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Amberger Prügel-Prozess: Richter will kein Exempel statuieren | BR24

© pa/dpa/A. Weigel

Peter Jung, Richter im Prozess um die Amberger Prügeltour: Die Angeklagten dürften nicht als "Blitzableiter" für Wutbürger herhalten, sagt er.

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Amberger Prügel-Prozess: Richter will kein Exempel statuieren

Die Urteile zur Amberger Prügeltour sind gefallen. Nur ein Angeklagter muss ins Gefängnis, die drei anderen Asylbewerber kommen mit Bewährungsstrafen davon. Zur Begründung sagt der Richter, die Angeklagten dürften nicht als "Blitzableiter" herhalten.

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Nach dem Prügel-Attacken Ende Dezember in Amberg sind drei der Asylbewerber ab sofort wieder auf freiem Fuß. Das Amtsgericht hat sie am Vormittag zu Bewährungsstrafen verurteilt. Die drei jungen Männer aus Afghanistan erhielten Jugendstrafen zwischen sechs und 13 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt sind.

Der Haupttäter (18) aus dem Iran muss allerdings in Haft. Er erhielt zwei Jahre und sieben Monate Freiheitsstrafe und wird in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Die vier jungen Männer nahmen das Urteil am Vormittag regungslos und mit gesenkten Köpfen auf. In ihren letzten Worten hatten sich zwei von ihnen noch einmal entschuldigt.

Richter: Angeklagte sind keine Blitzableiter

Richter Peter Jung betonte in der Urteilsbegründung, dass die jungen Männer nicht hier sitzen würden "als Blitzableiter für Empfindungen von Bürgern, die aufgewühlt worden sind". Dafür wäre die Wahlurne der richtige Platz, "nicht dieser Sitzungssaal". Zudem seien sie nicht als Werkzeug zu sehen, "um ein Exempel zu statuieren". Sie säßen hier auch nicht stellvertretend für alle Afghanen und Iraner, so der Richter.

Milde Strafen nach Geständnissen

Vor allem die Geständnisse haben sich strafmildernd ausgewirkt. Damit hat sich der Prozess erheblich verkürzt: Von zunächst 25 auf fünf Verhandlungstage. Außerdem sind den Opfern diffizile Befragungen erspart geblieben und viele Zeugen konnten wieder ausgeladen werden.

Zu Beginn des Prozesses hatte es ein so genanntes Rechtsgespräch gegeben, in dem Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidiger den Strafrahmen eingrenzten. Im Gegenzug legten die vier Angeklagten Geständnisse ab. Diese seien "glaubhaft" gewesen, sagte der Richter.

Angeklagter in der JVA vergessen

Wegen einer ungewöhnlichen Panne hatte sich die Urteilsverkündung am Morgen um eine Dreiviertelstunde verzögert: Die Polizei hatte vergessen, einen der Angeklagten aus der JVA Amberg abzuholen.

© BR

Die Menschen in Amberg wollen nach den Urteilssprüchen im Prügel-Prozess wieder zur Normalität zurückkehren. Das sagte der BR-Reporter Rudolf Heinz der Rundschau. In der Stadt sei man über das Ende des Verfahrens froh.