Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

An der Mündung wird die Isar zur wahren Arche Noah | BR24

© BR

Die Isarmündung bei Deggendorf

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Video-Inhalten

An der Mündung wird die Isar zur wahren Arche Noah

Die Isar: 37 Wasserkraftwerke stauen den Fluss auf, dadurch wurden viele Pflanzen und Tiere verdrängt. Das Mündungsgebiet hingegen ist ein artenreicher Lebensraum geblieben - dank umfangreicher Schutzmaßnahmen.

Per Mail sharen

Unterwegs im Mündungsgebiet der Isar zwischen Deggendorf und Plattling. Wer hier aufmerksam und leise auf dem Rundweg des Infozentrums Isarmündung unterwegs ist, kann zwischen Schilf und Wasser seltene Tiere entdecken. Zum Beispiel die gebänderte Pracht-Libelle.

Die Mündung der Isar in die Donau - mit ihren Auen, ihrer Pflanzen- und Tierwelt ist seit 1990 Naturschutzgebiet. Thomas Schoger-Ohnweiler ist der sogenannte Gebietsbetreuer der Isar-Mündung. Also Naturschützer im Auftrag des Landkreises Deggendorf

"Die Faszination macht eindeutig aus, dass ich die Isar eigentlich auf allen meinen bisherigen Lebensstationen begleiten durfte, bis hierher ins Isar-Mündungsgebiet wo ich jetzt beruflich tätig sein darf seit 16 Jahren. Also es ist eindeutig eine Lebensader von mir. Kann man wirklich so sagen.“

© BR / Rebekka Preuß

Thomas Schoger-Ohnweiler, Gebietsbetreuer für das Mündungsgebiet der Isar

Artenvielfalt durch Renaturierung

Eine seiner Lieblingsstellen ist die frisch renaturierte Isar bei Plattling. Wo früher 2 Meter 50 hohe Steinmauern den Fluss einzwängten, darf er sich jetzt wieder entfalten. Die Uferverbauungen sind entfernt. Der Fluss kann auf natürliche Weise seine Gesteinsfracht ablagern. Kiesbänke entstehen und bilden neue Lebensräume. Genauso wie die umgestürzten Bäume der früheren Uferböschung, die jetzt als Totholz Nahrungs- und Brutplatz sind. Im Wurzelstock einer umgestürzten Pappel hat sich ein Eisvogel eingenistet.

Eisvögel haben drei bis vier Mal im Jahr Junge, erklärt Schoger-Ohnweiler. Sie seien normalerweise an natürlichen Abbruch-Ufern an der Isar zu finden. "Aber hier durch diese Pappeln gibt es für ihn eine neue Möglichkeit auch seine Jungen groß zu ziehen."

Auwälder gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen

Auf der renaturierten Flächen wächst jetzt auch ein Auwald. Einen Teil hat der gelernte Landschaftsgärtner und Landschaftsarchitekt Thomas Schoger-Ohnweiler mit Schulklassen gepflanzt. So auch die vom Aussterben bedrohte Schwarz-Pappel.

Als er vor 16 Jahren die neu geschaffene Stelle des Gebietsbetreuers antrat, war das Verständnis und die Unterstützung für seine Arbeit noch nicht so groß.

"Für mein Empfinden war wirklich das Hauptereignis das Hochwaser 2013. Wo, glaube ich, auch in der Bevölkerung angekommen ist, man muss - wo es geht - den Flüssen wieder mehr Raum geben." Thomas Schoger-Ohnweiler, Gebietsbetreuer für das Mündungsgebiet der Isar

37 Kraftwerke stauen den Fluss in seinem Lauf auf. Für den Gebietsbetreuer ein zwiespältiges Bild. CO2-neutrale Wasserkraft, die dennoch Lebensraum zerstört.

Vom Aussterben bedrohte Tiere leben im Mündungsgebiet

Für Schoger-Ohnweiler ist es deshalb umso wichtiger, die weniger sichtbaren Besonderheiten der Isar zu bewahren. In einem alten Entwässerungsgraben hat sich die vom Aussterben bedrohte gemeine Bachmuschel angesiedelt. Allerdings gräbt ihr der Biber mit seinem Damm oberhalb ihres Platzes das Wasser ab.

Man habe hier im Landkreis Deggendorf noch einen Bestand von 8.000 Bachmuscheln. Das sei ein Spitzenwert, betont der Gebietsbetreuer. In anderen Gegenden sei sie bereits ausgestorben. "Deshalb ist es so wichtig, ihren Lebensraum zu erhalten. Hier an diesem Flusslauf lebt auch ein Biber und wenn wir uns den Biber-Damm jetzt genau anschauen, dann müssen wir oben die erste Astschicht entfernen, damit das Wasser wieder bei den Muscheln im Unterlauf ankommt. Und das muss man alle zwei, drei Tagen machen."

Biogenetisches Reservat - so klassifizieren Fachleute die Isarmündung. Thomas Schoger-Ohnweiler nennt sie liebevoll: "meine Arche Noah".