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Anti-Corona-Demos bleiben friedlich - oder fallen aus | BR24

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In Bayern sind für dieses Wochenende rund 70 Demonstrationen angemeldet worden. Auf der Münchner Theresienwiese hatten sich Hunderte zu einer Protestaktion versammelt - doch die Kundgebung fiel ins Wasser.

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Anti-Corona-Demos bleiben friedlich - oder fallen aus

In Nürnberg, Augsburg und anderen bayerischen Städten haben Menschen erneut gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Es blieb friedlich. Die Demo in München wurde wegen Unwetter abgesagt. Und: In Berlin gab es Trubel um TV-Koch Attila Hildmann.

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Gegner der Corona-Maßnahmen wollten am Samstag (23.05.) etwa in Augsburg, Nürnberg und München protestieren. Auf der Münchner Theresienwiese sollte die angemeldete Anti-Corona-Demo um 15 Uhr beginnen. Über die Münchner Theresienwiese fegte kurz vor 15 Uhr aber ein starker Wind. "Wir wissen gerade nicht, was wir tun sollen", erklärten die Veranstalter auf der Bühne und sagten, momentan könne man nicht starten, die Sicherheit gehe vor.

Zu dieser Zeit hatten sich bereits mehrere hundert Demonstranten auf dem Gelände versammelt. Als wenige Minuten später ein starker Platzregen über die Theresienwiese hereinbrach, wurde die Demo endgültig abgesagt. Mit einem Applaus bedankten sich die Demonstranten bei den Organisatoren. Alle verließen zügig das Gelände.

Polizei gut vorbereitet

Die Polizei verfolgte das gleiche Sicherheitskonzept wie bereits am vergangenen Samstag, teilte ein Polizeisprecher dem BR mit. Das Demo-Gelände war mit Sicherheitsband abgesperrt. Mehr als die 1.000 zugelassenen Demonstranten ließ die Polizei nicht durch. Bereits im Vorfeld ging die Polizei wegen des Wetters von weniger Demonstranten aus als in der letzten Woche. Am vergangenen Samstag versammelten sich zusätzlich zu den 1.000 zugelassenen Personen bis zu 2.500 weitere Demonstranten am Rand der Theresienwiese.

Rund 800 Polizisten waren an diesem Samstag im Einsatz - etwa 200 weniger als in der letzten Woche. Demonstriert habe ein breites bürgerliches Spektrum mit Randgruppen wie Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern, Esoterikern sowie stadtbekannten Links- und Rechtsextremen, so die Polizei. Die überwiegende Masse der Demonstranten komme aber aus der bürgerlichen Mitte.

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Rund 450 Demonstranten in Nürnberg

In Nürnberg wurde unterdessen bei Regen und Wind demonstriert. Einige hundert Demonstranten hatten sich an drei Orten versammelt. Die Stimmung war laut Polizei friedlich. Die größte der drei Versammlungen fand mit annähernd 500 Teilnehmern auf der Wöhrder Wiese statt; sie verlief ebenso störungsfrei wie die beiden anderen Kundgebungen im Marienbergpark und auf dem Aufseßplatz.

© BR / Claudia Grimmer

Corona-Demo in Nürnberg

Demo in Kempten abgesagt, rund 500 Demonstranten in Augsburg

In Kempten im Allgäu wurde die angekündigte Demo wie in München wegen des Unwetters abgesagt.

Rund 500 Menschen kamen in Augsburg auf dem Plärrer zusammen. Die Demonstration verlief laut Polizei ruhig. Ursprünglich waren 1.000 Demonstranten angemeldet. Verstöße gegen die Abstandsregelungen gab es den Beamten zufolge nicht. Weil es regnete, hatten viele Demonstranten ihre Schirme aufgespannt. Die Gruppierung "Grundrechte wahren" hatte zu der Demonstration aufgerufen.

Auch in Regensburg, Passau sowie anderen Städten in Niederbayern und der Oberpfalz wurde demonstriert. Auch hier kamen weniger Leute als erwartet. Die Aktionen blieben friedlich. Gleiches galt für die Demos in oberbayerischen Städten. Wie in München konnte auch in Weilheim die Kundgebung wetterbedingt nicht wie geplant durchgeführt werden. Für andere Städte meldete Polizeisprecher Stefan Sonntag dem BR überschaubare Teilnehmerzahlen - jeweils rund 50 Personen in Prien, in Bad Reichenhall und Schongau. In den Innenstädten von Rosenheim und Traunstein war die Polizei mit erhöhten Personalaufwand unterwegs - teilweise wurden die örtlichen Kräfte durch Beamte der Bereitschaftspolizei unterstützt. Laut Polizeisprecher Sonntag gab es aber bisher keine Beanstandungen. Auch in Ingolstadt, Eichstätt, Freising und Beilngries verliefen kleinere Kundgebungen friedlich.

Proteste auch in anderen Teilen Deutschlands

Außerhalb Bayerns gab es ebenfalls zahlreiche Aktionen. Bei einer Protestaktion am Großen Stern in Berlin waren nach Medienberichten und Angaben der Polizei zahlreiche Anhänger der Reichsbürger- und Gelbwesten-Bewegung dabei. Die Polizei beendete die Veranstaltung vorzeitig, weil sich zu viele Menschen an der Demonstration beteiligten.

Koch Attila Hildmann berichtet von Wunden und blauen Flecken

In Berlin sind derzeit nur bis zu 50 Teilnehmer je Demonstration erlaubt. Wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz wurden am Großen Stern von zahlreichen Demonstranten die Personalien aufgenommen. Auch der Fernsehkoch Attila Hildmann wurde auf dem Weg zu einer Kundgebung am Kanzleramt vorübergehend festgenommen. Ihm würden Verstöße gegen das Versammlungs- und das Infektionsschutzgesetz vorgeworfen, sagte eine Polizeisprecherin. Nach Polizeiangaben hatte sich am Lustgarten in Berlin-Mitte eine dreistellige Zahl von Menschen um Hildmann versammelt. Es sei der Eindruck entstanden, er wolle mit diesen losgehen - es sei aber nicht gestattet, einen Aufzug durchzuführen.

Die Beamten hätten ihn darauf hingewiesen und Maßnahmen angekündigt, die dann auch umgesetzt worden seien, so die Sprecherin. Hildmann sei aber wieder entlassen worden - und Einsatzkräfte hätten ihn dann zu dem Ort geleitet, an dem er eine Kundgebung abhielt, an der nach Schätzung eines dpa-Reporters mehr als 100 Menschen teilnahmen. Es gab zudem einige Gegendemonstranten. Hildmann sagte zu dem Geschehen um seine Festnahme, er sei erkannt worden und es habe sich ein Tross von Menschen um ihn gebildet. Die Beamten hätten die Wege abgeriegelt. Als er nach der Rechtsgrundlage gefragt habe, sei er "gewaltsam festgenommen" worden. Er habe Wunden und blaue Flecken. Die Polizei äußerte sich dazu nicht. Der Koch war zuletzt mit der Verbreitung von Verschwörungsmythen in der Corona-Krise aufgefallen.

Wasserwerfer in Hamburg

In Hamburg kam es am Rande einer Demonstration mit rund 750 Teilnehmern unter dem Motto "Mahnwache für das Grundgesetz" zu einem Wasserwerfereinsatz. Wie die Polizei mitteilte, sollte so ein nicht genehmigter Gegenprotest aufgelöst werden. 120 Personen hätten sich trotz Aufforderung nicht entfernt. Auch in Nordrhein-Westfalen und Hessen gingen in mehreren Städten Menschen aus Protest gegen die Einschränkungen auf die Straße.

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Das schlechte Wetter hat vielen Anti-Corona-Protesten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die größte Demo auf der Münchner Theresienwiese wurde ganz abgesagt. In Nürnberg und Augsburg wurde dagegen protestiert.

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