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Ameise auf grüner Pflanze

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    Ameisen als Gärtner - nicht immer im Sinne des Menschen

    Ameisen sind nicht nur die Polizei des Waldes, sie betätigen sich auch als Gärtner: Sie säen Pflanzen aus und legen Hügelbeete an. Das geschieht nicht immer im Sinne des Hobbygärtners, aber meist recht erfolgreich - aus Ameisen-Sicht jedenfalls.

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    Von
    • Ursula Klement

    Ein gutes Drittel aller krautigen Pflanzenarten in unseren Laub- und Mischwäldern ist abhängig von Ameisen. Die Pflanzen sind darauf angewiesen, dass ihre Samen von Ameisen auf der Fläche verteilt werden. Der Gartler dagegen könnte gut darauf verzichten. Ihn erfreut es meist nicht, wenn aus allen Ecken Schöllkraut, Lerchensporn und Taubnesseln sprießen.

    Ameisen säen gegen Belohnung

    Es liegt am Elaiosom. Den Ameisen (in Deutschland gibt es weit über 100 Arten) geht es in Wirklichkeit nur um das Zuckerchen, das an den Samen von bestimmten Pflanzenarten dranhängt. Das winzige Anhängsel, zucker-, fett- und eiweißreich, ist eine wertvolle und zugleich leicht zu erbeutende Nahrung. Muss nicht gefangen und erlegt werden, die Pflanze bietet es den Ameisen quasi „to go“ an. Oft in so großen Mengen, dass es sich lohnt, eine Ameisenstraße einzurichten.

    Die Ameisen tragen die Samen mit dem Elaiosom in ihren Bau. Dabei kommt es nach Auskunft des Ameisenforschers Dr. Bernhard Seifert vom Senckenberg Museum in Görlitz allerdings manchmal zu Unfällen, sie verlieren den ein oder anderen Samen auf der Strecke. Oder aber sie vespern das Elaiosom gleich unterwegs und lassen den dann für sie wertlosen Samen absichtlich an Ort und Stelle liegen. Der Großteil der Samen kommt allerdings im Bau an, wird dort als Vorrat angelegt. Nachdem die Elaiosome abgebissen worden sind, tragen die Ameisen die Samen wieder aus dem Bau raus und legen sie am nächstbesten Platz ab. So einfach funktioniert Aussäen in der Natur. Wenn es von Ameisen erledigt wird, sagen die Experten "Myrmekochorie" dazu.

    Warum gerade die Frühblüher im Wald?

    Rote Ameisen, Wegameisen und Waldameisen verbreiten unter anderem die Samen von Borretsch, Walderdbeeren, Bärlauch, Günsel, Waldveilchen, Lerchensporn, Lungenkraut, Buschwindröschen, Leberblümchen, Taubnessel, Glockenblumen und Seggen. Darunter sind auffallend viele Frühlingsblumen aus dem Wald. Warum? Die Samen dieser Pflanzen reifen sehr früh im Jahr. Zu einer Zeit, zu der die Vögel mit Nestbau und Jungenaufzucht beschäftigt sind. Das heißt, sie haben keine Zeit, um so winzige Samen zu fressen und zu verbreiten.

    Für die Jungvögel eignen sie sich auch nicht, die brauchen tierische Nahrung, vor allem Insekten. In der Krautschicht im Wald weht kaum ein Wind – also scheidet auch diese Art der Samenverbreitung aus. Da bleiben noch die Ameisen. Und die kommen eben zu den Pflanzen, die die Belohnung für den Transport gleich an die Samen mit angeheftet haben.

    Diplomgärtner Ameise?

    Eugen Schleipfer, Gärtnermeister und Staudenzüchter aus Neusäß bei Augsburg sagt: Wenn jemand den Titel Diplomgärtner verdient habe, dann die Ameise. Seine Beobachtungen zufolge legen Ameisen die Samen meist am richtigen Standort ab. So wachse ein Veilchen grundsätzlich nur auf der Sonnenseite des Strauches.

    Und was machen die Ameisen? Sie würden die Samen vom Veilchen tatsächlich an die Südseite säen und die vom Alpenveilchen an die Schattenseite. Wie ein Diplomgärtner. Wenn hoch oben in der Mauerritze einer Burgruine oder an einem alten Kirchturm Glockenblumen und Lerchensporn aufgehen – war das sicher auch das Werk von Ameisen, meint Gärtner Eugen Schleipfer. Denn die Samen von Glockenblumen und Lerchensporn haben keine Flugschirme, eine Verbreitung durch den Wind kommt also nicht in Frage.

    Ameisen legen Hügelbeete an

    Hügelbeete anlegen für Pflanzen mit besonderen Ansprüchen: Gelbe Wegameisen errichten mit mineralischem Bodenmaterial winzige Hügel im Garten. Diese kleinen Häufen sind besser durchlüftet, wärmer und oft auch nährstoffreicher als der Boden in der Umgebung – kein Wunder, dass darauf besondere Pflanzen wachsen.

    Wie ein bunter Steingarten sehen diese kleinen Hügelbeete aus, sagt Ameisenforscher Bernhard Seifert aus Görlitz. Man findet sie auf extensiven Schafweiden oder auf Kalktrockenrasen. Oft mit Thymian darauf. Warum im Garten manche Ameisen ihren Bau gern dort anlegen, wo Thymian wächst und auch mit umziehen, wenn der Thymian an eine andere Stelle gepflanzt wird, darauf gibt es bislang allerdings noch keine Antwort.

    Gartler, die sich darüber ärgern, dass die Ameisen beim Aussäen erfolgreicher sind als sie selbst, können sich vielleicht damit trösten: Die Ameisengartlerei fördert die Artenvielfalt. Flockenblumen, Leimkraut und Taubnesseln, die auch von Ameisen verbreitet werden, sind für viele Insektenarten wichtige Nektar- und Pollenlieferanten.

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