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Analyse: So lief der BR-Fünfkampf | BR24

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Zwei Tage nach CSU und Grünen haben sich auch SPD, FDP, Freie Wähler, AfD und Die Linke ein im BR-Fernsehen ein Duell geliefert. Hier einige Höhepunkte.

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Analyse: So lief der BR-Fünfkampf

Nach dem TV-Duell zwischen CSU und Grünen haben sich im BR Fernsehen die anderen aussichtsreichen Parteien einen Schlagabtausch geliefert. Hautnah konnten die Zuschauer die Kandidaten erleben. Hier eine Zusammenfassung des Abends mit Analyse.

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Alle fünf Wahlkämpfer standen bei dem Auftritt im BR Fernsehen massiv unter Druck. Denn nach dem letzten Kontrovers-BayernTrend hat die SPD (11 Prozent) Platz zwei an die Grünen (17 Prozent) verloren, FDP (5 Prozent) und Linke (5 Prozent) kämpfen darum, bei der Bayerischen Landtagswahl überhaupt ins Parlament einzuziehen, und die AfD (11 Prozent) will drittstärkste Kraft werden.

Das wichtigste Thema: Die Wohnungsnot

Weil das Thema Wohnungsnot für sehr viele Bayern in den Ballungsräumen das allergrößte Problem ist, war es gleich das erste Thema des TV-Fünfkampfes. Alle Kandidaten waren sich einig, dass in den Städten mehr Wohnungen gebaut werden müssen, um die Wohnungsnot zu bekämpfen.

SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen kritisierte, dass die Bayerische Staatsregierung sich in den letzten Jahrzehnten aus dem Wohnungsbau zurückgezogen habe. Ates Gürpinar von der Linken ging sogar noch weiter: Der Freistaat habe mit dem Verkauf von 33.000 GBW-Wohnungen die Mieter quasi enteignet. Deshalb forderte er, dass Immobilienbesitzer, die ihre Wohnungen und Häuser leerstehen lassen, dafür bestraft und notfalls auch enteignet werden müssen.

Kohnen attackiert AfD

Beim Flüchtlingsthema prallten in der Diskussion Welten aufeinander. AfD-Kandidat Martin Sichert glaubt, dass mit Abschiebung mehr Wohnraum geschaffen würde und das Geld für den Bau von Asylbewerberheimen dem Wohnungsbau fehle. Natascha Kohnen (SPD) schwoll bei dieser Bemerkung gleich der Kamm.

"Die Flüchtlinge sind der Sündenbock der AfD, und das ist wirklich absurd und es ist auch menschenverachtend, Flüchtlinge heranzuziehen, um die Wohnungskrise zu erklären, die sich ja bereits seit Jahrzehnten anbahnt." Natascha Kohnen, SPD

Ansonsten gingen die anderen Kandidaten sehr zahm mit der AfD um. Nur zum Schluss, als es um die Anwerbung von ausländischen Fachkräften ging, sagte Martin Hagen (FDP) verdeckt auch an die AfD und ihre Sympathisanten:

"Was in Deutschland für ausländische Fachkräfte, für Kreative, für Wissenschaftler aus aller Welt momentan ein großes Problem ist, ist, wenn sie Bilder wie aus Chemnitz sehen. Und deswegen sage ich immer: Ein liberales, tolerantes, weltoffenes gesellschaftliches Klima ist nicht nur etwas , das unser Land Bayern so lebenswert macht, sondern es macht unser Land auch zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort." Martin Hagen, FDP

Zwei Lehrer pro Schulklasse

Einig waren sich die Kandidaten auch darin, dass die Schulbildung der Kinder hohen Stellenwert hat. Ates Gürpinar von der Linken will langfristig Klassen mit 16 Schülern und zwei Lehrern etablieren. Zwei Lehrer pro Kasse findet auch Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gut. Außerdem fordert er mehr Praxisbezug in der Schule:

"Wir stellen fest, dass viele Leute aus der Schule kommen und praktisch zu wenig Erfahrung mitgenommen haben. Deshalb fordern wir auch eine Praxiszeit – etwa eine Woche pro Schuljahr. Wenn die Schüler den Umgang mit Handwerkszeug lernen, zu Berufsbildern rausgehen, mal auf einem Bauernhof oder in einem Mittelstandsbetrieb, in einer Kinderkrippe die späteren Berufsfelder kennenlernen, das ist ein Modell für Bayern." Hubert Aiwanger, Freie Wähler

Im Gegensatz zu Sichert legte Aiwanger zugleich ein klares Bekenntnis zum Beamtenstatus ab. Es sei wichtig, dass an Schulen nicht gestreikt werden könne.

Streitpunkt Kita

Hoch gingen die Emotionen bei der frühkindlichen Betreuung: Martin Sichert (AfD) möchte Eltern finanziell fördern, die sich zu Hause um ihre Kinder kümmern. "Kinder gehören zu ihren Eltern", sagte er. Dieses traditionelle Familienbild attackierte Natascha Kohnen (SPD). Viele Eltern hätten gar nicht die Wahl, zu Hause zu bleiben, weil sie sonst nicht genug zum Leben hätten. Deshalb ist sie der Meinung, dass die Kitas ausgebaut werden und auch kostenfrei sein müssen.

"Niemand kommt doch auf die Idee, für die Grundschulbildung Geld zu verlangen. Die Kita ist frühkindliche Bildung, und niemand kann doch auf die Idee kommen, auch für frühkindliche Bildung Geld zu verlangen." Natascha Kohnen, SPD

Kostenlose Bildung für alle forderte auch Ates Gürpinar (Linke):

"Der Kollege Söder hat Anfang des Jahres von Hyperloop-Strecken und Flugtaxen gesprochen. Und da überlege ich mir: Wollen wir das Geld nicht lieber in die Bildung reinstecken, denn das ist die Zukunft und deswegen müssen wir da massiv reininvestieren. Und die Frage ist, ob wir nur Exzellenzinitiativen unterstützen oder ob für alle – egal wie der Geldbeutel der Eltern ist – die gleiche Bildung möglich ist, und zwar von der Kita bis zur Weiterbildung Kostenfreiheit." Ates Gürpinar, Linke

Das Auftreten der Kandidaten

Das Klima im Fünfkampf war insgesamt weniger kämpferisch und emotional als beim TV-Duell vom Mittwoch. Die Kandidaten haben sich wenig gegenseitig angegriffen, sind sich kaum ins Wort gefallen und haben sachlich ihre Positionen vertreten. Ates Gürpinar war der Einzige, der ohne Sakko und nur im Hemd erschien, Hubert Aiwanger kam im traditionellen bayerischen Janker und als Einziger mit Krawatte.

Martin Hagen (37) von der FDP und Ates Gürpinar (Linke) wirkten als die Jüngsten humorvoll und entspannt. Der AfD-Kandidat Martin Sichert zeigte sich äußerlich sehr zurückhaltend, manchmal sogar unsicher. Inhaltlich äußerte er sich gegen eine Verschärfung des Waffenrechts - und trat für eine massive Abschiebung von Flüchtlingen auch nach Afghanistan ein.

"In Afghanistan kämpfen unsere Soldaten gegen die Taliban und zugleich schieben wir keinen einzigen Taliban aus Deutschland nach Afghanistan ab, weil denen dort gegebenenfalls die Todesstrafe drohen könnte. Und das ist einfach eine perverse Politik." Martin Sichert, AfD

Natascha Kohnen (SPD) übte als Einzige heftige Kritik an der AfD:

"Die AfD hat seit Chemnitz ganz klar ihre Maske fallen lassen und sich dort vereinigt mit Menschen, die den Hitlergruß und das Hakenkreuz zeigen. Für mich sind Sie keine Partei mehr, die die demokratische Grundordnung akzeptiert und deswegen ist für mich die AfD nicht mehr akzeptabel." Natascha Kohnen, SPD

Sonstige Themen

Außerdem standen unter anderem noch der Breitbandausbau, der Dieselskandal, der Pflegenotstand, der Einsatz von Glyphosat sowie das Familiengeld im Fokus der Diskussion.

Wer wird Koalitionspartner der CSU?

Überraschend war, dass die Kandidaten sich fast gar nicht mit der Frage beschäftigten, mit wem die CSU als mutmaßlich stärkste Kraft nach der Landtagswahl eine Koalition eingehen könnte. Rein rechnerisch wären die Grünen der sicherste Koalitionspartner für die CSU. Für die CSU wären aber wohl die Freien Wähler der komfortabelste Koalitionspartner. Hubert Aiwanger sagte dazu:

"Natürlich würden wir Freien Wähler gerne mitmachen, weil wir der Überzeugung sind, dass wir gute Themen haben, die Bayern nach vorne bringen." Hubert Aiwanger, Freie Wähler

Ansonsten thematisierte nur die FDP eine mögliche Koalition: Eine Bedingung dafür sei eine Korrektur am Polizeiaufgabengesetz, weil hier Freiheit und Sicherheit außer Balance geraten:

"Wir wollen die Bürger schützen durch gut ausgestattete Polizei. Unsere Polizisten schieben 2,5 Millionen Überstunden vor sich her, wir brauchen gerade im ländlichen Raum Dienststellen, die entsprechend besetzt sind, aber nicht, indem wir immer schärfere Überwachung und immer schärfere Sicherheitsgesetze machen." Martin Hagen, FDP

Fazit: Faire und sachliche Diskussion

BR-Chefredakteur Christian Nitsche zog als Fazit des BR-Fünfkampfes, dass die Diskussion "fair und sachlich" gewesen sei. So hätten die Zuschauer hoffentlich jede Menge Informationen und Denkanstöße für ihre Wahlentscheidung am 14. Oktober bekommen.

Hier können Sie den BR-Fünfkampf in voller Länge nachschauen.