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Analyse: Friedlicher Führungswechsel bei der CSU | BR24

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© dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Der neue und der alte CSU-Chef

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Analyse: Friedlicher Führungswechsel bei der CSU

Keine Euphorie, aber große Erleichterung auf dem CSU-Parteitag: Die CSU hat ihren alten Vorsitzenden Horst Seehofer würdig verabschiedet und Markus Söder geräuschlos an die Spitze gewählt. Alte Reibereien wurden zumindest angesprochen.

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Horst Seehofer hielt Wort: Seine Abschiedsrede als CSU-Chef fiel - wie angekündigt - vergleichsweise kurz aus. Nach knapp 20 Minuten machte er die Bühne frei für den neuen starken Mann der CSU, seinen langjährigen Rivalen Markus Söder. Vor allem aber verkniff es sich Seehofer, nach dem Machtkampf der vergangenen Monate offene Rechnungen zu begleichen. So störten an diesem Samstag auf dem Sonderparteitag der CSU in der Kleinen Olympiahalle in München keine Nebengeräusche den reibungslosen Führungswechsel.

Seehofer wurde höflich verabschiedet, Söder pflichtschuldig ins höchste Parteiamt gehoben. Eine Parteireform wurde angestoßen, die Weichen für den Europawahlkampf wurden gestellt und gemeinsam mit CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ein neues Miteinander der beiden Unionsparteien verkündet. Euphorie kam bei all dem unter den rund 850 Delegierten nicht auf. Doch Erleichterung über den Frieden zwischen den beiden Alphamännern Seehofer und Söder war allenthalben zu spüren. Die Sehnsucht nach Ruhe in der CSU ist groß.

Kein Rücktritt vom Rücktritt Seehofers

Nach zehn Jahren und knapp drei Monaten ist die Ära Horst Seehofer in der CSU somit zu Ende. Einen Rücktritt vom Rücktritt wie im vergangenen Sommer ersparte der 69-Jährige seiner Partei dieses Mal. Seehofer kokettierte damit in seiner Rede nur: Sichtlich vergnügt zitierte er sein Horoskop, das er am Morgen in seiner Heimatzeitung gelesen habe: "Sie verlieren keineswegs Ihr Gesicht, wenn Sie eine bereits getroffene Entscheidung revidieren." Mit verschmitztem Lächeln fügte er hinzu: "Vor 15 Jahren, ja vielleicht auch noch vor zehn Jahren, hätte ich das als Auftrag empfunden. Heute fehlt mir einfach die Riskobereitschaft." Lachen im Saal.

Ein Stück mehr Ehrlichkeit in der CSU

Zwar wurde auch auf diesem Parteitag fast mantraartig die Geschlossenheit der CSU beschworen. Und doch war dieses Delegiertentreffen ein Stück weit ehrlicher als die vorherigen Parteitage mit all ihrer krampfhaft-demonstrativen Harmonie. Denn Seehofer ging über die parteiinternen Querelen der vergangenen Monate nicht völlig hinweg: "Es gehört zur Ehrlichkeit, dass wir dies heute kurz ansprechen."

Seit der Bundestagswahl 2017 habe es "einige Misshelligkeiten" gegeben, auf die er nie tiefer reagiert habe, betonte Seehofer. "Denn wenn man so lange in der Partei tätig ist wie ich, ist einem die Partei ans Herz gewachsen." Und er wolle alles vermeiden, was "Schaden für dieses Herz anrichten" könnte. Daher sei er froh, dass er vieles "hingenommen und geschluckt habe, nie darüber geredet habe und es auch in der Zukunft nicht vorhabe".

Zwei Geschenke für Seehofer

Belohnt wird Seehofer für seinen friedlichen Abgang von der CSU-Spitze nicht nur mit einem großen Modell der Münchner CSU-Zentrale für seine legendäre Modelleisenbahn in seinem Hobbykeller. Darüber hinaus verlässt Seehofer diesen Sonderparteitag auch noch als CSU-Ehrenvorsitzender.

Söder selbst hatte ihn in seiner Parteitagsrede dafür vorgeschlagen, und die Delegierten stimmten später per Handzeichen mit großer Mehrheit dafür. Damit gesellt Seehofer sich zu Edmund Stoiber und Theo Waigel.

Der milde Söder

Söder, dessen weiteren Aufstieg Seehofer jahrelang zu verhindern versuchte, hat von diesem nach dem Ministerpräsidenten-Amt in Bayern nun auch den Parteivorsitz übernommen. In seiner rund 50-minütigen Bewerbungsrede schlug er wie in den vergangenen Wochen einmal mehr moderate Töne an. Er warb für eine pro-europäische Politik und für eine Reform des Föderalismus, schwor die CSU auf Erneuerung ein und grenzte sich zum wiederholten Mal klar von der AfD ab.

Dabei bemühte sich Söder, Vorwürfe zu entkräften, seine neue sanfte Linie sei bloße Taktik. Im Wahlkampf habe ihn die Partei, allen Widrigkeiten und schlechten Umfragewerten zum Trotz, nie hängen lassen, sagte er. "Wenn man solche Erfahrungen im Leben hat, und das ist eine extreme Erfahrung, dann wächst daraus etwas: Einsicht", versicherte der 52-Jährige. "Ich bin wirklich entschlossen, die richtigen Lehren aus dem Jahr 2018 zu ziehen."

Kramp-Karrenbauer: "Ein ehrliches Ergebnis"

Ein Ergebnis von mehr als 90 Prozent der gültigen Stimmen, wie es Seehofer zum Start 2008 bekommen hatte, blieb Söder verwehrt: 87,4 Prozent waren es bei ihm. Während CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer von einem "sehr ehrlichen Ergebnis" sprach, zeigte sich der eine oder andere Söderianer im Saal enttäuscht. Andere Delegierte wollten das Resultat keineswegs als Dämpfer für Söder verstanden wissen: "Wenn man heute hart arbeitet und versucht, etwas zu bewegen, hat man nicht nur Freunde", sagte beispielsweise Alois Scherer, Bürgermeister aus Denning in der Oberpfalz. "Aber ist trotzdem ein gutes Ergebnis."

Söder selbst nahm es gelassen und dankte für den Vertrauensvorschuss: "Ist ja auch nur für ein halbes Jahr", sagte er augenzwinkernd mit Blick auf den nächsten regulären Parteitag im Herbst. "Wir wählen ja wieder im Oktober, da können wir uns dann weiterentwickeln."

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Autor
  • Petr Jerabek
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