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Antisemitismus-Debatte: Staudinger fordert Vorurteile abzubauen | BR24

© Daniel Shaked

Barbara Staudinger hat Zweifel an der Wirkung einer Übernahme einer Definition von Antisemitismus durch die Staatsregierung

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Antisemitismus-Debatte: Staudinger fordert Vorurteile abzubauen

Die Leiterin des Jüdischen Museums in Augsburg, Barbara Staudinger, fordert im Kampf gegen Antisemitismus, eigene Vorurteile zu überprüfen. In die Übernahme einer Antisemitismus-Definition durch die Staatsregierung setzt sie keine große Hoffnung.

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Die Leiterin des Jüdischen Museums in Augsburg, Barbara Staudinger, sieht die Strategie der Staatsregierung gegen Antisemitismus mit gemischten Gefühlen. Im Gespräch mit dem BR erklärte sie, dass sie es zwar begrüßt, dass die Bayerische Staatsregierung die internationale Antisemitismus-Definition übernommen hat. Das sei ein Zeichen an die Öffentlichkeit, sagte Staudinger. Sie mache sich aber keine große Hoffnung, dass sich durch dieses Zeichen etwas ändert. Staudinger erklärte, dass es einen wachsenden Antisemitismus gebe, liege schließlich nicht an einer unzureichenden Antisemitismus-Definition.

Staudinger: Jeder muss seine Vorurteile prüfen

Die Leiterin des Jüdischen Museums in Augsburg plädiert für einen anderen Ansatz: „Wir haben den Blick darauf verloren, dass wir Menschen sind und dass es beim Antisemitismus auch um Menschen geht“, sagte sie im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Jeder müsse sich selbst fragen, welche Vorurteile er mit sich herumschleppe. Jeder Betrieb, jeder Verein, jeder Verband solle überprüfen, wie divers er wirklich ist. Die Gesellschaft müsse sich insgesamt wieder mehr aufeinander zu bewegen, fordert Barbara Staudinger.

Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken

Die Definition der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken lautet: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“

Staatsregierung fordert Verein auf, die Definition zu übernehmen

Die Bayerische Staatsregierung übernahm die Definition im Mai. Sie ist nicht rechtlich bindend, soll aber Behörden und Gesellschaft als Grundlage bei der Verfolgung von Straftaten gegen Juden und den Staat Israel dienen. Der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung, Ludwig Spaenle (CSU), forderte zahlreiche Vereine und Organisationen auf, die Definition ebenfalls zu übernehmen.