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So kämpft der bayerische Staat gegen Antisemitismus | BR24

© dpa/picture-alliance

Krasses Beispiel für Antisemitismus. Friedhof von Herrlisheim bei Straßburg im Elsass. Hier wurden Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert.

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So kämpft der bayerische Staat gegen Antisemitismus

Erst am Dienstag war ein jüdischer Friedhof im Elsass geschändet worden. Antisemitismus nimmt wieder zu in Europa. Auch in Bayern ist diese Tendenz zu beobachten - der Staat kämpft dagegen an. Die Betroffenen wünschen sich vor allem eins: Normalität.

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Vor der jüdischen Schule wacht die Polizei und vor der internistischen Praxis von Josef Schuster in der Würzburger Innenstadt steht ebenfalls ein Polizeiauto. Denn der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland ist einer der gefährdetsten Persönlichkeiten - elektronische Rundum-Überwachung und ständiger Personenschutz sind für ihn normal. Alltäglicher Antisemitismus, vor allem die Anfeindungen im Netz, können dadurch aber nicht verhindert werden.

Justiz will klare Zeichen gegen Antisemitismus setzen

Deshalb hat die bayerische Justiz seit vergangenem Sommer Antisemitismus-Beauftragte bei den Generalstaatsanwaltschaften in Bamberg, Nürnberg und München installiert, die potenziellen Straftätern signalisieren: Antisemitismus wird geahndet. "Für alle Jüdinnen und Juden in Bayern wollten wir das klare Signal senden: Die Justiz steht fest an eurer Seite und ihr könnt euch zu hundert Prozent auf uns verlassen", betont der Münchner Oberstaatsanwalt Andreas Franck. Bei antisemitischen Straftätern gibt es, so Franck, auch keine Opportunitätseinstellungen, wie beispielsweise bei Ladendiebstählen, bei denen nach Opportunität wegen Geringfügigkeit oder geringer Schuld das Verfahren eingestellt wird.

150 antisemitische Straftaten pro Jahr

Im Bereich der Generalstaatsanwaltschaft München hat sich die Zahl der antisemitischen Straftaten seit 2015 mehr als verdoppelt, von 24 auf 51 im Jahr 2017. Bayernweit zählte die Polizei für das Jahr 2017 insgesamt etwa 150 Straftaten mit antisemitischen Motiven.

Jüdinnen und Juden sehnen sich nach Normalität

Eva Ehrlich, eine agile Münchner Rentnerin, macht nicht nur Führungen durch die Synagoge. Sie arbeitet von ihrer Wohnung auch für Hagalil, das größte jüdische Online-Magazin in deutscher Sprache, das sie mit ihrem Mann gegründet hat. Sie fühlt sich sicher in der bayerischen Hauptstadt, aber sie hat viele jüdische Freunde, "die echt auf gepackten Koffern sitzen und sagen: Wenn es schlimm ist, gehen wir nach Israel". Was sich Eva Ehrlich aber selbst für Bayern wünscht, ist mehr Normalität. "Wenn man einfach so leben könnte, dass die Leute mit Kippa auf die Straße gehen könnten, mit Davidstern, ohne irgendwie blöd angeredet zu werden."

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Weitere Information zur Verweildauer

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Vor der Münchner Synagoge, der jüdischen Schule, der Würzburger Praxis von Joseph Schuster, dem Präsidenten des Zentralrates der Juden: überall stehen Polizeiautos. Keine Frage der Staat tut viel, die jüdischen Bürger vor Gewalttaten zu schützen.

Sendung

Die B5 Reportage

Von
  • Thies Marsen
  • Susanne Betz
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