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Das Ankerzentrum in Geldersheim

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    Ankerzentrum in Geldersheim zum vierten Mal unter Quarantäne

    Das Ankerzentrum in Geldersheim bei Schweinfurt ist erneut unter Quarantäne gestellt worden. Damit wurde die Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber schon zum vierten Mal seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie abgeriegelt.

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    Von
    • Pirmin Breninek
    • Michael Franz

    Erst vergangene Woche war die vorherige Quarantäne aufgehoben worden. Nun steht das Ankerzentrum in Geldersheim erneut unter Quarantäne, mittlerweile zum vierten Mal. Wie die Regierung von Unterfranken mitteilte, wurden zwei Bewohner positiv auf Corona getestet. Deshalb hat das Gesundheitsamt Schweinfurt nun Quarantäne für die Unterkunft angeordnet.

    Aufnahme- und Verlegungsstopp im Ankerzentrum

    Die aktuelle Anordnung gelte zunächst bis 17. November 2020, hieß von der Bezirksregierung. Eine umgehende Reihentestung werde derzeit in die Wege geleitet. Die Lage in der Einrichtung sei ruhig. Aktuell ist sie die Aufnahmestelle mit 709 Asybewerbern belegt. Es gelte ein Aufnahme- und Verlegungsstopp.

    Angespannte Lage bei früherer Quarantäne

    Das Ankerzentrum stand bereits dreimal unter Quarantäne: von Ende März bis Ende Mai, im September und nun zuletzt für etwas mehr als eine Woche im Oktober. Im Mai hatte die Quarantäne zu einer angespannten Lage in der Einrichtung geführt: Nachdem zunächst friedlich gegen die mehrwöchige Quarantäne demonstriert worden war, eskalierte die Lage. Die Polizei musste mit einem Großaufgebot anrücken und nahm 16 Bewohner in Gewahrsam. Dabei wurde ein Polizist verletzt.

    Kritik an Zuständen in Gemeinschaftsunterkünften

    Immer wieder kommt es in Gemeinschaftsunterkünften zu Corona-Ausbrüchen. So stand zum Beispiel im Sommer auch eine Unterkunft in Nürnberg mehrfach unter Quarantäne. Kritisiert werden dabei häufig die zum Teil unzumutbaren hygienischen Umstände, unter denen die Asylbewerber untergebracht sind. Videoaufnahmen und Fotos von der Einrichtung in Nürnberg zeigten zum Beispiel Kakerlaken, Mäuse und Motten in Zimmern und in Küchen.

    Auch bezüglich der Einrichtung in Geldersheim wurde Kritik an den Zuständen laut. So hatte Ende Mai der Bayerische Flüchtlingsrat die Hygienemaßnahme in dem Ankerzentrum heftig kritisiert. Es fehlten Desinfektionsmittel, und Sicherheitsabstände seien in Massenunterkünften wie dieser nicht gewährleistet. Dadurch würden immer wieder neue Corona-Infektionen auftreten und es komme zu einer "Quarantäne in Endlosschleife".

    💡 Was ist ein Ankerzentrum?

    Das Wort "Anker" steht für für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Um diese Aufgaben zu bewältigen, sollen mehrere Institutionen in den sogenannten Ankerzentren eng vernetzt miteinander arbeiten: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter sowie Ausländerbehörden und Verwaltungsgerichte. Kurze Wege sollen Verfahren beschleunigen. Die Aufgaben werden gebündelt erfüllt.

    Zunächst wird die Identität der Flüchtlinge festgestellt. Nach der Altersbestimmung werden unbegleitete Minderjährige durch Jugendbehörden in Obhut genommen. Erwachsene bleiben in den "Anker-Einrichtungen".

    Der Aufenthalt in den "Ankerzentren" soll in der Regel maximal 18 Monate dauern, bei Familien mit minderjährigen Kindern sechs Monate. Laut Koaltionsvertrag sollen nur noch diejenigen auf die Kommunen verteilt werden, für die eine positive Bleibeprognose bestehe. Alle anderen sollen aus den "Ankerzentren" in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.

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