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Analyse zur Landtagswahl: Die CSU taumelt, aber steht noch | BR24

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CSU-Chef Seehofer und Ministerpräsident Söder am Wahlabend

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Analyse zur Landtagswahl: Die CSU taumelt, aber steht noch

Die CSU hat bei der Landtagswahl ein Fiasko erlebt – und kommt doch mit einem blauen Auge davon. An den Christsozialen führt in Bayern auch künftig kein Weg vorbei, ein Bündnis mit den Freien Wählern ist wahrscheinlich. Brutal abgestürzt ist die SPD.

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Ministerpräsident Markus Söder hielt sich nicht lange auf mit dem Wundenlecken nach dieser CSU-Pleite bei der Landtagswahl in Bayern. Ja, es sei ein schmerzhaftes Ergebnis, das man mit Demut annehme, räumte Söder ein. Doch im gleichen Atemzug meldete er seinen Machtanspruch an: Die CSU sei nicht nur stärkste Partei, "sie hat auch den klaren Regierungsauftrag erhalten".

Fest steht, dass an der CSU bei der Regierungsbildung kein Weg vorbeiführt in Bayern. Ein ohnehin unwahrscheinliches Vierer-Bündnis aus SPD, Freien Wählern, Grünen und FDP gegen die CSU ist nicht einmal rechnerisch möglich. Für Aufatmen bei den Christsozialen sorgt auch, dass es am Schluss nicht ganz so schlimm gekommen ist, wie nach den jüngsten Umfragen zu befürchten war. Nicht nur 33 Prozent waren es am Ende, sondern mehr als 37 Prozent.

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Das vorläufige Endergebnis zur Landtagswahl

Schlechtestes Resultat für die CSU seit 1950

Tatsache ist aber auch: Trotzdem muss die CSU ihr schlechtestes Ergebnis seit 68 Jahren hinnehmen. Nur einmal in ihrer Geschichte, nämlich 1950, schnitten die Christsozialen bei einer Landtagswahl noch schlechter ab. Die Zeiten, in denen die magische Marke von 50 plus X zum Selbstverständnis der Partei gehörten, dürften damit auch unerschütterliche CSU-Optimisten ad acta legen. Selbst 2008, als nach der Landtagswahl der damalige Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein ihre Ämter abgeben mussten, schnitt die CSU mit 43,3 Prozent deutlich besser ab.

CSU muss Koalitionspartner suchen

Wie schon 2008 muss sich die CSU wieder einen Koalitionspartner suchen. Auch hier gilt: Es ist nicht ganz so schlimm gekommen wie befürchtet. Für Erleichterung sorgt bei der CSU insbesondere, dass das Schreckensgespenst eines bürgerlichen Dreierbündnisses vom Tisch ist: Es würde für eine Koalition mit den Freien Wählern reichen, ohne auch noch die FDP mit ins Boot holen zu müssen.

Möglich wäre zwar auch eine Koalition mit den erstarkten Grünen sowie mit der dezimierten SPD. Mit Abstand am wahrscheinlichsten aber ist ein Bündnis mit den Freien Wählern um Hubert Aiwanger, der sich schon im Wahlkampf immer wieder offensiv als möglicher Partner ins Gespräch brachte. Söder ließ schon früh am Abend eine klare Präferenz für ein solches bürgerliches Bündnis erkennen.

Der CSU drohen schmerzhafte Zugeständnisse

Die Verhandlungen mit den Freien Wählern könnten der CSU aber schmerzhaftere Zugeständnisse abverlangen als die Gespräche mit der FDP im Jahr 2008. Und das nicht nur, weil die Christsozialen noch einmal rund sechs Prozentpunkte schwächer sind als damals, sondern auch weil sie es dieses Mal mit einem stärkeren Partner und wohl fordernderen Partner zu tun haben werden. Aiwanger konnte seinerzeit von der Oppositionsbank aus verfolgen, wie die FDP von der CSU in der Regierung nahezu erdrückt wurde und die Liberalen nach fünf Jahren wieder aus dem Landtag flogen.

Aiwanger will Fehler der FDP nicht wiederholen

Aiwanger ist also gewarnt, die Fehler der FDP nicht zu wiederholen. Schon vor der Wahl hatte er eine deutliche Botschaft an Söder geschickt: "Wir würden uns nicht so viel gefallen lassen." Und er formulierte auch klare Bedingungen: Dazu zählt neben einem Nein zur dritten Startbahn am Münchner Flughafen auch die Abschaffung von Söders neuem Familiengeld zugunsten einer kostenfreien Kinderbetreuung.

CSU trifft sich zu Vorstandssitzung

Spannend wird auch, wer aufseiten der CSU die Verhandlungen mit möglichen Partnern führen wird. Neben Söder hat auch CSU-Chef Horst Seehofer schon deutlich gemacht, dass er "natürlich" seine Verantwortung weiterhin wahrnehmen wolle. Seehofer rief die CSU auf, sich geschlossen auf die Regierungsbildung zu konzentrieren.

Er weiß nur zu gut, dass viele in der CSU den Schwarzen Peter für die Wahlpleite allein der Bundespolitik und damit letztlich ihm zuschieben wollen. Wie klein oder groß die Anti-Seehofer-Stimmung in der CSU-Spitze ist, wird er schon am Montagvormittag bei einer Vorstandssitzung erfahren.

Beispiellose Pleite für SPD

Der große Verlierer dieses Wahlabends aber ist die SPD. Bei jeder Landtagswahl seit dem Zweiten Weltkrieg wurden die Sozialdemokraten klar zweitstärkste Kraft – jetzt sind sie abgestürzt auf Rang fünf und unter zehn Prozent. In die Lücke, die die SPD hinterlassen hat, sind jetzt die Grünen geschlüpft: Mit 17,5 Prozent sind sie zur unangefochtenen Nummer zwei in Bayern aufgestiegen. Dahinter liegen die Freien Wähler, und sogar die AfD hat die SPD hinter sich gelassen. Ein beispielloser Absturz.