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Anbindehaltung von Kühen sorgt für Streit bei Welterbe-Bewerbung | BR24

© dpa/Angelika Warmuth

Die Weiden von Oberbayern sollen geschützt werden. Dazu gehört für die Bewerber auch die Anbindehaltung von Kühen. Tierschützer kritisieren das.

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    Anbindehaltung von Kühen sorgt für Streit bei Welterbe-Bewerbung

    Das Gebiet um Garmisch-Partenkirchen will mit seinen grünen Weiden und Hügeln Teil des UNESCO-Welterbes werden. Dazu gehört aus Sicht der Bewerber auch die Anbindehaltung der Kühe im Winter. Tierschützer kritisieren das nun scharf.

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    Auf der Welterbe-Liste der UNESCO finden sich schon jetzt zahlreiche Orte in Bayern: Die Würzburger Residenz und die Wieskirche bei Steingaden gehörten zu den ersten Orten in Deutschland, die diesen Status erhielten. Erst 2019 kam das historische Wasserwirtschaftssystem Augsburg dazu.

    Und es gibt weitere aussichtsreiche Kandidaten aus dem Freistaat: Einer von ihnen sind die „Alpinen und voralpine Wiesen- und Moorlandschaften“ in Oberbayern. Gemeint sind die auch als Postkarten-Motive beliebten Almen und Wiesen im Süden des Freistaats. Ihren unverwechselbaren Charakter erhielt und erhält die Landschaft vor allem durch die Landwirtschaft und nicht zuletzt die Haltung von Kühen. Genau dieses liebe Vieh sorgt nun jedoch für Ärger.

    In einem aktuellen Entwurf der Bewerbung bezieht der verantwortliche Landkreis Garmisch-Partenkirchen nämlich auch die Anbindehaltung von Kühen als Teil des schützenswerten Erbes mit ein. Denn Praxis ist: Während die Kühen im Sommer die Kulturlandschaft prägen, werden sie im Winter von den Welterbe-Bewerber-Wiesen in Ställe gebracht und dort oftmals an festen Stellen fixiert. Als Kombinationshaltung, teils auf der Wiese, teils angebunden, bezeichnet das die Bewerbung. Und diese ist laut den Bewerbern ausdrücklich Teil des erhaltenswerten Erbes.

    Tierschützer sind empört

    Tierschützer sind empört, dass die Fixierung von Kühen Teil des Welterbes werden soll. Die Organisation Animal Rights Watch bezeichnet diese Haltungspraxis in einer Stellungnahme als „unsägliche Tierquälerei und keine kulturelle Errungenschaft, die geschützt werden sollte.“ Sie fürchtet zudem, dass ein aus ihrer Sicht notwendiges Verbot der Anbindehaltung durch eine Aufnahme ins Kulturerbe schwieriger würde.

    In der Kritik steht diese Haltungsform seit langem. Tierschutzverbände wie Peta oder Animal Rights Watch kritisieren, dass die Haltung ein normales Bewegungs- und Sozialverhalten für die Kühe unmöglich mache und zum Beispiel Entzündungen, Quetschungen oder Lahmheit befördere. Auch der Vorstand der Jugendorganisation des Deutschen Bauernverbandes, der Bund der Deutschen Landjugend, forderte 2018 ein Verbot der Anbindehaltung, mit mehrjährigen Fristen für die Umstellung.

    Der Bayerische Bauernverband weist gegenüber dem BR hierzu jedoch darauf hin, dass die Jugendorganisation diese Haltung wegen fehlender Absprachen im Verband wieder zurückzog. Die Vorsitzende der Junglandwirte und ihr Stellvertreter kostete die Forderung demnach letztlich gar ihre Posten.

    Bauernverbände wollen gegen Verbot kämpfen

    Die Mutterorganisation selbst, der Deutsche Bauernverband, lehnt ein Verbot ohnehin ab. Stattdessen solle es positive Anreize für eine Umstellung auf andere Haltungsformen geben. Noch klarer positioniert sich der Bayerische Bauernverband: Laut Verbandswebsite kämpfe man gar gegen ein solches Verbot der Anbindehaltung. Stattdessen plädiert der Verband für freiwillige Weiterentwicklungen. Einige der Landwirte mit Anbindehaltung würden schon jetzt etwa Weidegänge oder Laufhöfe bieten.

    Die Argumentation der Landwirte zielt vor allem darauf ab, dass es vorwiegend kleine Betriebe sind, die Anbindehaltung betreiben. Viele dieser Höfe könnten demnach die Tiere aus räumlichen, finanziellen oder baulichen Gründen nicht anders halten. Ein Anbindeverbot würde für viele der kleinen Milchvieh-Bauern das Aus bedeuten.

    Das wiederum gefährde die bayerische Kulturlandschaft, da gerade die kleinen Betriebe viel für Landschaftspflege, Klima- und Bodenschutz, Artenvielfalt und Kultur täten.

    Kulturlandschaft nur mit Anbindehaltung

    Diese Argumentation nutzt auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen in seiner Bewerbung. „Die Abschaffung der Anbindehaltung mit Weidegang würde das Ende für viele Landwirtschaftsbetriebe bedeuten“, heißt es im aktuellen Entwurf der Bewerbung durch den Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Und die Bauern braucht es ja, damit das schützenswerte Erbe besteht. Schließlich entstand der schützenswerte Raum ja nicht zuletzt erst durch die Bewirtschaftung der Landschaft durch Landwirte.

    An der konkreten Bewerbung arbeiten die Behörden aktuell noch. Eine Entscheidung der UNESCO über diese Bewerbung wird nicht vor 2022 erwartet. Neben den alpinen und voralpinen Wiesen und Mooren stehen auf der Bewerberliste aus Bayern die Schlösser des bayerischen Königs Ludwig II., beispielsweise Schloss Neuschwanstein.

    Mit Material der dpa

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