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Ammersee-Gemeinden finden Schlupflöcher für Seebäder-Haftung | BR24

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Ein BGH-Urteil hat dafür gesorgt, dass Gemeinden ihre öffentlichen Naturbäder in Seen rigoros umgebaut oder aufgelöst haben. Auch am Ammersee. Die Orte Pähl und Utting ausgenommen. Beide Gemeinden halten an den bisherigen Strand- und Seebädern fest.

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Ammersee-Gemeinden finden Schlupflöcher für Seebäder-Haftung

Ein BGH-Urteil hat dafür gesorgt, dass Gemeinden ihre öffentlichen Naturbäder in Seen rigoros umgebaut oder aufgelöst haben. Auch am Ammersee. Doch die Orte Pähl und Utting halten an den bisherigen Strand- und Seebädern fest.

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Natürlich haben sich die Bürgermeister und Gemeinderäte von Pähl und Utting bei Anwälten und ihren Versicherungen rückversichert – die Entscheidung stand aber vermutlich schon vorher fest: Beide Gemeinden verzichten auf umfangreiche Rückbaumaßnahmen, wie sie der Bundesgerichtshof in einem Urteil von November 2017 gefordert hat.

Tragischer Unglücksfall mit weitreichenden Folgen

Auslöser für das BGH-Urteil war die Klage einer Familie in Rheinland-Pfalz, deren Tochter sich im Seil einer Boje verfangen hatte und erst mehrere Minuten später von der Badeaufsicht befreit wurde. Seither ist die 12-Jährige schwerbehindert. Ein Pflichtverstoß – so das BGH.

Das Gericht präzisierte die Rechtsprechung dahingehend, dass in einem Seebad Bademeisterinnen und Bademeister das Geschehen im Wasser fortlaufend beobachten und bei Gefahr so schnell wie möglich eingreifen müssen. Das Problem: In Deutschland fehlten im vergangenen Jahr rund 2.500 Bademeister, auch in Bayern suchen viele Kommunen vergeblich nach kompetenten Aufsichtspersonen.

Ist die Aufsicht nicht lückenlos gewährleistet, müssen Kommunen ihre Naturbäder eigentlich zu bloßen Badestellen umwidmen und dafür mögliche Gefahrenquellen – etwa Rutschen oder Sprungtürme – abbauen.

Utting: Neue Regeln für den Zugang zum Turm

Utting jedoch will sein Strandbad nahezu unverändert weiterführen. Die Schwimmkreuze bleiben als Badeinseln im See, trotz der umstrittenen Verankerung am Seeboden. Und auch der Sprungturm wird nicht abgebaut. Es gelten nur neue Regeln für den Turm: Er ist im Sommer nur noch bis 21 Uhr geöffnet, der Zugang wird durch ein Tor verschlossen. Der Pächter des Strandbades, das Bürgermeister Josef Lutzenberger als ein Stück Lebensqualität in Utting bezeichnet, musste zudem mehrere Bademeister anstellen.

Pähl sieht seine Badeinsel als Sicherheits-, nicht Risikofaktor

Auch in Pähl schwimmt die Badeinsel unbeeindruckt von der Diskussion im Ammersee – und Bürgermeister Werner Grünbauer will daran festhalten. Denn die Insel sei nicht nur ein Garant für Badespaß, sondern auch ein Sicherheitsfaktor für schwächere oder ältere Schwimmer, so Grünbauer.

Bürgermeister zeigt keine Angst vor Klagen

Er bekomme sehr viel Zuspruch aus der Bevölkerung für die Entscheidung. Etwaige Klagen fürchtet er nicht, vielmehr sagt Grünbauer trotzig: Dann sollen sie mich halt wegen einer Badeinsel einsperren.