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Ansbacher sammelt Spenden für Obdachlosen-Wohnwagen | BR24

© BR/Laura Grun

Die Nächte werden zunehmend kälter. Für Menschen ohne festen Wohnsitz wird das zur Gefahr. Daher hat ein Ansbacher einen Spendenaufruf gestartet. Er will Obdachlosen in Wohnwagen ein Zuhause auf Zeit bieten.

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Ansbacher sammelt Spenden für Obdachlosen-Wohnwagen

Die Nächte werden zunehmend kälter. Für Menschen ohne festen Wohnsitz wird das zur Gefahr. Daher hat ein Ansbacher einen Spendenaufruf gestartet. Er will Obdachlosen in Wohnwagen ein Zuhause auf Zeit bieten.

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"Weltenbummler" steht in brauner Schrift auf dem beigefarbenen Anhänger. Doch weit verreisen wird der Wohnwagen in nächster Zeit erst mal nicht. Denn seit einigen Tagen ist er das Zuhause von Robert aus Ansbach. Vor knapp einer Woche wurde der 65-Jährige obdachlos und verbrachte die Nächte seither am Bahnhof auf einer Bank. Verloren hat er seine Wohnung, weil er "bei den Papieren nicht so ganz aufgepasst" hat – irgendwann folgte die Zwangsvollstreckung.

Ansbacher will Obdachlosen einen ordentlichen Schlafplatz bieten

Welche Gründe hinter der Obdachlosigkeit von Robert stecken, spielen für Sammy West keine Rolle. Er ist Musiker, betreibt eine Musikschule in Ansbach und ist Initiator des Spendenprojekts für Obdachlosen-Wohnanhänger.

"Was ich damit erreichen will ist, dass keiner mehr auf der Straße oder auf der Bank im Kalten schlafen muss." Sammy West, Initiator Spendenprojekt für Obdachlose

Die Menschen sollen warme Kleidung, einen ordentlichen Schlafplatz und genug zu essen haben. Das sei sein großer Wunsch. Daher ist der 55-Jährige aktiv geworden. Kurzerhand hat er einen Spendenaufruf gestartet und von dem Geld zwei alte Wohnanhänger gekauft und restauriert. Damit Obdachlose gut durch den Winter kommen.

Wohnwagen-Bewohner können im Fitnessstudio duschen

Im Moment stehen die Anhänger auf einem Parkplatz hinter dem Fitnessstudio von Jochen und Heike Stöckert. Im Studio können die vier Bewohner kostenlos duschen und sich mit Strom versorgen. Den Betreibern war es wichtig, das Projekt unbürokratisch zu unterstützen. Als klar war, dass das Ehepaar wegen der Corona-Pandemie ihr Fitnessstudio erneut schließen muss, hatten sie Platz auf dem Parkplatz und stellten ihn zur Verfügung. In dieser Zeit müssten alle zusammenhalten, sagt Heike Stöckert.

Je zwei Männer teilen sich einen Wohnwagen

Robert teilt sich den Anhänger mit Thomas. Jago und Jan leben in dem zweiten Wohnanhänger, der ebenfalls durch Spenden finanziert wurde. Der Moment, als Sammy vor einer Woche die Neuigkeit verkündet hat, ist Robert im Gedächtnis geblieben. "Das war super vom Sammy. Wir kennen uns schon seit 40 Jahren und ich bin froh, dass ich ihn als Freund habe", sagt er.

Wohnwagen-Stellplatz auf Parkplatz keine Dauerlösung

Doch auch der Wohnanhänger ist nur ein Zuhause auf Zeit. Für immer können die vier Männer dort nicht leben, sagt Heike Stöckert. Im Moment werden auch die Unterhaltungskosten über Spenden finanziert, doch eine Dauerlösung sei das nicht, sagt die 53-Jährige. Wichtig ist es ihr, dass die Männer in den derzeit kalten Nächten nicht auf der Straße schlafen müssen. Gemeinsam mit Sammy West und der Stadt Ansbach sucht Heike Stöckert nach einer dauerhaften Lösung.

Auch Notunterkünfte der Stadt Ansbach sind geöffnet

Die Stadt Ansbach bietet außerdem Notunterkünfte für Obdachlose. In der "Herberge zur Heimat" können zehn Männer im Schlafsaal und vier Frauen unterkommen. Geöffnet hat die Unterkunft täglich und bietet neben den Schlafsälen Sanitäranlagen und eine kleine Küche. Allerdings ist die "Herberge zur Heimat" in der Zeit von 12.00 bis 16.00 Uhr geschlossen. Sie ist alsot, trotz ihres Namens, nur eine Übergangslösung, damit niemand auf der Straße schlafen muss. Roberts großer Wunsch ist jedoch eine eigene Wohnung – ein richtiges Stück Heimat eben.

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