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Anschlag in Halle: Folgen für jüdische Gemeinde in Straubing | BR24

© BR/Harald Mitterer

Die jüdische Gemeinde in Straubing ist vom Anschlag in Halle schockiert. Wie Anna-Deborah Zisler vom Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Straubing im BR-Gespräch sagte, habe der Anschlag auch Konsequenzen für Straubing.

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Anschlag in Halle: Folgen für jüdische Gemeinde in Straubing

Die jüdische Gemeinde in Straubing ist vom Anschlag in Halle schockiert. Wie Anna-Deborah Zisler vom Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Straubing im BR-Gespräch sagte, habe der Anschlag auch Konsequenzen für Straubing.

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Die jüdische Gemeinde in Straubing zeigt sich betroffen vom Anschlag auf die Synagoge in Halle/Saale in Sachsen-Anhalt. Bisher hätte es an jüdischen Feiertagen in Straubing Polizeistreifen vor der Synagoge gegeben, die nicht dauerhaft vor der Synagoge waren, sondern immer wieder gekommen sind, um nachzuschauen. Das soll sich jetzt nach dem Anschlag in Halle ändern, so Zisler.

Enger Kontakt mit jüdischer Gemeinde und Polizei in Straubing

Am Dienstag nach dem Anschlag blieb die Straubinger Polizei bei der Straubinger Synagoge, in der die jüdische Gemeinde das Fest Jom Kippur feierte - laut Zisler stehe man in sehr engem Kontakt miteinander, besonders an jüdischen Feiertagen. Für künftige Feste will Zisler mit der Polizei besprechen, wie mit Festen und der Bewachung der Straubinger Synagoge umgegangen werde. Das findet sie traurig:

"Was wirft das für ein Licht auf meine Heimatstadt Straubing, wenn wir die Polizei brauchen, während wir beten?"

Gemeinde hat Vertrauen auf Sicherheit verloren

Man müsse jetzt, so Zisler, an die Gemeindemitglieder denken, die "das Vertrauen auf Sicherheit verloren hätten: Der erste Vorfall in Berlin gab Grund für Diskussionen und Fragen, wie: Können wir sicher sein? Und jetzt Halle - das Maß der Erträglichkeit ist für viele überschritten." Wie Zisler sagte, werde man in Zukunft aufmerksamer sein, Türen sollen noch besser verschlossen werden.

Schleuse für Straubinger Synagoge als Schutz geplant

Zisler sagte, sie habe seit dem Anschlag ein beklemmendes Gefühl und stelle sich die Frage: "Wie mache ich jetzt weiter in meinem Bestreben der Öffnung?" Es soll auch weiterhin Gruppenführungen durch die Synagoge geben. Doch schon jetzt ist eine Schleuse in Planung: Ein Nebeneingang und der Eingang zum Gemeindesaal sollen von einem Glasanbau umgeben sein, ein schutzsicheres Glashaus. In der Schleuse sollen Rucksäcke und Taschen zurückgelassen werden, um in die Synagoge zu gelangen.

Das Haupttor bedarf keinem Schutz: "Den benutzen wir seit Jahren nicht mehr. Da haben wir schon einmal eine Drohung bekommen: Wenn die Türe offen ist, werden wir etwas rein werfen. Wir gehen bei anderem Eingang rein."

"Gesetz muss mit ganzer Strenge zuschlagen"

Zisler fordert strengere Maßnahmen nach derartigen Vorfällen wie in Halle: "Das Gesetz muss mit der ganzen Strenge zuschlagen, dass es abschreckend wirkt." Damit solle man Zeichen setzen, dass in Deutschland weder Juden, Moslems oder Christen Angst haben müssen. Zisler plädiert weiter für einen Zusammenhalt in Deutschland aller Menschen - egal welchen Glaubens. "Das ist meine Heimat, die lasse ich mir von niemandem nehmen", so Zisler.

Anschlag auf Synagoge in Halle

Am Mittwoch wollte ein schwer bewaffneter Mann in die Synagoge von Halle/Saale eindringen. Der 27-jährige Stephan B. aus Eisleben in Sachsen-Anhalt hat zwei Menschen erschossen. Er drehte ein Video seiner Tat und streamte dieses im Internet. Es wird von antisemitischen Motiven ausgegangen.