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Amnesty Erlangen: Impfstoff ist global ungerecht verteilt | BR24

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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International legt ihren jährlichen Report vor. Die Ortsgruppe in Erlangen behandelt schwerpunktmäßig Menschenrechtsverletzungen in der Türkei, Belarus und Seenotrettung im Mittelmeer.

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Amnesty Erlangen: Impfstoff ist global ungerecht verteilt

Seit 60 Jahren setzt sich Amnesty International für Menschenrechte ein. Schon früh bildete sich auch eine Ortsgruppe in Erlangen. Unter anderem prangern die Erlanger Aktivisten die ungleiche Verteilung des Impfstoffes in der Corona-Pandemie an.

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Von
  • Tina Wenzel

Die Ortsgruppe von Amnesty International in Erlangen plant derzeit eine Plakat-Ausstellung in der Erlanger Stadtbibliothek. "Die Welt im Wandel" lautet der Titel. Es geht unter anderem um die Seenotrettung, die Folgen des Klimawandels und die der Corona-Krise.

Amnesty: Reiche Länder horten Impfstoffe

So sei der Impfstoff ungerecht in der Welt verteilt, mahnt Jutta Schnabel, Aktivistin und Bezirkssprecherin von Amnesty International für Mittel- und Oberfranken.

"Das Recht auf Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht", so die 36-Jährige. Allen Menschen müsse der Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglicht werden. Auch im aktuellen Jahresbericht, der heute veröffentlicht wurde, fordert die Menschenrechtsorganisation eine faire Verteilung der Impfstoffe weltweit. Bislang scheitere dies, weil reiche Länder die Impfstoffe horten, betont Amnesty International in ihrem Bericht zur Lage der Menschenrechte.

Aktionen mehr und mehr im Netz

Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeit der Ortsgruppe verändert, sie zwingt die Aktivisten umzudenken. So werden die Plakate der Ausstellung nun auch im Netz gezeigt, falls die Bibliothek doch wieder schließen muss. Die Arbeit der Gruppe hat sich seit Ausbruch der Pandemie mehr und mehr ins Digitale verlagert. Bei den wenigen Aktionen vor Ort galt, Maske tragen und Abstand halten. Dennoch fand die Ortsgruppe einen Weg, im Stadtbild präsent zu sein. An mehreren Orten in Erlangen hängen seit einigen Monaten Rettungsringe, um auf die Situation der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam zu machen.

Auch bei den regelmäßigen Gruppentreffen mussten die Aktivisten umplanen. Treffen finden nur noch online statt. "Unsere Gruppe konnte relativ schnell ins Digitale umsteigen. Andere Ortsgruppen fällt es bis heute schwer", sagt Bezirkssprecherin Jutta Schnabel.

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In Erlangen sind Rettungsringe verteilt, die auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen, die über das Mittelmeer nach Europa kommen.

Amnesty Hochschulgruppe setzt Augenmerk auf Belarus

Die Hochschulgruppe von Amnesty International in Erlangen hat den Weg ins Netz ebenfalls schnell gefunden. Zuletzt hatten sie im März eine Diskussionsrunde zur Menschenrechtssituation in Belarus im Netz organisiert, bei der Experten und Betroffene aus dem Land zugeschaltet waren, berichtet Karla Pfeifer, die in der Amnesty-Gruppe aktiv ist. In Belarus sind im vergangenen Jahr Hunderttausende Menschen gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Die Polizei reagierte mit Gewalt und Massenverhaftungen. Und noch immer werden Menschen willkürlich auf der Straße verhaftet.

Persönlicher Austausch fehlt

Informieren, aufklären: Das ist den jungen Aktivisten der Hochschulgruppe wichtig. In den sozialen Medien, zum Beispiel auf Instagram, machen sie auf verschiedene Petitionen von Amnesty aufmerksam, fordern junge Menschen zum Handeln auf. Dennoch: Der persönliche Austausch mit den Menschen sowohl am Infostand als auch innerhalb der Gruppe fehlt, sagt Paul Lehmann von der Hochschulgruppe. "Es ist schade, teilweise habe ich Mitglieder, die jetzt schon ein Dreivierteljahr dabei sind, noch nie persönlich getroffen", sagt der 24-Jährige.

60 Jahre Einsatz für die Menschenrechte

Im Juli 1961 wurde Amnesty International in London gegründet. Schnell folgten regionale Gruppen – so auch in Erlangen. Mittlerweile gibt es im Bezirk Mittel- und Oberfranken 20 Gruppen, sagt Bezirkssprecherin Schnabel. Mehr als 300 Mitglieder bereiten aktiv Aktionen und Kampagnen im Bezirk vor.

In der Region setzten die Gruppen unter anderem ein Zeichen gegen den Anschlag in Hanau im Februar 2020 oder richteten 2017 Mahnwachen vor dem türkischen Generalkonsulat in Nürnberg ein, um gegen die Verhaftung von inhaftierten Menschenrechtsaktivisten zu demonstrieren. "Ich denke, als Amnesty Gruppe sind wir in Erlangen und in allen anderen Städten, in denen wir aktiv sind, quasi die Botschafter für Menschenrechte vor Ort. Wir wollen Sichtbarkeit für die Thematik und wir wollen, dass die Leute selbst aktiv werden", sagt Jutta Schnabel, die sich seit 16 Jahren bei Amnesty International engagiert.

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Amnesty-Aktivisten gedenken in Erlangen an die Opfer der Anschläge in Hanau.

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Vor der Corona-Pandemie: Amnesty-International-Aktivisten demonstrieren für den Klimaschutz

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"Für Demonstrationsfreiheit weltweit": Amnesty-Mitglieder aus ganz Deutschland setzen ein Zeichen für die Menschenrechte in Nürnberg

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Mahnwache vor dem türkischen Konsulat in Nürnberg 2017

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