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Analyse: Warum Söder die CSU-Wahlpleite schönreden kann | BR24

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© Peter Kneffel/dpa

Markus Söder und Horst Seehofer am Rednerpult

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Analyse: Warum Söder die CSU-Wahlpleite schönreden kann

Die Debatte über Konsequenzen aus dem schwachen Abschneiden der CSU bei der Landtagswahl wird verschoben. Stattdessen redet Ministerpräsident Söder die Partei stark. Er profitiert von einem gefühlten Erfolg in einer krachenden Niederlage.

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Viele im CSU-Vorstand hatten Redebedarf. Fünfeinhalb statt der geplanten vier Stunden diskutierte die Parteispitze über die CSU-Pleite bei der Landtagswahl in Bayern - und so mancher machte deutlichen Handlungsbedarf aus. Parteichef Horst Seehofer versprach anschließend, "dem nachdrücklichen Wunsch" nach einer "vertieften Analyse" nachzukommen – aber eben noch nicht jetzt, sondern in sechs bis acht Wochen. Jetzt müssten zügige Sondierungen und Koalitionsverhandlungen im Vordergrund stehen. Erst danach folge die "Analyse mit Konsequenzen".

Und Ministerpräsident Markus Söder ist sogar schon auf dem besten Weg zurück in den Optimisten-Modus. Zwar bezeichnete er den Wahlabend als "schmerzhaften Tag", verwies aber darauf, dass das CSU-Resultat von mehr als 37 Prozent im nationalen und europäischen Vergleich ein "respektables Ergebnis" sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihm dazu gratuliert. Söder will nun aufs Tempo drücken und schon am Mittwoch die Sondierungen starten.

Erinnerung an den Sturz von Huber und Beckstein

Die Lage der CSU an diesem Montag ruft Erinnerungen wach an einen Montag Ende September 2008. Auch damals hatte die CSU am Vortag die absolute Mehrheit verloren und wollte schnell sondieren. Auch damals hatte die Partei ein Spitzenduo, das an der Macht festhielt. Auch damals verständigte sich der CSU-Vorstand darauf, die Analyse aufzuschieben. Nur einen weiteren Tag später gab der damalige Parteichef Erwin Huber auf, am Folgetag wurde auch Ministerpräsident Günther Beckstein zum Rückzug gedrängt.

Zwar gibt es auch jetzt schon erste Stimmen aus der zweiten oder dritten Reihe, die öffentlich eine "Erneuerung an Haupt und Gliedern" fordern, wie der frühere CSU-Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Eine ähnliche Dynamik wie vor zehn Jahren zeichnet sich für die nächsten Tage aber nicht ab. Denn allen Parallelen zum Trotz ist die Ausgangslage eine andere: Der Verlust der absoluten Mehrheit ist für die CSU kein Novum mehr wie vor zehn Jahren. Zudem hat Söder einen Weg gefunden, die CSU starkzureden.

Eine Frage der Erwartungen

Das hängt auch mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen zusammen. Vor zehn Jahren hatten die Demoskopen der CSU noch wenige Tage vor dem Urnengang Ergebnisse von 47 bis 49 Prozent prognostiziert. In der Wahlnacht dann das böse Erwachen: Die CSU stürzte auf 43,3 Prozent ab.

Traf der Einbruch die CSU damals weitgehend unvorbereitet, kann Söder jetzt vom gegenteiligen Effekt profitieren. Die Umfragewerte erreichten kurz vor der Landtagswahl den historischen Tiefstwert von 33 Prozent – tatsächlich bekam die CSU am Sonntag mehr als 37 Prozent. Gemessen an bisherigen Wahlergebnissen und den Ansprüchen der CSU ein Desaster. Angesichts der schlimmsten Befürchtungen aber durchaus ein Grund zur Erleichterung.

Ein gefühlter Erfolg für Söder

Söder verbuchte in einer glasklaren Niederlage einen gefühlten Erfolg, den er jetzt nutzt, um das Ergebnis umzudeuten. So schwärmte der Ministerpräsident schon wiederholt davon, dass die CSU "mit einem starken Schlussspurt noch einiges an Boden gut gemacht" habe, und spricht von einem spürbaren Aufwärtstrend. Das funktioniert auch deshalb, weil viele in der Partei die Wahlpleite mehr Seehofer als Söder ankreiden.

Seehofers Zukunft bleibt offen

Erwin Huber erinnerte seit dem Wahlabend schon mehrfach an seinen Rückzug vor zehn Jahren und versicherte, es sei eine "freiwillige Aktion" gewesen. "2018 gibt es niemanden, der bisher freiwillig seinen Rücktritt angeboten hat. Das ist ein Unterschied", sagte er dem Bayerischen Rundfunk.

Zwar sei die Analyse des Wahldebakels auf die Zeit nach der Regierungsbildung verschoben. Doch wenn jemand schon früher meine, "Verantwortung übernehmen zu wollen oder zu sollen, ist ja niemand aufgehalten", betonte Huber. Söder meinte er damit nicht – Seehofers politische Zukunft bleibt offen.

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Horst Seehofer im BR-Interview