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Analyse: Webers verpasste Chancen | BR24

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Der CSU-Politiker Weber hat seinen Anspruch auf das Amt des EU-Kommissionspräsidenten aufgegeben. Gleichzeitig stellte er sich hinter die Nominierung Ursula von der Leyens.

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Analyse: Webers verpasste Chancen

Er setzte alles auf die Karte Europa und geht als Verlierer aus dem EU-Machtpoker: CSU-Vize Manfred Weber bleibt nun, was er bisher war - nach Monaten der verpassten Chancen. Auch in der Partei schwächt das seine Position, analysiert Petr Jerabek.

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Manfred Weber lächelte tapfer, als er am Dienstagabend vor die Presse trat, um über seine bisher größte politische Niederlage zu sprechen. Alles hatte er in den vergangenen Monaten seinem großen Ziel, EU-Kommissionspräsident zu werden, untergeordnet. Lange wähnte sich der CSU-Politiker auf einem guten Weg - letztlich steht er mit leeren Händen da. Für ein demokratischeres Europa wollte sich Weber als höchster Vertreter der EU stark machen - und wurde schließlich Opfer genau jener Hinterzimmerpolitik, der er den Kampf angesagt hatte.

Nachdem es Weber zunächst nicht gelungen war, im Europaparlament eine Mehrheit für sich zu organisieren, besiegelten die Staats- und Regierungschefs in den vergangenen Tagen das Ende seiner Ambitionen. Auch wenn er die Einigung "loyal" mittragen will, sprach der 46-Jährige vor den Kameras von einem "traurigen Tag für die europäische Demokratie". Und er fügte hinzu: "Sie können sich vorstellen, dass das ein schwieriger Tag für mich ist."

Nachdem es für Manfred Weber jahrelang stetig nach oben ging, muss er nun einen schweren Rückschlag verkraften.

Ein Trostpflaster für Weber?

Im Herbst 2018 war Manfred Weber ein Mann mit großen Perspektiven. Als unmittelbar nach der bayerischen Landtagswahl die Rufe nach einer Ablösung Horst Seehofers an der CSU-Spitze immer lauter wurden, galt der bodenständige Niederbayer neben Markus Söder als aussichtsreichster Kandidat. Weber zögerte lange und erklärte dann seinen Verzicht auf eine Kandidatur - um voll auf die andere Chance zu setzen, die sich ihm bot: Er wolle sich voll darauf konzentrieren, EU-Kommissionspräsident zu werden, teilte er im November mit.

Nun bleibt Weber vorerst was er bisher war: stellvertretender CSU-Vorsitzender und wahrscheinlich auch Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament. An der CSU-Spitze sitzt Markus Söder fest im Sattel, EU-Kommissionschefin soll Ursula von der Leyen (CDU) werden.

Zwischenzeitlich war gemunkelt worden, Weber könnte als Trostpflaster den Vorsitz des EU-Parlaments bekommen, aber auch daraus wurde zunächst nichts: Die EU-Staats- und Regierungschefs einigten sich darauf, dass ein Sozialist für die nächsten zweieinhalb Jahre Parlamentspräsident wird. Danach soll ein EVP-Politiker übernehmen, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte Weber. Dieser selbst gibt sich zurückhaltend. Nach allem, was er in den vergangenen Wochen erlebt habe, könne er nicht vorhersagen, was in zweieinhalb Jahen passieren werde.

Enttäuschung in der CSU

Nach dem Maut-Debakel vor wenigen Tagen muss die CSU mit dem Aus für Webers Europa-Träume eine weitere Schlappe hinnehmen. Besonders schwer wiegt für die Christsozialen dabei der Eindruck, von der Bundeskanzlerin ein Stück weit im Stich gelassen worden zu sein: Die Bemühungen Merkels, bei den Staats- und Regierungschefs für den CSU-Mann zu werben, sollen sich übereinstimmenden Informationen nach in Grenzen gehalten haben.

CSU-Chef Söder hatte sich bis zuletzt für seinen Parteifreund stark gemacht. Über Monate war er immer wieder öffentlich an der Seite Webers aufgetreten und ließ keinen Zweifel daran, welche Chance er in der Personalie für seine Partei sieht: "Wir waren schon alles: Champions-League-Sieger, Papst - aber noch nie Kommissionspräsident", schwärmte der bayerische Ministerpräsident in seiner Regierungserklärung im Landtag. Entsprechend enttäuscht reagierte er auf die Entwicklungen in Brüssel: "Manfred Weber wäre der legitime Kommissionspräsident gewesen, das wäre auch der demokratischste Weg gewesen. Es ist bitter, dass die Demokratie verloren und das Hinterzimmer gewonnen hat", sagte er.

Aus für Schokotafel "Manfred Weber"

So geknickt viele in der CSU auch sind - dem Parteivorsitzenden dürfte wohl niemand mangelnde Unterstützung für Webers Kandidatur vorwerfen. Auf Söder fällt in dieser Angelegenheit kein Schatten, seine Machtposition in der CSU ist derzeit ungefährdet.

Der Glanz Manfred Webers, der so manchem Christsozialen als Anti-Söder und Hoffnungsträger galt, hat dagegen Kratzer bekommen. Andererseits: Mit bald 47 Jahren ist der Niederbayer jung genug, sich in Zukunft noch um weitere Spitzenposten zu bemühen.

Im CSU-Fanshop sucht man mittlerweile vergeblich nach dem Schokoladentäfelchen und dem T-Shirt mit der Aufschrift "Manfred Weber". Anhänger des Parteichefs können dagegen weiter aus dem Vollen schöpfen. Baumwolltasche und Kofferschloss, Meterstab und Kaffeetasse "Markus Söder" sind nach wie vor erhältlich.