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AOK gegen Taxis: Was der Preiskampf für Patienten bedeutet | BR24

© BR/Andreas Herz

Taxifahrer hilft Patientin ins Taxi

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    AOK gegen Taxis: Was der Preiskampf für Patienten bedeutet

    Mit dem Taxi zur Dialyse oder zur Krebstherapie: Alltag für tausende Patienten in Bayern. Doch Krankenkassen wollen die Fahrten möglichst günstig vergeben – allen voran die AOK Bayern. Ein Preiskampf, auch auf dem Rücken der Patienten.

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    Nina Cornelissen schlingt ihre Arme um Franz Pietsch, ihren Taxi-Fahrer. Der hievt die schlanke Augsburgerin ins Auto, den Rollstuhl packt er in den Kofferraum. "Er kommt in meine Wohnung, er muss mich anfassen, manchmal am Hintern, das will ich nicht bei jedem haben", erzählt Nina Cornelissen. Über die Jahre habe sich ein nahezu intimes Verhältnis aufgebaut.

    Auf das Taxi angewiesen

    Seit Jahren hilft Franz Pietsch seiner Kundin, zur Reha oder zum Arzt zu kommen. Nina Cornelissen hat Multiple Sklerose und kann ihre Beine nicht mehr benutzen. Sie braucht "ihren Franz", wie sie sagt. Ihn, und sein Taxi. Mit Bus oder Bahn würde sie den Weg nicht schaffen.

    Komme jemand anders, dann sehe sie "wie angekotzt die sind, dass sie jetzt einen Rollstuhl einladen müssen". Es sei wichtig, dass man die richtigen Worte findet, sagt Franz Pietsch, gerade bei kranken Menschen. Dass man niemanden verletze.

    Online-Vergabe von Krankenfahrten

    Bei den Krankenfahrten, die von einer Krankenkasse online zu "Dumping-Preisen" an den günstigsten Anbieter vergeben werde, sei dies kaum zu erwarten. "Da ist es ein reines Geschäft", meint Pietsch, der für eine Taxi-Genossenschaft fährt: "Rein, raus, und fertig."

    "Ich wurde schon mal eingesteigert", sagt Nina Cornelissen. Damit meint sie, dass ihre Kasse ihr einen günstigeren, privaten Anbieter schicken wollte.

    "Das habe ich abgelehnt, ich brauche jemanden, der mich in der Wohnung abholt, der mir in die Schuhe hilft, das ist zu intim. Da will ich keinen Fremden." Nina Cornelissen, MS-Patientin

    Preisdumping durch Konkurrenz mit Mietfahrern

    Besonders die AOK Bayern wird wegen solchen Online-Versteigerungen vom bayerischen Taxi-Verband kritisiert. Gibt auf einer der Plattformen ein anderer Anbieter – zum Beispiel ein Mietfahrer – ein niedrigeres Angebot ab, muss der Taxler seinen Preis auf das gleiche Niveau senken, wenn er den Kunden nicht verlieren will.

    Qualitätsverlust durch Preiskampf

    Ein Preisdumping mit Folgen für die Patienten, sagt Frank Kuhle, Landesvorstand der Bayerischen Taxi- und Mietwagenunternehmen:

    "Wenn ich von Problemen höre, dass die günstigen Anbieter halt einfach mal nicht kommen, nicht zur Verfügung stehen oder schlechte Qualität bieten oder den Patienten nicht ordentlich zur Dialyse-Station begleiten – dann braucht man sich nicht wundern. Wenn man das Billigste bezahlen will, dann bekommt man halt auch die billigste Qualität." Frank Kuhle, Landesvorstand der Bayerischen Taxi- und Mietwagenunternehmen

    Auch das Bayerische Rote Kreuz, das für die AOK Krankenfahrten abwickelt, kritisiert die Online-Versteigerungen:

    "Dabei handelt es sich um einen extremen Fall von Kommerzialisierung sozialer Leistungen. Es geht der AOK hier offenbar nur darum, dass sich die potenziellen Leistungsanbieter preislich unterbieten, auf Qualität wird dabei nicht ausreichend geachtet, wenn sie überhaupt eine Rolle spielt." Bayerisches Rotes Kreuz

    Strenge Kriterien sollen für Qualität sorgen

    Die AOK erklärt, auch bei den Online-Ausschreibungen auf Qualität zu achten:

    "Beispielsweise müssen die Unternehmer eine Genehmigung nach dem Personalbeförderungsgesetz besitzen, Versicherte direkt zur Haustür begleiten, eine pünktliche Abholung zusichern und ortskundig sein." Sprecher der AOK

    Für Nina Cornelissen ist es undenkbar, dass ein fremder Fahrer sie ins Auto trägt. Die günstigeren Anbieter, die man ihr schicken wollte, hat sie abgelehnt und lieber selber draufgelegt. Franz, ihr Taxifahrer, sei es ihr wert.