Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Amphibiensterben: Wie kann man Fröschen, Lurchen und Co. helfen? | BR24

© BR

Frösche und Kröten gibt es immer weniger. In Bayern stehen 11 von 19 Amphibienarten auf der Roten Liste. Jeder kann etwas tun, um sie noch zu retten.

5
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Amphibiensterben: Wie kann man Fröschen, Lurchen und Co. helfen?

Amphibien gehören zu den am stärksten bedrohten Tieren. 11 der 19 bayerischen Arten stehen auf der Roten Liste der besonders gefährdeten Tierarten. Doch jeder kann etwas tun, um Frösche, Molche, Unken oder Kröten vor dem Aussterben zu bewahren.

5
Per Mail sharen
Teilen

Uwe Friedel vom Naturschutzreferat des Bund Naturschutz befürchtet, dass der Klimawandel das Amphibiensterben noch einmal deutlich beschleunigen wird.

Ursachen für das Amphibiensterben

Die Gründe dafür sind vielfältig: Insekten sind Hauptnahrung für Amphibien. Aber nicht nur der Insektenschwund macht ihnen das Überleben schwer. Dazu kommen der Flächenfraß, immer weniger natürliche Lebensräume, Pflanzenschutzmittel und die Veränderung des Klimas.

"Wenn durch den Klimawandel auch bei uns immer mehr Feuchtwiesen und Tümpel austrocknen sollten, bedeutet das für viele Amphibienvorkommen das Ende und das einst so selbstverständliche Quaken der Frösche wird dann immer seltener." Uwe Friedel, Bund Naturschutz

Wer öko kauft, hilft Amphibien

Laut Uwe Friedel kann jeder etwas tun, um das Amphibiensterben sterben zu stoppen:

"Jede und jeder kann schon beim Lebensmitteleinkauf etwas für die Amphibien tun, zum Beispiel mit Produkten aus ökologischer Landwirtschaft und regionaler Erzeugung." Uwe Friedel, Bund Naturschutz

Mit dem Kauf ökologisch erzeugter Produkte spricht man sich automatisch gegen die Nutzung von Pestiziden aus, die in der Landwirtschaft immer noch in großen Mengen zum Einsatz kommen. Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Amphibien durch den reinen Kontakt zu mit Glyphosat verseuchtem Boden, immensem Stress und negativen Effekten ausgesetzt werden könnten, erklärt Carsten Brühl von der Universität Koblenz-Landau. Viele leben aufgrund von fehlenden Lebensräumen auch in Feldern und sind so mehrmals im Jahr den ausgebrachten Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt.

Pestizide gelangen auch in die Gewässer

Auch die Gewässer bieten den Lurchen kein gesundes, sicheres Terrain mehr. Der Regen spült pestizidhaltiges Abwasser in die Tümpel und vergiftet die Amphibien, die durch ihre Hautatmung besonders schnell und folgenreich betroffen sind. Carsten Brühl forscht seit Jahren zu diesem Thema.

"Glyphosat wird vor allem als Mittel diskutiert, das Auswirkungen auf das Hormonsystem hat, also nicht nur Krebs erzeugt, sondern das Hormonsystem beeinflusst. Und da sind Amphibien besonders empfindlich." Carsten Brühl, Universität Koblenz-Landau

Die naturbelassenen Gewässer, die den Tieren als überlebenswichtige Habitate dienen, sind mittlerweile zur Seltenheit geworden.

Den Garten zum Lebensraum werden lassen

Der Klimawandel und der zunehmenden Flächenfraß verändern die Landschaft. Viele Lebensräume der Amphibien, wie die natürlichen Fließgewässerauen, sind bereits fast vollständig aus Bayern verschwunden.

Auch wenn Gärten nicht den bevorzugten Lebensraum von Amphibien darstellen, empfiehlt Uwe Friedel Grundstücksbesitzern mehr Vielfalt im heimischen Garten. Tote Äste, Steinhöhlen oder Grashaufen sollten nicht sofort entfernt werden. Lurche mögen das warme Dickicht, dichte Hecken oder feuchte Gräben. Gleichzeitig locken ungemähte Wiesen mit vielen blühenden Blumen auch Vögel und Insekten an.

Amphibienhelfer retten Leben

Oft entwickeln sich Straßen für Frösche, Lurche und Co. zur Todesfalle. Um von Feldern oder aus Wäldern in die Laichgewässer zu gelangen, überqueren Amphibien im Frühjahr - meist bei Dunkelheit und Nässe - diese gefährliche Zone. Jede Nacht kommt dabei ein Drittel der wandernden Tiere ums Leben. Umweltorganisationen haben zum Schutz der Lurche an Straßen mit hohem Amphibienaufkommen Zäune errichtet. Ehrenamtliche Helfer sammeln die Tiere schließlich ein und setzen sie auf der anderen Straßenseite in ihren Laichgebieten wieder ab.

Mit rund 6.000 freiwilligen Helfern betreut der Bund Naturschutz jedes Jahr 450 Straßenabschnitte in Bayern und rettet so in Spitzenjahren bis zu 700.000 Amphibien das Leben: Ein starkes Engagement der Umweltschützer. Der Bund Naturschutz bieten online zusätzlich Karten an, in denen jedes Mitglied Amphibienwanderwege kennzeichnen kann. Bei der nächsten Wanderung kann man also beispielsweise Augen offen halten und mithelfen, die Amphibien sicher über die Straße zu bringen.