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Antisemitische Parolen: Polizei ermittelt gegen Fußballfan | BR24

© pa/dpa/Herbert Rudel

Fanschal des Zweitligisten Karlsruher SC (Symbolbild)

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Antisemitische Parolen: Polizei ermittelt gegen Fußballfan

Wieder Judenhass mitten in der Münchner Innenstadt? Ein Fußballfan soll am Freitagnachmittag am Münchner Viktualienmarkt antisemitische Parolen skandiert haben. Die Polizei ermittelt wegen Beleidigung und Volksverhetzung.

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Jüngst hatte ein Antisemitismusfall die Münchner Stadtgesellschaft aufgeschreckt: Ein Rabbiner und seine Söhne wurden nach dem Besuch einer Synagoge beleidigt und bespuckt. Längst kein Einzelfall. Wegen eines Vorfalls am Freitagnachmittag wird wieder wegen Beleidigung und Volksverhetzung ermittelt. Im Fokus der Ermittler diesmal: ein Fußballfan. Aufgefallen sei er am Viktualienmarkt durch judenfeindliche Beleidigungen, so die Polizei.

Polizei: Lautstark judenfeindliche Beleidigungen

Nach Polizeiangaben ist der 29-jährige Anhänger des Karlsruher SC. Der Zweitligist pflegt eine Fanfreundschaft mit dem Bundesligisten Hertha BSC. Die Berliner gastierten am Freitagabend beim FC Bayern. Stunden vor Anpfiff war der Fußballfan gegen 14.30 Uhr in Begleitung dreier Männer und einer Frau in der Münchner Innenstadt unterwegs. Dann soll der 29-Jährige minutenlang lautstark judenfeindliche Beleidigungen von sich gegeben haben.

Berliner jüdischen Glaubens hat Anzeige erstattet

Zufällig war ein 36-jähriger Berliner jüdischen Glaubens ebenfalls vor Ort. Er machte Fotos von dem mutmaßlichen Antisemitismus-Vorfall und erstattete Anzeige. Die Aufnahmen waren hilfreich. Die Beamten konnten den 29-jährigen Tatverdächtigen gegen 18 Uhr im Eingangsbereich der Allianz Arena identifizieren und festnehmen. Später wurde der Mann wieder entlassen. Aber die Ermittlungen laufen.

Immer wieder Antisemitismus in München

Derartige Vorfälle häufen sich: 2017 waren im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München 51 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund angezeigt worden, im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf 86 Fälle. Für 2019 liegen noch keine Angaben vor. Bayernweit wurden im vergangenen Jahr 219 antisemitisch motivierte Taten registriert - 2017 waren es 148.

Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) setzt deshalb auf Präventionsarbeit. So solle mehr proaktiv über jüdisches Leben im Freistaat gesprochen werden.

© BR24

Angesichts der jüngsten antisemitischen Vorfälle setzt Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle auf Präventionsarbeit. Hier sei vor allem Bildungsarbeit gefordert. Zudem sprach er sich für eine "Kultur des Hinschauens" aus.