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Ankerzentrum Geldersheim: 109 Corona-Fälle unter den Bewohnern | BR24

© Julia Dechet / BR-Studio Mainfranken

Der Bayerische Flüchtlingsrat fordert die Schließung der Sammelunterkünfte für Flüchtlinge, nachdem am Montag (20.04.20) ein Flüchtling aus dem Ankerzentrum in Geldersheim (Lkr. Schweinfurt) an den Folgen des Coronavirus gestorben war.

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Ankerzentrum Geldersheim: 109 Corona-Fälle unter den Bewohnern

Im unterfränkischen Ankerzentrum für Flüchtlinge in Geldersheim gibt es aktuell unter den 600 Bewohnern 109 Corona-Fälle. Laut der Regierung von Unterfranken stehen 65 unter strenger Quarantäne, 43 sind wieder als gesund aus der Quarantäne entlassen.

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Unter den 600 Bewohnern des unterfränkischen Ankerzentrums für Flüchtlinge in Geldersheim (Lkr. Schweinfurt) gibt es aktuell 109 Corona-Fälle. Diese Zahl nannte Johannes Hardenacke, der Pressesprecher der Regierung von Unterfranken, auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. 65 der infizierten Flüchtlinge stehen unter strenger Quarantäne, 43 sind bereits wieder als gesund aus der Quarantäne entlassen.

Regierung von Unterfranken: "Wir sehen die Entwicklung völlig unaufgeregt"

Die hohe Zahl der Infizierten erkläre sich zum Teil damit, dass in der Flüchtlingsunterkunft vermehrt getestet werde – ähnlich wie in Alten- oder Pflegeheimen, erklärte Hardenacke. So würden auch Infizierte gefunden, die gar keine Coronavirus-Symptome zeigen. Bei rund 80 Prozent der Flüchtlinge im Ankerzentrum sei das der Fall. "Wir sehen die Entwicklung völlig unaufgeregt. Die Bewohner sind ruhig und informiert. Die entsprechenden Regelungen, zum Beispiel Abstandsgebot, Hygiene und so weiter, sind allen bekannt", so der Regierungssprecher. Auch die hygienischen Verhältnisse seien gut. Die Zimmer der Bewohner hätten eigene Bereiche zum Duschen. Außerdem sei ein Ärztezentrum auf dem Gelände und die Ärzte würden die Bewohner kennen.

Flüchtlingsunterkunft unter Quarantäne gestellt

Das ganze Ankerzentrum steht unter Quarantäne. Das heißt, die Asylbewerber dürfen das Gelände nicht verlassen. Außerdem gilt ein Mund-Nasen-Schutz-Gebot, die Verwaltung gibt Masken aus. Positiv getestete Bewohner werden laut Hardenacke streng isoliert und von Ärzten betreut, genau wie Menschen, die gesundheitlich vorbelastet sind.

Am Montag (20.04.20) war der erste Flüchtling in Unterfranken an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Der 60-jährige Armenier hatte laut Regierung bereits Vorerkrankungen.

Bayerischer Flüchtlingsrat fordert Schließung der Sammelunterkünfte

Der Bayerische Flüchtlingsrat reagierte bestürzt über den ersten Toten in einer bayerischen Flüchtlingsunterkunft im Zusammenhang mit dem Coronavirus. "Wir sind in Gedanken bei dem Verstorbenen und seinen Angehörigen. Gleichzeitig fürchten wir, dass es nicht bei einem Toten bleiben wird, viele weitere Flüchtlinge haben sich in den bayerischen Ankerzentren und Gemeinschaftsunterkünften infiziert, einige Menschen werden im Krankenhaus behandelt. Wir wissen von mindestens einem Fall auf der Intensivstation", erklärte Alexander Thal, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats in einer Pressemitteilung.

Aufgrund der Corona-Pandemie forderte der Bayerische Flüchtlingsrat einen Kurswechsel bei der Unterbringung von Flüchtlingen. "Wir fordern die Staatsregierung ultimativ auf, die Flüchtlingslager zu schließen und die Bewohnerinnen und Bewohner schnellstmöglich in leerstehenden Hotels und Jugendherbergen unterzubringen!", wurde Thal zitiert. Der Flüchtlingsrat begründete seine Forderung damit, dass Flüchtlinge in der Sammelunterkunft einem besonderen Risiko ausgesetzt seien. Die Risikogruppen würden nicht aus dem Gefahrenbereich gebracht, sondern weiter in den Flüchtlingsunterkünften untergebracht. Sollten Infektionen auftreten, würden gleich ganze Unterkünfte unter Quarantäne gestellt und eine Infektion aller Bewohnerinnen und Bewohner würde in Kauf genommen.