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Spaenle setzt auf Prävention gegen den Antisemitismus | BR24

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Angesichts der jüngsten antisemitischen Vorfälle setzt Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle auf Präventionsarbeit. Hier sei vor allem Bildungsarbeit gefordert. Zudem sprach er sich für eine "Kultur des Hinschauens" aus.

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Spaenle setzt auf Prävention gegen den Antisemitismus

Im Kampf gegen Judenfeindlichkeit will Bayerns Antisemitismusbeauftragter Spaenle eine Kultur des Hinschauens etablieren. Außerdem setzt er auf die Hilfe von Vereinen und Organisationen.

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Angesichts der jüngsten antisemitischen Vorfälle setzt Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle (CSU) auf Präventionsarbeit. So solle mehr proaktiv über jüdisches Leben im Freistaat gesprochen werden und nicht nur dann, wenn es zu Übergriffen auf jüdische Mitbürger gekommen sei, sagte Spaenle in München. Hier sei vor allem die Bildungsarbeit gefordert. Zudem sprach er sich für eine "Kultur des Hinschauens" aus. Bürger sollten sich einmischen, wenn dumme Bemerkungen von der Art "man wird doch wohl noch sagen dürfen" gemacht würden. Solche und andere Attacken seien Angriffe auf die gesamte Gesellschaft.

Gemeinsam gegen Antisemitismus

Spaenle wünscht sich eine Allianz gegen Antisemitismus. Er nennt das "Kaskadenmodell". Das bedeutet: Angefangen bei der Regierung möchte er über Verbände und Organisationen aus Arbeitswelt und Zivilgesellschaft möglichst viele Menschen in Bayern erreichen. Als Grundlage nennt Spaenle die Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust Erinnerungsallianz.

Klare Antisemitismus-Definition

Demnach ist Antisemitismus eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Er richte sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen oder religiöse Einrichtungen.

Nachdem die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung diese Definition bereits angenommen haben, hat sie Spaenle nun rund 90 Vereinen und Verbänden in Bayern vorgelegt. Knapp 60 von ihnen, darunter der Bayerische Landesverein für Heimatpflege, die Landeszentrale für neue Medien oder der Bayerische Jugendring, haben bereits reagiert und die Definition angenommen. "Das besondere ist", sagte Spaenle in München, "dass wir zum ersten Mal eine Region, ein Bundesland im gesellschaftlichen Prozess zu durchdringen versuchen, um über jüdisches Leben zu sprechen."

In der Mitte unserer Gesellschaft leben Juden, so Spaenle, und es sei wichtig, deutlich zu machen, "dass wir ganz klar Position beziehen mit wichtigen gesellschaftlichen Kräften, die sich eben an die Seite von Jüdinnen und Juden stellen."

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Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Spaenle will im Kampf gegen Judenfeindlichkeit auch Vereine und Verbände stärker einbinden.

Zentralrat der Juden begrüßt Spaenles Strategie

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, begrüßte Spaenles Strategie gegen Judenfeindlichkeit. "Ich glaube, es gibt zwei Wege, die man beschreiten muss", sagte Schuster im Interview mit dem Rundschau Magazin im BR Fernsehen. "Zum einen muss es klar sein, gerade auch in muslimischen Zuwanderungskreisen, was gesellschaftlicher Konsens in unserer demokratischen Ordnung ist. Dazu gehört kein Antisemitismus, dazu gehört keine Frauenfeindlichkeit, dazu gehört Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Ausrichtungen."

Zum anderen sei Zivilcourage gefragt, so Schuster. Er wünsche sich, dass jeder den Mut hat, einzuschreiten, wenn es zu rassistischen oder antisemitischen Vorfällen kommt. "Das beginnt schon am Stammtisch", sagte Schuster. Er habe das Gefühl, "dass der Einzelne in der deutschen Gesellschaft dieses Problem oder die Frage des Antisemitismus als ein Randphänomen sieht, dem er selber vielleicht gar nicht so viel Bedeutung beimisst." Aber es müsse vielmehr zum Konsens werden, "dass Rassismus, dass Fremdenfeindlichkeit, aber, dass eben auch Antisemitismus Themen sind, die in keiner Weise gehen."

In München waren kürzlich ein Rabbiner und seine beiden Söhne nach dem Besuch einer Synagoge beleidigt und einer von ihnen bespuckt worden.

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Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat die Präventionsstrategie gegen Judenfeindlichkeit von Bayerns Antisemitismusbeauftragten, Ludwig Spaenle (CSU), begrüßt.

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  • Alkyone Karamanolis
  • Leonie Thim
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