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Ansbach: Zu wenig Impfschutz für Senioren wegen Impfvordrängler | BR24

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In Wassertrüdingen könnten Seniorinnen und Senioren nicht genügend Impfschutz erhalten haben.

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    Ansbach: Zu wenig Impfschutz für Senioren wegen Impfvordrängler

    Die Staatsanwaltschaft Ansbach ermittelt gegen einen Impfarzt eines mobilen Impfteams. Er soll aus einer Ampulle eine zusätzliche Dosis für die Frau eines Kollegen entnommen haben. Senioren könnten dadurch nun nicht ausreichend geschützt sein.

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    Von
    • Markus Balek

    War es eine Gefälligkeit unter Kollegen? Geklärt ist das bislang noch nicht. In Ansbach wird gegen einen Impfarzt eines mobilen Impfteams ermittelt. Er soll verbotenerweise aus zwei Impfstoff-Ampullen je eine zusätzliche Dosis für die Frau eines Hausarztes in Wassertrüdingen entnommen und diese damit geimpft haben. Das könnte für Impflinge, die ebenfalls eine Impfung aus selbigen Ampullen erhalten haben, bedeuten, dass sie weniger geschützt sind.

    Sieben statt sechs Impfdosen gezogen: Impfstoff zu sehr verdünnt

    Jede Ampulle werde mit einer Kochsalzlösung bis zu einer Maximalgrenze aufgefüllt. Das sei normal, sagte der Ansbacher Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger dem Bayerischen Rundfunk. Sechs Impfdosen kann ein Arzt demnach aus einer Ampulle gewinnen. Um aber eine zusätzliche siebte Dosis zu ziehen, müsse die Menge an zugeführter Kochsalzlösung erhöht werden, so Schrotberger. Dadurch verdünne sich jedoch der Impfstoff zu sehr, was dann zu einem geringeren Schutz für die betroffenen Impflinge führe.

    Bis zu zwölf Seniorinnen und Senioren mit zu wenig Impfschutz

    Bis zu zwölf Senioren aus einem Seniorenheim in Wassertrüdingen haben daher vermutlich zu wenig Impfschutz erhalten. Denn die illegal entnommene siebte Dosis soll sowohl bei Erst- als auch Zweitimpfungen entnommen worden sein. Somit wurde der Impfstoff in zwei Ampullen zu sehr verdünnt: Anstatt zwölf wirksamer Dosen wurden insgesamt 14 gezogen, deren Wirksamkeit nicht garantiert gewesen sein kann.

    "Nach der uns vorliegenden Stellungnahme eines neutralen verantwortlichen Impfarztes ist bei dieser Vorgehensweise nicht gesichert, dass alle aus der Ampulle entnommenen Impfdosen auch den vorgeschriebenen Wirkstoffgehalt erreichen." Michael Schrotberger, Oberstaatsanwalt Ansbach

    Betroffene kaum ausfindig zu machen

    Die Krux bestehe nun auch darin herauszufinden, wer die betroffenen Seniorinnen und Senioren sind. Es werde zwar registriert wer geimpft sei, aber nicht aus welcher Ampulle, so Michael Schrotberger weiter. Des Weiteren sei die siebte Dosis sowohl bei Erst- und Zweitimpfung nicht registriert worden. Das mache ein Nachforschen nahezu unmöglich.

    Verdacht der vorsätzlichen Körperverletzung

    Für den Oberstaatsanwalt seien diese Fälle spannend, da man sich auf juristisches Neuland begebe. Es gebe schlichtweg keine Vergleichsfälle. Juristisch gehe es allerdings um den Verdacht der vorsätzlichen Körperverletzung, da jeder Patient gutgläubig davon ausgehe, nach einer Impfung einen ausreichenden Impfschutz zu erhalten. Ansonsten hätte es seitens der Seniorinnen und Senioren wohl keine Zustimmung zu einer Impfung gegeben.

    Staatsanwaltschaft will Bevölkerung sensibilisieren

    Trotz Anfangsstadium der Ermittlungen ging Oberstaatsanwalt Michael Schrotberger schnell an die Öffentlichkeit. Ihm sei es ein Anliegen gewesen, die Menschen schnell zu informieren, dass bestehende Gesetze nicht eigenmächtig gebogen werden könnten. Aufmerksam wurde die Staatsanwaltschaft durch das Landratsamt Ansbach. Zeugen hätten den Fall aus Wassertrüdingen gemeldet, dass aus einer Ampulle eine siebte Dosis entnommen wurde und diese nicht registriert war.

    Bis zu 25.000 Euro Strafe für Impfdrängler

    Union und SPD fordern zukünftig harte Strafen für Impfvordrängler. Von bis zu 25.000 Euro Strafe ist die Rede. Immer wieder sind Fälle von öffentlichen Personen und Funktionsträgern bekannt geworden, die trotz vorgegebener Reihenfolge vorab eine Impfung erhalten haben. Darunter waren auch Bürgermeister, Landräte, Geistliche, Feuerwehrleute und Polizisten. Solche Verstöße gegen die Impfverordnung könnten zukünftig als Ordnungswidrigkeit eingestuft und entsprechend geahndet werden.

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