BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Applaus reicht ihnen nicht - Pflegepersonal wehrt sich | BR24

© BR

Pflegedemo in Nürnberg

6
Per Mail sharen

    Applaus reicht ihnen nicht - Pflegepersonal wehrt sich

    Seit der Coronakrise bekommen Pflegekräfte viel Lob von allen Seiten - doch ihre Arbeit bleibt schwierig: zu wenig Personal, schlechte Bezahlung, hoher Zeitdruck. In Nürnberg demonstrierten hunderte Beschäftigte für bessere Arbeitsbedingungen.

    6
    Per Mail sharen

    "Die Pflege liegt am Boden." Um diesen Satz zu verdeutlichen, ließen sie sich demonstrativ auf den Boden fallen - etliche Beschäftigte aus Pflegeberufen, die am Mittwoch (30.09.20) vor dem Nürnberger Gesundheitsministerium demonstrierten. In den vergangenen Monaten hat das Pflegepersonal viel Anerkennung bekommen für seine Leistungen, doch die Arbeitsbedingungen seien weiterhin katastrophal.

    Pflegerin an der Belastungsgrenze: "Wie auf dem Verschiebebahnhof"

    Seit mehr als dreißig Jahren arbeitet Anja S. als Krankenschwester, erkannt werden möchte sie nicht. Ihr Arbeitgeber mache zu viel Druck, aber sie berichtet von extremen Arbeitsbedingungen in den vergangenen Monaten:

    "Wir wurden hin und hergeschoben, je nach Bedarf: Ah, jetzt eröffnet die Coronastation von einem Tag auf den anderen, dann oh, der Bedarf ist doch nicht so groß, dann wurde die wieder runtergefahren. Kolleginnen mussten plötzlich auf Intensivstation arbeiten, die lange nicht dort gearbeitet hatten, wir haben uns wie auf einem Verschiebebahnhof gefühlt." Anja S., Krankenschwester

    Seit Corona kommt noch Unsicherheit hinzu

    Schon seit Jahren gäbe es viel zu wenig Personal. Anja S. berichtet weiter, dass fast immer auf den Stationen nur mit der absoluten Mindestbesetzung gearbeitet wird. Wenn dann noch Pfleger hin- und hergeschoben werden, kennen die sich kaum aus, für die anderen heißt das: noch mehr Verantwortung. Anja S.: "Es war vor Corona schon anstrengend, aber man wusste wenigstens, was auf einen zukommt. Jetzt kam noch die Unsicherheit hinzu - was muss ich heute überhaupt machen."

    Viele Pflegende geben auf

    Durch den Personalmangel bleibe auch viel zu wenig Zeit für das, was sie mal gelernt haben, sagt Anja S. Alle Pflegenden wollen sich eigentlich umfassend um die Patienten kümmern, doch oft sei nur noch eine notdürftige Versorgung möglich. Viele jüngere KollegInnen würden den Job deshalb schon nach einigen Jahren frustriert wieder aufgeben. Das aber verschärft den Personalmangel weiter.

    Gewerkschaft: "Applaus reicht nicht - Taten müssen folgen"

    Unter dem Motto "Gebraucht - beklatscht - aber bestimmt nicht weiter so!" haben die Pflegenden und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi deshalb bei der Demo gefordert: Die Politik müsse jetzt den Worten Taten folgen lassen und dringend für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege sorgen. Konkret forderten sie eine Abschaffung der Fallpauschalen, eine bedarfsgerechte Finanzierung des Gesundheitswesens und vor allem eine verbindliche Personalbemessung, die eine gute Versorgung der Patienten zulässt.

    Konferenz der Gesundheitsminister in Berlin

    Anlass für die Demo war die zweitägige Gesundheitsministerkonferenz in Berlin. Bundesweit hatte die Gewerkschaft Verdi deshalb zu Streiks und Aktionen in Gesundheitseinrichtungen aufgerufen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!