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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Rolf Vennenbernd

In Straubing ist ein Amazon Verteilzentrum geplant: Die meisten Reaktionen sind positiv. Denn es würde neue Arbeitsplätze schaffen.

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Amazon plant Verteilzentrum in Straubing

Der Online-Händler Amazon will in Straubing-Sand wohl ein Verteilzentrum eröffnen. Dadurch würden 100 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Reaktionen auf diese Pläne fallen überwiegend positiv aus.

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Von
  • Sarah Beham
  • BR24 Redaktion

Der Online-Händler Amazon plant, ein Verteilzentrum im Hafen Straubing-Sand zu eröffnen. Das bestätigte eine Amazon-Sprecherin dem BR: "Wir prüfen derzeit die Möglichkeit." Weiter heißt es, dass dadurch rund 100 Arbeitsplätze in Straubing geschaffen werden sollen. Sollte sich Amazon für den Standort Straubing entscheiden, wäre es das erste Amazon-Verteilzentrum in Niederbayern.

Neuer Standort soll nachhaltig werden

Straubings Landrat Josef Laumer (CSU), zugleich amtierender Vorsitzender des Zweckverbands Hafen Straubing-Sand (ZVH), befürwortet die Ansiedlung: "Wir freuen uns darüber. Wir müssen uns am Kunden-Verhalten, am Kaufverhalten orientieren, das online abläuft. Während Corona hat man das deutlich gesehen." Laumer sieht vor allem in den neu geschaffenen Arbeitsplätzen Vorteile – gerade jetzt in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Andreas Löffert, Geschäftsleiter des Zweckverbands Hafen Straubing-Sand (ZVH), steht dem geplanten Amazon-Verteilzentrum ebenfalls aufgeschlossen gegenüber: "Amazon sucht Standorte mit herausragender Infrastruktur – unser Hafen ist in Niederbayern der stärkste." Dass sich Amazon offenbar dem Thema Nachhaltigkeit beim Verteilzentrum in Straubing annehmen will, sieht er positiv. "Da legen wir Wert drauf: nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch und sozial. Ich gehe davon aus, dass es für die Region unter diesen Gesichtspunkten eine gewinnbringende Ansiedlung sein kann."

Amazon hat sich verpflichtet bis 2040 Bestellungen CO2-neutral auszuliefern. Dazu werden neue Standorte in der Regel für die Nutzung von Elektromobilität ausgerüstet.

Örtlicher Einzelhandel: Selbst in Online-Geschäft investieren

Der Vorsitzende des örtlichen Einzelhandesverbands, Martin Erdl, reagierte gegenüber dem BR hingegen zurückhaltender: "Das ist schon stark geheim gehalten worden, weil das natürlich sehr polarisierend ist. Weil natürlich der stationäre Handel sehr angegriffen ist. In der Richtung entstehen auch Feindbilder gegenüber dem Online-Handel." Dennoch ist Erdl, der selbst ein Sportgeschäft in Straubing betreibt, davon überzeugt, dass der stationäre Einzelhandel in den Online-Handel investieren müsse – das hätten auch die Lockdowns gezeigt. Es gebe neben Amazon auch andere Online-Plattformen, so Erdl: "Wir selbst sind auf vier verschiedenen Plattformen und treiben auch unseren eigenen Online-Shop stark voran." Erdl denkt seit Jahren darüber nach, einen regionalen Online-Marktplatz zu stationieren – jetzt böte sich die Gelegenheit für ihn. "Ich glaube, dass das in Zukunft auch seine Berechtigung hat. Man will den regionalen Markt stützen und in den Lockdowns merkt man, wie wichtig Geschäfte sind, um Produkte zu sehen – aber auch die Möglichkeit, online zu bestellen."

Jobs für ehemalige Harman-Mitarbeiter?

Dass durch das geplante Amazon-Verteilzentrum neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wird in der Region positiv gesehen. Gerade für ehemalige Mitarbeiter des internationalen Automobilzulieferers Harman in Straubing, der Ende des Jahres endgültig schließt, könnte es eine Chance sein. Denn: Rund 600 Harman-Mitarbeiter verlieren durch die Werkschließung ihre Jobs. Der ehemalige Harman- Betriebsratsvorsitzender Thomas Hegewald: "Wir hatten auch viele Logistiker bei Harman, vielleicht wäre es eine Möglichkeit für den ein oder anderen, beim Amazon-Verteilzentrum in der Region unterzukommen."

Kein Warenlager, sondern Verteilzentrum

Beim geplanten Projekt soll es sich nicht um ein Warenlager handeln. In dem Verteilzentrum sollen Pakete aus den Logistikzentren für die Auslieferung an die Kunden sortiert werden – es handelt sich bei derartigen Zentren also um die sogenannte "letzte Meile", so die Amazon-Sprecherin. Die Anlieferung der Pakete aus den Logistikzentren erfolge vor allem nachts. "Eigene Verteilzentren benötigen wir dort, wo die bestehenden Kapazitäten der Partner nicht ausreichend sind, weil Kundennachfrage nach schnelleren und flexibleren Lieferoptionen in der Region steigt," sagt die Amazon-Sprecherin.

Segen oder Fluch für stationären Einzelhandel?

Die Amazon-Sprecherin sieht nicht die Gefahr, dass der stationäre Einzelhandel in Straubing durch das Verteilzentrum Konkurrenz bekommt. Der E-Commerce würde den stationären Läden laut Sprecherin eine große Chance bieten: "Die Hälfte der weltweit bei Amazon verkauften Produkte stammt von Marketplace Verkäufern. Wir bieten kleinen und mittleren Unternehmen den großen Vorteil des Zugangs zu Millionen von Kunden weltweit." Allein in Bayern hätten 2019 mehr als 5.900 kleinere und mittlere Unternehmen über Amazon 430 Millionen Euro Exportumsätze erzielt, sagt die Amazon-Sprecherin.

Kritiker werfen dagegen dem Versand-Giganten Amazon vor, er würde seine Kontrolle über den eigenen Marketplace nutzen, um seine eigene Macht als Einzelhandel auszubauen und auch die wachsende Abhängigkeit der kleineren und mittleren Unternehmen ausnutzen.

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