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Ankerzentren - Wer darf Sicherheitsmann werden? | BR24

© BR/Christian Riedl

Ankerzentrum Deggendorf

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    Ankerzentren - Wer darf Sicherheitsmann werden?

    Ein Sicherheitsmitarbeiter des Deggendorfer Ankerzentrums hat einen Angriff eines Bewohners erfunden, wie die Polizei ermittelt hat. Der Fall sorgt nicht nur wegen der Lüge für Aufsehen - es stellt sich die Frage: Wer darf Sicherheitsmann werden?

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    Nach dem erfundenen Übergriff im Deggendorfer Ankerzentrum ist eine Diskussion über die dort eingesetzten Sicherheitsleute entbrannt.

    Wie wird man Sicherheitsmitarbeiter?

    Der Sicherheitsmann, der der Lüge überführt wurde, stammt aus dem Irak. Das sorgt in Kommentaren und auf sozialen Medien für Diskussion - und man stellt sich die Frage: Wie wird man eigentlich Sicherheitsmann in einem Ankerzentrum und welche Voraussetzungen sind dafür nötig?

    Die Regierung von Niederbayern hat nach einer Ausschreibung eine private Sicherheitsfirma im Ankerzentrum in Deggendorf beauftragt. Wie es von der Regierung heißt, muss die Sicherheitsfirma bestimmte Zertifizierungen nach der DIN-Form 77200 vorweisen - unter anderem müssen alle Mitarbeiter der Firmen geschult sein.

    Mindestvoraussetzung: 40-Stunden-Schulung

    Mindestvoraussetzung ist eine 40-Stunden-Schulung, wie Ursula Wagner, Geschäftsführerin vom WSW Sicherheitsdienst aus Wallersdorf, erklärt. Voraussetzung für so eine Fortbildung sind passende Deutsch-Kenntnisse, keine Vorstrafen und ein polizeiliches Führungszeugnis.

    In der Fortbildung werden dann unter anderem Deeskalationstechniken oder Rechtskunde gelernt. Hier wird den künftigen Sicherheitsmitarbeitern auch vermittelt, dass sie Verdächtige oder Straftäter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten dürfen und das Hausrecht besitzen. Seit 2004 gibt es auch eine dreijährige Ausbildung zum Sicherheitsmann - das wäre der optimale, aber nicht der normale Fall. Denn der Bedarf an Sicherheitspersonal ist in Ankerzentren groß - meistens erfüllen die Mitarbeiter die Mindestvoraussetzung von einer 40-Stunden-Schulung.

    Flüchtlingsvereine kritisieren Praxis

    Diese gängige Praxis mit externen Sicherheitsfirmen wird unter anderem von Flüchtlingsvereinen kritisiert. Theo Reichel ist vom Verein matteo, der sich besonders auch in Deggendorf für die Flüchtlinge einsetzt. Reichel tauscht sich auch mit anderen Flüchtlingshelfern aus und kommt zu dem Ergebnis: Wenn es Vorfälle gegeben hat in Ankerzentren, dann meint Reichel, ist das Personal nur ausgetauscht worden - also hat in ein anderes Zentrum gewechselt.

    Reichel kritisiert vor allem, dass die Sicherheitsmänner selbst oft kein Deutsch oder Englisch können und die Sprachbarriere einfach zu groß ist, viele Missverständnisse dadurch entstehen. Laut Reichel treten die Sicherheitsmitarbeiter auch sehr aggressiv gegenüber den Bewohnern auf, schüchtern diese ein, indem unangekündigt Mitarbeiter einfach in den Zimmern der Bewohner stehen oder Schlagstöcke zum Einsatz kommen. Außerdem seien wohl einige Mitarbeiter parteiisch gegenüber Bewohnern, die dieselbe Sprache sprechen - dann würden diese bevorzugt.

    Schulung in Psychologie und Moderieren

    Reichel fordert, dass das Gewaltmonopol eigentlich beim Staat sein sollte. Die Polizei kann das aber in ihrem Alltag nicht leisten, wie beispielsweise ein Sprecher der Polizei Deggendorf sagt. Laut Reichel sollten die Sicherheitsmänner hoch ausgebildet sein, mindestens drei Jahre lang geschult werden - auch in Psychologie und im Moderieren, damit sie als erstes deeskalieren.

    Der Fall

    Anfang Juni war es im Ankerzentrum Deggendorf zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Bewohner und dem Security-Mitarbeiter gekommen. Laut Polizei gab der Iraker zunächst an, dass der Bewohner ihn angegriffen und verletzt habe. Wie sich herausstellte, war das erfunden. Gegen den Sicherheitsmann wird jetzt ermittelt, auch werden wohl weitere Vorwürfe geprüft, die er in der Vergangenheit gegen Bewohner erhoben hat.

    💡 Was ist ein "Ankerzentrum"?

    Das Wort "Anker" steht für für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Um diese Aufgaben zu bewältigen, sollen mehrere Institutionen in den sogenannten Ankerzentren eng vernetzt miteinander arbeiten: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter sowie Ausländerbehörden und Verwaltungsgerichte. Kurze Wege sollen Verfahren beschleunigen. Die Aufgaben werden gebündelt erfüllt.

    Zunächst wird die Identität der Flüchtlinge festgestellt. Nach der Altersbestimmung werden unbegleitete Minderjährige durch Jugendbehörden in Obhut genommen. Erwachsene bleiben in den „Anker-Einrichtungen“.

    Der Aufenthalt in den "Ankerzentren" soll in der Regel maximal 18 Monate dauern, bei Familien mit minderjährigen Kindern sechs Monate. Laut Koaltionsvertrag sollen nur noch diejenigen auf die Kommunen verteilt werden, für die eine positive Bleibeprognose bestehe. Alle anderen sollen aus den "Ankerzentren" in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.