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Amtsgericht: Dürfen Frauen am Fischertag in den Stadtbach? | BR24

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Der Fischertag in Memmingen hat eine jahrhundertelange Tradition . Von Beginn an ist er praktisch nur Männer-Sache. Das will eine Frau jetzt ändern.

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Amtsgericht: Dürfen Frauen am Fischertag in den Stadtbach?

Beim traditionellen Ausfischen des Memminger Stadtbachs am Fischertag dürfen bisher nur Männer teilnehmen. Sie küren dann auch den Fischerkönig. Eine Memmingerin will das nicht länger akzeptieren.

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© Peter Allgaier/BR

Memmingerin klagt gegen Männerdominanz beim Fischertag

Das Amtsgericht Memmingen hat sich heute mit der Frage beschäftigt, ob auch Frauen am traditionellen Ausfischen des Stadtbachs teilnehmen dürfen. Ein Urteil soll am 31. August verkündet werden. Eine Memmingerin hatte geklagt, weil sie sich als Frau vom Memminger Fischertagsverein diskriminiert fühlt.

Allein aufgrund ihres Geschlechts werde sie von der Teilnahme an einer zentralen Veranstaltung der Stadt ausgeschlossen. Dies widerspreche dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz, so Susann Bräcklein, die Anwältin der Klägerin in der Verhandlung.

Die Satzung lässt nur Männer zu

30.000 Besucher kommen jedes Jahr zum Stadtbachausfischen nach Memmingen. Wer die größte Forelle fängt, wird Fischerkönig. Allerdings dürfen nur Männer und Jungen in den Stadtbach „jucken“ (springen), wie der Volksmund sagt. Denn laut Vereinsatzung sind Frauen nicht zugelassen, sie müssen mit dem Kübel am Ufer warten und die Fische der Männer in Empfang nehmen.

Die Klägerin fordert deshalb, auch in die Gruppe der Stadtbachfischer aufgenommen zu werden und verlangt 1000 Euro Schadenersatz. Tradition allein rechtfertige keine Diskriminierung, so ihre Anwältin Susann Bräcklein, zumal das Ausfischen ihrer Ansicht nach eine öffentliche Aufgabe der Stadt sei.

Der Vorstand sieht sich ins falsche Licht gerückt

Auch wenn der Fischertagsverein diese übernommen habe, dürfe er hier kein Privatrecht ausüben und ohne sachlichen Grund Personen ausschließen. Der Vorstand des Fischertagsvereins sieht sich dagegen zu Unrecht als „rückständig“ dargestellt. Der Verein habe 4500 Mitglieder, davon sei gut ein Drittel weiblich und auch im Vorstand sitze eine Frau. Nur das Ausfischen des Stadtbachs sei eben ein jahrhundertealtes Brauchtum, das den Männern vorbehalten bleiben solle, so Michael Ruppert, der Vorsitzende des Fischertagsvereins.

Historisch ist der Fall aber nicht eindeutig, so hängt etwa im Memminger Stadtmuseum eine Zeichnung aus dem Jahr 1878, die den Fischertagsumzug zeigt und auf dem auch Fischerinnen zu sehen sind.  Ruppert beruft sich aber auch auf das Selbstbestimmungsrecht des Vereins.

Klägerin scheiterte zweimal

Die Klägerin hatte bereits 2018 und 2019 ihr Anliegen auf der Jahresversammlung des Fischertagvereins eingebracht. Sie war bei den Delegierten aber jeweils deutlich gescheitert, holte etwa bei der letzten Abstimmung nur drei Prozent der Stimmen. Ruppert sieht darin ein klares demokratisches Votum des Vereins, das nicht ausgehebelt werden dürfe.

Das Urteil des Amtsgerichts dürfte nur eine vorläufige Entscheidung sein. Denn beide Seiten wollen im Falle einer Niederlage vor die nächsthöhere Instanz ziehen.

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