe entgegenzukommen, wenn sich diese im Gegenzug zum Bau von Mitarbeiterwohnungen verpflichten. Zum Wohnungsbau zwingen kann die Stadt Unternehmen aber nicht.

    Wie das Referat für Stadtplanung dem BR mitteilte, kann die Stadt nur auf den Flächen, die ihr selbst gehören, den Bau von Werkswohnungen beeinflussen. Aber sie kann eigene Flächen gezielt für den Werkswohnungsbau ausschreiben.

    Zudem kann die Stadt unverbindliche Anreize geben. Wie Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bereits vor einem Jahr bei einem Austausch zwischen Wirtschaft, Verwaltung und den Wohnungsbaugesellschaften anregte, sollten Firmen mehr mit Münchner Baugenossenschaften kooperieren.

    Wem gehören die Wohnungen in Augsburg, München und Würzburg? Wo fließt die Miete hin und wer profitiert von den steigenden Preisen? Gemeinsam mit den Bürger*innen möchten BR und Correctiv den Immobilienmarkt transparenter machen. Helfen Sie mit! Gehen Sie auf unsere Webseite br.de/wemgehoert. Teilen Sie uns Adresse und Eigentümer Ihrer Wohnung mit. Laden Sie einen Beleg, zum Beispiel ein Foto Ihres Mietvertrages, hoch. Eingaben überprüfen und absenden.

    Was die Stadt sonst noch unternimmt

    Mit 1,2 Milliarden Euro bis 2022 investiert die Stadt München in ihr wohnungspolitisches Handlungsprogramm. Ziel von Oberbürgermeister Reiter ist, 100.000 Wohnungen bis 2030 aufzukaufen. Nach Angaben der Stadtregierung sind momentan rund 68.000 Wohnungen in der Hand städtischer Gesellschaften. Mit Mieten unter Marktniveau kommen diese Wohnungen vor allem niedrigen Einkommensgruppen zugute.

    Die Stadt setzt auch beim Wohnungsbau stark auf Wohnungsbaugenossenschaften und will in den nächsten Jahren 20 bis 40 Prozent der städtischen Wohnbauflächen im Ballungsraum für Wohnprojekte zur Verfügung stellen.

    Erst kürzlich hat München einen kommunalen Wohnungsfonds eingerichtet. Mit dem Geld von Bürgern und Unternehmen will die Stadt Wohnhäuser von privaten Investoren und Genossenschaften kaufen, um die Mieten niedrig zu halten.

    Außerdem ist eine städtische Wohnungstauschbörse geplant. Das hat der Sozialausschuss des Stadtrats beschlossen. Viele Senioren leben allein in viel zu großen Wohnungen. Sie können ihren Wohnraum mit Familien tauschen, die dringend mehr Platz brauchen. Vom Pilotprojekt sollen vor allem Mieterinnen und Mieter der städtischen Wohnungsbaugesellschaften profitieren. Später soll es aber auch für Genossenschaften und für den freien Wohnungsmarkt zugänglich sein.

    Was Unternehmen freiwillig tun

    Die Stadtwerke München (SWM) legten Ende 2019 den Grundstein für 118 Werkswohnungen im Stadtteil Moosach. Das ist Teil einer langfristigen Strategie. Demnach sollen bis 2030 nochmal 2.000 Werkswohnungen hinzu kommen. Außerdem gibt es einige Mittelständler, die auf Werkswohnungen setzen.

    Früher hatten Großunternehmen wie Siemens und die Bahn große Wohnungsbestände in München. Heute sind fast alle verkauft. Aber es gibt auch wieder freiwillige Initiativen von Unternehmen. Die Bahn startete ihr erstes Kooperationsprojekt mit einer Baugenossenschaft in München. 74 Wohnungen werden dort 15 Jahre lang ausschließlich an die Bahn-Belegschaft vermietet.

    In Kalifornien hat Apple im Wettlauf um bezahlbaren Wohnraum übrigens 2,5 Milliarden Dollar für Wohnraum zugesagt. Vielleicht kann das als Zeichen dafür gewertet werden, dass eine entsprechende Bereitschaft grundsätzlich auch für den Standort München vorhanden ist.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!