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Die Staatsregierung hat für das Projekt "Bayern spielt!" kräftig geworben, doch jetzt stockt die Planung. Viele Kulturschaffende sitzen in den Startlöchern, haben aber noch zu wenige Informationen über das Projekt.

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Bayerns "Kultursommer": Kritik und offene Fragen

Ein "Kulturfrühling" mit Spielorten in ganz Bayern - das hat Ministerpräsident Söder schon vor Monaten in Aussicht gestellt. Inzwischen ist daraus ein "Kultursommer" geworden, aber viele Fragen sind bisher offen. Dafür gibt es Kritik.

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Von
  • Ariane Dreisbach

Das Frühjahr hat in Bayern längst begonnen, in zwei Wochen ist Juni. Hätte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den angedachten "Kulturfrühling" wahrgemacht, könnten Open-Air-Veranstaltungen also schon in vollem Gange sein – je nach Inzidenzlage vor Ort. Ein "Festival der Kreativität" hatte Söder Anfang November angekündigt, "im ganzen Land", "von der Hochkultur bis in die gesamte freie Szene rein" und "mit unglaublich vielen kleinen Spielorten". Auf Twitter schrieb er damals: "Das wäre große Werbung in der Gesellschaft für den Kulturstaat Bayern. Wir wollen die Kultur stärken."

Dann wurde es den Winter über still, auch weil die Infektionszahlen zwischenzeitlich deutlich nach oben gingen. Pünktlich zum Frühlingsbeginn griff Kunstminister Bernd Sibler (CSU) die Idee Ende März wieder auf. Der neue Plan: ein "Kultursommer" von Juni bis September, mit dem Motto "Bayern spielt!" Es sei ihm ein "Herzensanliegen, Kunst und Kultur für Besucherinnen und Besucher wieder direkt erlebbar, spürbar, sichtbar zu machen", sagte Sibler. Er kündigte eine Online-Plattform für Veranstalter, Künstler und Besucher an. Zudem könnten Open-Air-Veranstaltungen auch auf Flächen des Freistaats stattfinden, wo das bisher nicht möglich war. Dafür appellierte er auch an die Kommunen.

"Bayern spielt"-Plattform noch nicht online

Dann wurde es erneut still um das Projekt, auch weil weitgehende Öffnungen noch im März und April kaum in Sicht waren. Inzwischen sind erste Lockerungen da: Kinos und Theater dürfen unter strengen Auflagen wieder öffnen, Open-Air-Veranstaltungen sollen in den kommenden Tagen folgen - erlaubt vorerst mit bis zu 250 Personen.

Der aktuelle Stand beim "Kultursommer" wirft dennoch Fragen auf: Die besagte Plattform "Bayern spielt!" ist immer noch nicht online, eine "Interims-Homepage" soll aber laut dem Kunstministerium voraussichtlich diesen Dienstag freigeschaltet werden. Organisiert wird sie vom Bayerischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft ("bayernkreativ") - und soll wie ein großer Kalender funktionieren, in den Kulturschaffende aus ganz Bayern ihre Veranstaltungen eintragen. Der Haken: Viele Kulturschaffenden haben derzeit zu wenige Informationen, um mit der Planung zu beginnen.

"Ohne Veranstalter kein Kultursommer"

"Wie soll daraus ein Kultursommer werden?", fragt Carola Kupfer, Präsidentin des Bayerischen Landesverbands der Kultur- und Kreativwirtschaft. "Das ist gut gemeint, aber so wird das – wenn überhaupt – ein Kulturherbst." Es gebe wenige Kulturschaffende in Bayern, die genug über dieses Projekt wissen, sagt Kupfer. "Jeder hat so ein anderes Stückchen Information und man versucht, ein Puzzle draus zu machen, aber es ist wirklich schwierig."

Und das, obwohl Kupfer als Verbandspräsidentin sogar mit im Begleitausschuss des Ministeriums zu "Bayern spielt!" sitzt. Sie fordert Planungssicherheit: Viele Kulturschaffende wüssten nicht, ob sie das Risiko eingehen können. Was passiert zum Beispiel, wenn die Veranstaltung wegen steigender Inzidenzen ausfällt? Wer zahlt dann? Bleiben die Veranstalter auf den Kosten sitzen? "Ich als Veranstalterin würde dieses Risiko nicht eingehen", sagt Kupfer. "Und ohne Veranstalter kein Kultursommer."

Sibler: Auftakt im Englischen Garten

Bei der finanziellen Unterstützung für "Bayern spielt!" verweist das Kunstministerium auf BR-Anfrage auf verlängerte Antragsfristen für Förderprogramme, die für den "Kultursommer" auch mit zusätzlichen Geldern ausgestattet worden seien. Am Programm will sich der Freistaat nur mit einer Auftakt- und Schlussveranstaltung beteiligen. Ende Juni, Anfang Juli soll es losgehen, sagt Kunstminister Sibler. "Wir planen im Englischen Garten in München einen großen Aufschlag zu machen, um eben auch einen symbolischen Ort zu haben, der bisher für solche Veranstaltungen nur schwer zugänglich ist", sagt er. "Wir sind gerade dabei, das ganze Spektrum abzudecken, von Kleinkunst bis zur großen Oper."

Den kulturpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Wolfgang Heubisch, überzeugen Siblers Pläne nicht: "Es ist schwer, der Kulturaffinität der bayerischen Staatsregierung zu glauben." Über Ministerpräsident Söders Aussagen von vergangenem November sagt Heubisch: "Das zieht sich durch: Große Ankündigungen, alle sind begeistert, stehen dahinter - und dann kommt nichts." Der FDP-Politiker fordert mehr finanzielle Unterstützung für Kulturschaffende. Mit einer Online-Plattform als "Kultursommer" sei es nicht getan.

Kupfer: Müsste jetzt "ganz, ganz schnell" gehen

Immerhin: Die Kommunen in Bayern haben den Aufruf, Flächen anzubieten und die Kultur zu unterstützen, inzwischen laut Sibler auch schriftlich bekommen. Der Landkreis Landshut zum Beispiel Anfang Mai, die Stadt Regensburg Ende April. Und auf BR-Anfrage teilt das Kunstministerium mit, dass es in München etwa die Grünfläche vor der Neuen Pinakothek für Veranstaltungen des "Kultursommers" freigibt. Die Bayerische Schlösserverwaltung stelle außerdem etwa das Neue Schloss Schleißheim oder die Residenz in Würzburg zur Verfügung.

Konkret heißt das: Diese Flächen von Freistaat und Kommunen werden auf der "bayernkreativ"-Plattform mit Ansprechpartnern vermerkt, an die sich Interessierte dann wenden können. Wie groß das Interesse bei den Veranstaltern wird, muss sich dann noch zeigen. Carola Kupfer vom Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft hat die Hoffnung auf einen Kultursommer jedenfalls noch nicht ganz aufgegeben. Sie schränkt aber ein: "Da müsste es jetzt ganz, ganz schnell gehen. Tempo – und Sicherheitszusagen für die Veranstalter."

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